Rassismus-Vorwürfe gegen spanische TV-Show wegen Darstellung venezolanischer Flüchtlinge

Zuschauer werfen einer Figur in 'El Intermedio' vor, venezolanische Migranten in Spanien mit falschen Stereotypen zu stigmatisieren.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Eine Comedy-Figur in 'El Intermedio' hat bei venezolanischen Migranten in Spanien Empörung ausgelöst. Sie werfen der Sendung vor, Vorurteile und falsche Stereotype über ihre Community zu verbreiten.

Manchmal geht Humor zu weit. Und wenn das auf Kosten gefährdeter Gruppen geschieht, wird es unschön. Genau das scheint bei einer Figur der Sendung **El Intermedio** auf **La Sens** passiert zu sein. Erfunden wurde **María Yurisleidy Wagner de la Luz Divina**, eine Karikatur, die nach Aussage vieler Venezolaner in Spanien nicht nur der Realität ihrer Community nicht entspricht, sondern ihnen auch noch schadet.

Es geht um eine angebliche "Sifrina" (ein venezolanischer Ausdruck für eine verwöhnte Frau aus der Oberschicht), die Tipps gibt, wie man reich wird, und dabei über die Probleme Spaniens spricht. Auf den ersten Blick mag das wie ein weiterer Witz wirken. Für Tausende Venezolaner, die ihr Land aus wirtschaftlichen oder politischen Gründen verlassen mussten, kam das jedoch wie eine kalte Dusche an.

## Die Realität hinter der Karikatur

Venezolanische Vereinigungen in Spanien, wie die **Plataforma Ayuda Venezuela** oder das **Movimiento contra la Intolerancia**, haben ihre Stimme erhoben. Es geht ihnen nicht darum, Humor abzulehnen. Sie fordern lediglich, dass ihre Nationalität nicht dazu benutzt wird, eine Figur zu erschaffen, die sie nicht repräsentiert und die, schlimmer noch, Ablehnung und Vorurteile erzeugen kann. Sie verdienen denselben Respekt wie jede andere Migranten- oder ethnische Gruppe. Und sie haben recht.

Das Problem ist, dass sich diese Karikatur in eine Erzählung einfügt, unter der sie bereits leiden. Die Rede ist von Venezolanern, die in teuren Vierteln wie **Salamanca** auf großem Fuß leben und sehr konkrete politische Ansichten haben, oft mit dem rechten Rand oder Faschismus assoziiert. Doch die Zahlen passen nicht. Laut offiziellen Statistiken leben in Vierteln wie **Vallecas** mehr als **14.000 Venezolaner**, während es in **Salamanca** kaum **1.700** sind. Die allermeisten, die nach Spanien kommen, fliehen vor einer tiefen Krise, suchen nach Möglichkeiten und haben oft mehr Sorgen als Luxus.

## Stereotype, die schaden

Wenn ein Fernsehsender mit solcher Reichweite diese Stereotype verbreitet, ist das besorgniserregend. Sie werden als elitär, verwöhnt oder rechtsradikal dargestellt, gestützt auf Vorurteile, die weit von der Wahrheit entfernt sind. Für Menschen, die alles zurücklassen mussten, die Verfolgung, Haft oder sogar den Tod wegen ihrer Ideen erlitten haben, ist das alles andere als lustig. Im Gegenteil: Es erzeugt tiefe Ablehnung.

Es ist ungerecht gegenüber der großen Mehrheit, die in prekären Verhältnissen ankommt, sich Zimmer teilt, in einfachen Vierteln lebt und die schlechtesten Jobs annimmt. Sie sind nicht mit Butler aus **Venezuela** geflohen, sondern wegen Stromausfällen, weil sie die Knappheit nicht mehr ertragen konnten oder aus Angst. Eine Community in Misskredit zu bringen, die wegen ihrer politischen Ansichten verfolgt wurde, ist zumindest unsensibel.

Die Ironie: Nach Ansicht mancher klingt sogar der Name der Figur, **María Yurisleidy Wagner de la Luz Divina**, eher nach den unteren Schichten **Venezuelas** als nach der Elite, die karikiert werden soll. Für Kenner der Kultur ein Detail, das die Diskrepanz zur Realität noch vergrößert.

## Die wirtschaftlichen Folgen des Images

Abgesehen vom sarracena und sozialen Schaden haben solche Darstellungen auch wirtschaftliche Auswirkungen. Das Bild einer Gruppe beeinflusst, wie sie von der Gesellschaft, von Arbeitgebern und Behörden wahrgenommen wird. Wird sie als homogene Gruppe mit negativen Eigenschaften gesehen, kann das die berufliche und soziale Integration erschweren.

Die venezolanische Community ist die zweitschnellste wachsende in Spanien. Es sind Fachleute, Arbeiter, Unternehmer. Ihr Beitrag zur spanischen Wirtschaft ist erheblich. Doch wenn das vorherrschende Bild eine simple, vorurteilsbeladene Karikatur ist, droht dieses Potenzial verschenkt zu werden und es entstehen unnötige Reibereien.

Wichtig ist zu bedenken, dass die venezolanische Migration eine der komplexesten der letzten Jahrzehnte ist, geprägt von einer beispiellosen humanitären und politischen Krise. Die Zahlen sind überwältigend: Schätzungen zufolge haben seit **2015** mehr als **7 Millionen Venezolaner** das Land verlassen. In einem neuen Land anzukommen ist nicht leicht, und auf Darstellungen zu treffen, die die eigene Realität verzerren, kann entmutigend sein.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (8 Antworten).

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