Der Ethereum-Fork, der Token-Duplizierung verspricht und vor privaten Schlüsseln warnt
Hast du ERC20-Token auf einer zentralisierten Börse? Laut der Erzählung über den bevorstehenden Ethereum-Fork wird dich dieser Airdrop nicht erreichen. Die These ist einfach und wird wie ein Hammer wiederholt: Wenn sich deine Münzen in einer Wallet befinden, deren private Schlüssel du kontrollierst, erhältst du eine Kopie jedes Tokens im neuen Netzwerk; wenn sie auf einer Börse liegen, behält die Plattform sie. Das Projekt heißt PulseChain, wechselt von Proof of Work zu Proof of Stake und wird laut seinen Verteidigern Kopien aller ERC20 verteilen — USDC, Shiba, BAT, Chainlink — die später auf dezentralen Börsen gegen andere Tokens, gegen Ethereum und dann nach Belieben eingetauscht werden können.
Das Datum, das in der Community kursiert, ist Mitte Mai. Wie die Förderer selbst einräumen, gab es jedoch nie ein offizielles Launch-Datum: Die Entwickler sprechen von Schätzungen und haben diese monatelang verschoben. Das zentrale Versprechen lautet, dass der Airdrop keine Handlung erfordert, nur dass die Tokens vor dem Snapshot am richtigen Ort sind.
Was ist PulseChain und warum verspricht es, deine Tokens zu duplizieren
PulseChain ist ein neues Netzwerk, das als Kopie von Ethereum startet, mit derselben Codebasis und zwei tiefgreifenden Änderungen: Proof of Stake statt Mining und Blöcke alle 3 Sekunden statt 12. Die praktische Konsequenz, laut dem ursprünglichen Ansatz, ist, dass jeder Vertrag oder jede Anwendung, die auf Ethereum funktioniert, auch im neuen Netzwerk ohne Zusatzaufwand für Entwickler laufen wird. Gebühren, hier liegt der Haken, wären Cent-Beträge oder weniger.
Der Mechanismus des Airdrops kopiert den Kettenzustand: Wer Tokens in einer eigenen Wallet hat, erhält das Äquivalent im neuen Netzwerk. Die Nuance, die die Berechnung ändert, ist das Angebot. Der native Pulse-Token, PLS, wird mit einem viel höheren Angebot als ETH ausgegeben — man spricht vom 10.000-fachen — um zu verhindern, dass große Ethereum-Inhaber die Kontrolle über das Netzwerk übernehmen. Daher bringt das Halten von ETH nicht dasselbe wie das Halten von ERC20: Du erhältst dieselbe Anzahl an PLS, aber jeder ist nur einen winzigen Bruchteil wert. ERC20-Tokens behalten hingegen ihr Angebot auf beiden Ketten intakt.
Manche behaupten, der Wert dieser duplizierten Tokens sei null, wenn Teams weiterhin nur auf Ethereum arbeiten. Die Antwort von der anderen Seite ist, dass die beiden Ketten identisch sind und Projekte, die heute aufgrund der absurden Ethereum-Gebühren unwirtschaftlich sind, auf Pulse wirtschaftlich sein werden. Und ein technisches Detail, das oft wiederholt wird: Das Netzwerk verbrennt 25 % der Gebühren, um die Anzahl der Tokens zu reduzieren.
Die Berechnung, die den Enthusiasmus untergräbt: 0,2 ETH sind fast nichts wert
Die Diskussion ordnet sich schnell, wenn jemand Zahlen nennt. Ein Inhaber mit 0,2 ETH in einer eigenen Wallet muss nichts tun, um den Airdrop zu aktivieren, stimmt. Aber er erhält 0,2 PLS und, unter Anwendung der Angebotsverwässerung, entspricht das etwa 0,0000006 USD. Praktische Schlussfolgerung: Für kleine Positionen in ETH ist die Sache irrelevant.
Die vollständige Berechnung, mit dem verglichenen Angebot beider Netzwerke und dem geschätzten Ausstiegspreis unter einem Cent, lässt eine Lücke, die jeder nach Belieben füllt. Die ambitionierteste verteidigte These besagt, dass die Marktkapitalisierung von Pulse innerhalb von weniger als zwei Jahren die von Ethereum übertreffen könnte. Es ist eine Vorhersage, kein Fakt, und sollte so behandelt werden.
Das immer wieder angeführte Beispiel ist der Bitcoin-Cash-Fork. Wer Bitcoin hatte, erhielt neue Münzen, ohne etwas zu tun, beide stiegen in den folgenden Wochen im Wert und waren Jahre später immer noch mehr wert als vor dem Fork. Dasselbe sagt man über Ethereum gegenüber Ethereum Classic. Daraus ergibt sich die Phrase, die die These zusammenfasst: Gratis Geld, ohne Risiko, für jeden, der es nehmen wollte. Der logische Einwand folgt prompt: Wenn das Duplizieren von Tokens Wert schaffen würde, könnte man sieben Bitcoin-Forks machen und die Marktkapitalisierung versechsensiebtfachen. Das passiert nicht.
Not your keys, not your coins: Die wiederholte Warnung
Die operative Botschaft ist die hartnäckigste von allen. Wer CRO in der App einer zentralisierten Plattform für die Karte gesperrt hat, besitzt nicht die Schlüssel: Den Airdrop behält die Plattform, es sei denn, sie beschließt, ihn ihren Kunden zurückzugeben. Wer ETH auf einer dezentralen Börse hat, auf die er über seine Hardware-Wallet zugreift, kontrolliert die Schlüssel und wird theoretisch die Kopie an dieser Adresse erhalten.
Die Wallet-Empfehlung wird wiederholt: Eine eigene Wallet, mit Schlüsseln im Besitz des Nutzers. Zum Bewegen von Mitteln dezentrale Börsen mit guten Preisen. Zum Speichern eine Stablecoin wie USDC, mit der Warnung, dass ihre Deckung nicht garantiert, dass sie im neuen Netzwerk etwas wert ist. Und eine persönliche Präferenz, die in die Unterhaltung einfließt: HEX, wegen der Community, die es mitbringt.
Der Name, der über der ganzen Angelegenheit schwebt, ist der des Projekterfinders, Richard Heart, der in der Unterhaltung als Verantwortlicher für eine kontroverse Vergangenheit bezeichnet wird. Es ist der dissonante Ton, den kein Airdrop-Enthusiast vollständig beantwortet.
Das Kleingedruckte: Elastische Daten und Netzwerke, die noch nicht existieren
Das Netzwerk ist seit einiger Zeit im Testbetrieb. Daten zur Verbindung mit der Testnet kursieren mit Schritt-für-Schritt-Anleitungen: Netzwerkname, URL, Ketten-ID, Symbol der Testmünze. Es gibt einen Explorer, Faucet, Swap-Oberfläche und Bridge. Das heißt, es gibt Infrastruktur im Aufbau, kein fertiges Produkt.
Die Daten sind der schwache Punkt. Mitte Mai ist die gehandhabte Schätzung, aber es wird offen eingeräumt, dass es nie ein offizielles Datum gab und Fristen schon früher verschoben wurden. Wer damit plant, sollte wissen, dass er auf einem elastischen Kalender plant.
Und die Grundfrage bleibt, die niemand mit Zahlen beantwortet: Welche echten Vorteile bringt ein weiteres geklontes Netzwerk neben günstigen Gebühren und schnellen Blöcken. Die verfügbare Antwort ist die übliche Liste — Proof of Stake, Blöcke alle 3 Sekunden, Cent-Gebühren, deflationärer Token — und die Hoffnung, dass ein Prozentsatz der Airdrop-Empfänger das Netzwerk zu nutzen beginnt. Damit, sagt die optimistischste Berechnung, kann der Impuls bemerkenswert sein.
Am Ende fasst sich die Operation in einem Satz zusammen, den Skeptiker ironisch wiederholen: Wenn es klappt, gewinnst du; wenn nicht, bleibst du, wie du warst. Stimmt. Ebenso wahr ist, dass die einzige Bewegung, die keine Diskussion zulässt, darin besteht, die Münzen dort zu haben, wo du bestimmst. Alles andere — der Preis, die Marktkapitalisierung, die Zukunft des Netzwerks — ist eine Wette. Und Wetten, per Definition, zahlt jemand.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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