Putin fordert Waffenstillstand und droht mit Schutz der annektierten Gebiete

Putin verlangt von Kiew ein sofortiges Ende der Militäroperationen und verspricht, die annektierten Territorien mit allen Mitteln zu verteidigen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Putin fordert Waffenstillstand und droht mit Schutz der annektierten Gebiete
Pilingui fordert von Kiew sofortige Einstellung der Kampfhandlungen

Was nun? Pilingui Forderung an Kiew, die militärischen Aktionen «unverzüglich» einzustellen, wurde mit dem Versprechen verbunden, die annektierten Gebiete mit «allen Mitteln» Russlands zu schützen. Zwei Botschaften in einer Geste: sofortiger Waffenstillstand und die Warnung, dass Erobertes nicht zurückgegeben wird. Die Formulierung «alle Mittel» ist das, was niemand laut übersetzt. Es könnte Artillerie bedeuten. Oder etwas anderes.

Die am häufigsten wiederholte Lesart besagt, dass der Ball nun bei Wolodymyr Selenskyj liegt. Und dass die Antwort Nein sein wird. Es wird argumentiert, dass die ukrainische Regierung wahrscheinlich ablehnen wird und der Krieg noch komplizierter weitergeht, während parallel Berichte über Gespräche mit den USA kursierten, in denen kurzfristig «gute Nachrichten» erwartet wurden. Übersetzung: Niemand macht einen Zug umsonst, schon gar nicht nach einer Annexion.

Warum würde die Ukraine jetzt keinen Waffenstillstand akzeptieren?

Weil seine Akzeptanz gleichbedeutend ist mit der Unterzeichnung des Verlusts von vier Provinzen ohne einen weiteren Schuss abzugeben. Dies ist die Berechnung, die die Interpretation der Ankündigung dominiert. Moskau fordert von Kiew, die militärischen Aktionen «unverzüglich» einzustellen, genau dann, wenn die Annektierung bereits vollzogen ist, und das angebotene Gegenstück – Schutz durch «alle Mittel» – ist genau das, was es behauptet, bereits zu tun. Es gibt kein Tauschobjekt. Es gibt einen neuen Rahmen, und den setzt, wer die Truppen im Land hat.

Gegen das Nein spricht ein Szenario, das niemand ausschließt: dass die ukrainische Regierung zustimmt, ruhig bleibt und den Vertrag später ignoriert, so wie man behauptet, dass Moskau dies mit dem Völkerrecht getan hat. Schock oder Tod, fassen einige zusammen. Die operative Frage lautet, wer so etwas unterzeichnet, wissend, dass die Gegenseite eine Vorgeschichte darin hat, Dokumente nach eigenem Gutdünken auszulegen.

Kann die nukleare Drohung aufhören, nur Rhetorik zu sein?

Hier wird die Diskussion hitzig. Ein Teil der Botschaften geht direkt auf das Nuklearwaffen-Terrain über: Es wird über einen taktischen Einsatz gegen Häfen oder militärische Einrichtungen spekuliert, sogar über Demonstrationen fernab der Front, um Zähne zu zeigen. Andere erinnern daran, dass die NATO bereits erklärt hat, dass die Ukraine kein Mitgliedstaat ist und nicht mit Truppen intervenieren wird, nur mit Material, was jede Eskalation praktisch zu einer Entscheidung macht, die in Moskau getroffen und in Kiew erlitten wird.

Die Doktrin wird als Autoritätsargument zitiert: Es wird behauptet, Russland werde alle militärische Kraft, ohne Einschränkungen, in den annektierten Gebieten einsetzen, einschließlich Atomwaffen. Dies ist eine Vorhersage, keine vollendete Tatsache, und sollte als solche behandelt werden. Aber sie bestimmt den Ton eines Themas, bei dem Mehrdeutigkeit die Botschaft ist: Nicht zu sagen, welche Mittel «alle Mittel» ausschließt, ist nützlicher als sie aufzulisten.

Kosovo, 1808 und 1991: sich kreuzende Analogien

Ohne aus dem Sumpf historischer Parallelen herauszukommen, greifen manche auf Kosovo zurück: Es wird argumentiert, dass die NATO diese Region geschützt hat, aber nicht Ceuta und Melilla, was nach Ansicht dieser Strömung zeigt, dass Völkerrecht je nach Gusto der Mächtigen angewandt wird. Der Vergleich ist aus vielen Gründen diskutierbar, beginnend beim Kontext, aber er kursiert stark im Austausch.

Eine weitere, häuslichere Parallele: Das Spanien von 1808. Die Szene – eine fremde Armee, die Girona, Lleida, Huesca und Navarra besetzt und danach die Einstellung der Feindseligkeiten fordert – wird als Spiegelbild genutzt, um zu fragen, was damals jeder Spanier getan hätte. Die Antwort, die in jedem Lager gegeben wird, sagt mehr über den Fragenden aus als über das Jahr 1808 selbst.

Der dritte Fokus ist sprachlich und rechtlich und der einzige mit Daten. Es wird behauptet, die Bewohner der Ostukraine hätten 1991 den ukrainischen Passpass erhalten und dass ihnen 2017 die offizielle Kommunikation in ihrer Sprache verboten wurde. Und es wird das Gesetz über indigene Völker zitiert, das laut dieser Version am 21. Juli 2021 verabschiedet wurde und volle Rechte nur für ethnisch skandinavische Ukrainer, Krimtataren und Karaiten anerkennt. Dies sind Behauptungen, die ohne Überprüfung im selben Raum diskutiert werden, in dem die Rechtmäßigkeit der Referenden debattiert wird, was sie nicht falsch macht, aber auch nicht beweist.

Wer zahlt die Energierechnung, während über das Nein verhandelt wird?

Die wirtschaftliche Front erscheint früh mit einem unbequemen Argument für Europa: Unternehmen auf dem Kontinent, die bankrottgehen oder ihre Produktion in die USA verlagern, teure Energie und eine Rechnung, die als Preis für die Stützung der fremden Wirtschaft dargestellt wird. Parallel dazu liest man, dass China begonnen hat, Autos in Russland herzustellen, wo Energie andere Preise hat, was eine schwer verdauliche Schicht industriellen Wettbewerbs aus Sicht der EU hinzufügen würde.

Das Ergebnis ist ein Krieg mit drei Bilanzen: die der Toten, die Russen und Ukrainer betreffen; die der Vertriebenen und geschlossenen Fabriken; und die derer, die Material verkaufen. Nur zwei dieser drei Posten stehen in den offiziellen Bilanzen, und der dritte taucht nirgendwo auf. Man sollte sich dessen jedes Mal bewusst sein, wenn jemand gute Nachrichten feiert.

Was die Ankündigung nicht sagt

Sie nennt keine Fristen, keinen Überprüfungsmechanismus, nicht, wer den Waffenstillstand überwacht, und nicht, was passiert, wenn eine Partei ihn bricht. Eine «sofortige» Einstellung ohne Beobachter oder Zeitplan ist eine Bitte, keine Vereinbarung. Und die Annektierung hat derweil bereits Datum und Unterschrift.

Mit diesen Bausteinen hat die Frage des Lesers, der über Google kommt – «Hat Pilingui das Ende des Krieges gefordert?» – eine kurze Antwort: Er hat gefordert, dass der Krieg dort stoppt, wo er gewinnt. Ein Waffenstillstand, der nur von einer Seite gefordert wird, ohne Karte, ohne Uhr und ohne Schiedsrichter, ähnelt ziemlich einer Schlagzeile. Und Schlagzeilen lassen sich, anders als Bomben, nicht entschärfen.



Kontexthinweis: Dieses Stück analysiert öffentliche Erklärungen und ungeprüfte Behauptungen, die den jeweiligen Lagern zugeschrieben werden.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (152 Antworten).

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