Eine Rente von 1.450 Euro deckt die geforderte Miete von 1.650 Euro nicht
Es gibt eine schockierende Tatsache: Eine 84-jährige Frau lebt seit 1956 in derselben Wohnung in Madrid. Siebenundzwanzig Jahre. Und nun, kurz vor ihrem 85. Geburtstag, steht sie vor der Räumung, weil der Eigentümerunternehmen eine monatliche Miete von 1.650 Euro verlangt, während ihre Rente nur 1.450 Euro beträgt. Die Erhöhung gegenüber dem bisherigen Betrag liegt bei 275%. Der Fall, zuerst von El Plural gemeldet, hat einen Namen: Maricarmen, Bewohnerin des Viertels Ibiza im Bezirk Retiro, einer der teuersten Gegenden der Hauptstadt.
Die Geschichte beginnt 2018, als die Familie, die das Gebäude besaß, das gesamte Anwesen an Renta Corporación verkaufte, eines der größten Immobilienholding-Unternehmen des Landes. Am nächsten Tag ging die Immobilie an Urbagestión Desarrollo e Inversión SL über. Seitdem dreht sich das juristische Karussell unaufhörlich: Zuerst gewann sie in erster Instanz, dann folgten Berufungen, und im vergangenen März entschied der Tribunal Supremo (Oberster Gerichtshof) zugunsten des Unternehmens. Das höchste Gericht argumentiert, dass die zweite Vertragsübernahme — nach dem Tod der ursprünglichen Mieter — nur zwei Jahre dauern kann, es sei denn, der zusammenlebende Nachkomme hat eine Behinderung von mehr als 65%. Maricarmen ist 84 Jahre alt und hat nach einer Hüftoperation eine eingeschränkte Mobilität von 50%. Das reichte nicht aus.
Von 1956 bis 2024: Chronologie eines geschützten Vertrags
Maricarmens Vater unterzeichnete den Altvertrag (renta antigua) 1956, als sie gerade volljährig wurde. Die Miete wurde jährlich gemäß dem Verbraucherpreisindex (IPC) plus der Grundsteuer (IBI) aktualisiert. Nach dem Tod ihrer Mutter übernahm Maricarmen vor fast zwanzig Jahren den Vertrag. Der Eigentümer behauptet, dieser Vertrag hätte 2007 enden müssen. Die Justiz gab ihr in erster Instanz recht, aber die Verwalter der Gesellschaft — Ricardo Alonso Fernández und Fernando Alonso Fuentes, laut dem Sindicato de Inquilinas e Inquilinos de Madrid (Mietergewerkschaft Madrid) — gaben nicht auf.
Das Urteil des Obersten Gerichtshofs hat alle Alarmglocken läuten lassen. Die Organisation bezeichnet es als „beispiellos“ und argumentiert, dass es „die formellen Anforderungen der Vertragsübernahme über den Geist des Gesetzes stellt, über den Willen des Gesetzgebers und über die soziale Realität, an der Gesetze gemessen werden sollen“. Das Unternehmen bot eine Miete von 1.650 Euro an, unter den 2.650 Euro, die für ähnliche Wohnungen im Gebäude verlangt werden, aber weit über dem, was die Rentnerin zahlen kann. Die Alternative, die ihr aufgezeigt wird, ist die Straße.
Ist Maricarmen ein Einzelfall oder ein wiederkehrendes Muster?
Es ist kein Einzelfall. Die Mietergewerkschaft beschreibt ein wiederkehrendes Verfahren: Man kauft Wohnungen mit Altverträgen (vor 1985), reduziert die Instandhaltung auf ein Minimum, um sie unbewohnbar zu machen, setzt die Mieter unter Druck, damit sie ausziehen, versucht, ihnen Verzichte auf das Recht zur Vertragsübernahme abzunehmen, oder sucht formelle Fehler, um jahrelang zu prozessieren, bis ein Gericht die Räumung erlaubt. „Aasgeier sind Aasfresser, die den Tod ihrer Beute abwarten, aber in diesem Fall sind es ungeduldige Raubtiere, die ihre Opfer belästigen, bis sie die Beute haben“, schließt die Organisation. Ähnliche Fälle wurden in anderen Städten dokumentiert, wie der einer 87-jährigen Frau in Cádiz.
Die legislative Antwort, die von der Gewerkschaft vorgeschlagen wird, ist die sogenannte „Maricarmen-Änderung“: Änderung des Ley de Arrendamientos Urbanos (Gesetz über städtische Mietverträge), um die Zweijahresgrenze abzuschaffen, die die Übergangsbestimmung II für Nachkommen des Übernehmers vorsieht, die keine Behinderung von 65% erreichen. „Es handelt sich um eine kleine und extrem vulnerable Gruppe, überwiegend ältere Frauen, die ihre Eltern pflegten und nach deren Tod deren Mietverträge erbten“, erklären sie. Mit der neuen Rechtsprechung des Obersten Gerichtshofs würden viele dieser Frauen mit niedrigen Renten in die Obdachlosigkeit getrieben.
Der Markt diktiert: Argumente derer, die keine Ungerechtigkeit sehen
Auf der anderen Seite argumentiert ein Teil der Analyse, dass der Altmietvertrag ein unhaltbarer Privileg sei und dass der Eigentümer das Recht habe, den Preis anzupassen. Es wird angeführt, dass Maricarmen Jahrzehnte hatte, um zu sparen oder eine Wohnung zu kaufen, und dass sie mit einer Rente von 1.450 Euro niedrigere Mieten in anderen Teilen Spaniens finanzieren könnte. „Mit dieser Rente kann sie in eine Wohnung für 500 Euro in der Provinz Madrid ziehen, oder etwas teurer innerhalb der Stadt“, heißt es in einer der gesammelten Positionen. Eine andere Strömung weist darauf hin, dass der geerbte Altvertrag eine Anomalie darstellt, die den Markt verzerrt, und dass die Nutzer davon jahrelang enorm profitiert haben.
Der Gegenpunkt kommt von denen, die glauben, dass das Problem nicht die Dame ist, sondern der Fonds: „Es ist nicht dasselbe, einen pflichtbewussten Mieter rauszuwerfen, um Spekulation zu betreiben, besonders wenn es ein Fonds ist, der das ganze Gebäude gekauft hat, um genau das zu tun.“ Die Diskussion verlagert sich auf die Rolle großer Eigentümer und Wohnraum als Finanzanlage. Ein Ökonom fasst es so zusammen: „Menschen sind mehr als Angebot, Nachfrage, Preise und deren Scheißdreck. Das Leben ist zu kurz, um so dumm zu sein, sich auf die Seite der Immobilienfirma zu stellen, die eine 84-jährige Frau aus ihrer Wohnung werfen will.“
Was sagt der Oberste Gerichtshof zur Übernahme von Altverträgen?
Der Tribunal Supremo stellte im März fest, dass die zweite Übernahme eines Altvertrags — die nach dem Tod des ersten Mieters und seines Ehepartners stattfindet — nur zwei Jahre verlängert werden kann, es sei denn, der zusammenlebende Nachkomme weist eine Behinderung von mehr als 65% nach. Maricarmen, 84 Jahre alt mit 50% eingeschränkter Mobilität, erfüllt diese Voraussetzung nicht. Das Urteil ist rechtskräftig und ebnet den Weg für die Räumung, die für den 31. Mai geplant ist. Die Gewerkschaft kritisiert dies als formalistische Interpretation, die die soziale Realität ignoriert.
Das Geschäft mit dem Kauf von Gebäuden mit Altmieter
Renta Corporación ist eine Immobiliengruppe, die sich auf den Kauf, die Umwandlung und den Verkauf von Immobilien in großen urbanen Zentren spezialisiert hat, insbesondere Madrid und Barcelona. Sie ist seit 2006 börsennotiert und hat ihren Hauptsitz in Katalonien. Die Transaktion von 2018 passt in ihr Modell: Ganze Liegenschaften mit alten Verträgen kaufen, die Auszugsprozesse der Mieter managen und die Assets neu positionieren. Urbagestión Desarrollo e Inversión SL ist die Gesellschaft, die als Eigentümerin und Klägerin auftritt. Die Verwalter der Firma kontrollieren laut Gewerkschaft mehr als ein Dutzend Unternehmen in den Bereichen Agrarwirtschaft und Immobilien.
Der Fall Maricarmen ist zum Symbol eines breiteren Konflikts geworden: Große Eigentümer gegen Mieter mit Altverträgen, eine kleine, aber extrem vulnerable Gruppe. Die Frage bleibt offen, ob die Legislative reagieren wird, bevor die Räumung vollzogen wird, oder ob der Markt weiterhin das letzte Wort spricht.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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