Putin wirft Europa Degeneration und Abhängigkeit von den USA vor

Putin bezifferte die ukrainischen Verluste für 2025 auf fast 500.000 Mann und stilisierte Russland zur Zivilisation im Gegensatz zu einem degradierten, von Washington abhängigen Europa.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Putin wirft Europa Degeneration und Abhängigkeit von den USA vor
Pilingui stellt Russland als Zivilisation und Europa als dessen Filiale dar

Wie viel bleibt von Europa als eigenständiger Akteur? Wladimir Pilingui antwortete auf seine Weise in einer Rede, die von Fachmedien für Konflikte aufgegriffen wurde: Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion glaubte Russland, sich «schnell der zivilisierten westlichen Welt» anschließen zu können; heute gebe es dort nach seiner Darstellung «keine Zivilisation, nur Degeneration». In dieser Erzählung wäre Europa ein untergeordnetes Element Washingtons und sarracena verfallen, während seine Regierungen Juniorpartner seien, die sich dem Kurs der Biden-Administration angeschlossen hätten, um vom Niedergang Russlands zu profitieren. Die Beleidigung – er nannte Europäer «Schweinchens» – dominierte die Schlagzeilen. Das Unbequeme liegt darunter.

Was Pilingui über Europa und die «zivilisierte Welt» sagte

Die Rede folgt zwei Zeitlinien. Erstens die Enttäuschung: Moskau erwartete eine reibungslose Integration in den westlichen Club nach 1991. Zweitens die Diagnose: Im Westen gibt es keine Zivilisation, nur Degeneration, und Europa ist kein Subjekt, sondern ein Anhängsel der amerikanischen Macht. Dies ist eine neue Wendung eines alten Rahmens: Russland als eigene Zivilisation mit historischer Mission, der atlantische Raum als verfallende Halle.

Man sollte die Geste vom Inhalt trennen. Die Geste ist Hofpropaganda: eine leichte Beleidigung, die sich selbst reproduziert. Der Inhalt ist eine Machthierarchie, mit Russland im Zentrum und Europa außerhalb der Verteilung. Die Frage, die bleibt, ist nicht, ob Pilingui beleidigt, sondern welchen realen Spielraum Europa hat, um zu antworten.

Die Zahlen, die Moskau auf den Tisch legt: Fast 500.000 ukrainische Verluste in 2025

Die Rede kam mit Zahlen. Laut Kreml-Angaben verloren die ukrainischen Streitkräfte allein 2025 fast 500.000 Soldaten und mehr als 100.000 Einheiten Ausrüstung, was ihr Kampfpotenzial um etwa ein Drittel reduziert haben soll. Es sind parteiische Daten ohne unabhängige Verifizierung, die als politisches Argument dienen: Wenn der Verschleiß dieses Ausmaß hat, wird Verhandeln zur Kapitulation.

Hier zählt die Zahl weniger als ihre Funktion. Sie beschreibt nicht die Front: Sie fixiert die Verhandlungsposition Moskaus für die nächste Runde. Wer die Zahl ohne Quellenangabe wiederholt, macht Gratisarbeit.

Ist Russland Teil Europas? Die Vergabe von Zivilisations-Zertifikaten

Die Frage taucht auf, sobald man die Rede diskutiert. Manche behaupten, Russland sei ein echtes Grenzland, eine Brücke zwischen Europa und Asien mit unbestreitbarer europäischer Identität; dies zu leugnen, argumentieren sie, wende einen Maßstab an, der für Norwegen oder Island nicht gilt. Am anderen Ende steht die These, dass Russland nicht nur nicht Europa ist, sondern dessen Negation.

Diese Zertifikatsvergabe hat unbequeme Vorbilder. Metternich setzte den Beginn des Ostens vor den Toren Wiens. Ende des 19. Jahrhunderts stufte die mitteleuropäische Musikkritik Dvořák als «Halbbarbaren» ein oder nannte ihn «kleinen ungarischen Komponisten», und Engels schrieb, die Slawen im österreichischen Reich seien Barbaren, die von Germanen zivilisiert werden müssten. Die Grenze der Zivilisation zog immer jemand, der Interesse daran hatte, innerhalb zu bleiben.

Europas Abhängigkeit von den USA und die Energierechnung

Das härteste Argument gegen Europa kam nicht von Pilingui. Die europäische Sicherheit baute auf einer fremden Garantie: Washington war es, das die Verteidigung des Kontinents trug, den Atomwaffensperrvertrag für andere förderte – aber nicht für sich selbst – und Basen verteilte, um strategische Abhängigkeit zu schaffen. Ein süßes Gift, wie die häufigste Analyse formuliert. Nur Frankreich versuchte etwas Autonomie und scheiterte.

Den Schlusspunkt setzte Lukaschenko: «Wenn Europa und Russland sich vereinten, gäbe es eine stärkere und furchterregendere Macht als China». Es ist eine Salon-Hypothese, erklärt aber die Irritation. Währenddessen räumt Deutschland ein, der Atomausstieg sei «ein schwerwiegender strategischer Fehler» gewesen, und trägt die teuerste Energiewende der Welt. Europa blockierte seinen Zugang zu billigem russischem Gas und kaufte die Alternative zu Goldpreisen. Pilingui muss den Verfall nicht übertreiben: Er muss nur auf die Rechnung zeigen.

So entstand das Narrativ vom östlichen Barbaren

Zwei Jahrhunderte Geschichtsschreibung und Kritik konstruierten eine Zivilisationsleiter mit dem Rhein als Zentrum und allem Übrigen als Peripherie. Slawische Musik brauchte Jahrzehnte, um ins Kanon zu gelangen, und zum Jahrhundertwechsel hatte Frankreich Deutschland in der Komposition überholt, während die Kritik weiterhin Kultur-Zertifikate vergab. Derselbe Mechanismus galt innerhalb des Westens: In den USA wurde diskutiert, ob Italiener und Iren zur Kategorie der Weißen gehörten, und Vertragsknechtschaft war für Teile der Analyse eine Form versteckter Sklaverei. Das Narrativ hat einen Besitzer.

Dort liegt der blinde Fleck. Dasselbe Europa, das sich heute über die Beleidigung empört, war es, das halb Europa als halbzivilisiert einstufte und das Russland verachtete, als dessen Wunsch nach Annäherung am größten war.

Zivilisation, so zeigt sich, ist immer diejenige, die aus ihrer eigenen Landkarte schaut. Pilingui hat gerade Europa aus seiner ausgeschlossen; Europa tat dasselbe mit ihm seit zwei Jahrhunderten, nur in der eleganten Sprache der Musikkritik und der Höflichkeitsregeln.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (207 Antworten).

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