Protestenthaltung in Spanien stärkt die Macht, die sie bekämpfen will

In Spanien stärkt die Protestenthaltung am Ende genau die Regierung, die sie bekämpfen will: die Debatte, die die Demokratie-Enttäuschten spaltet.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Enthaltung straft nicht die Regierung ab, sondern den enttäuschten Wähler

Das Paradox des Enthaltungismus: Seine Befürworter preisen ihn als die einzige saubere Stimme an, und am Ende ist er die rentabelste für die Partei, die sie angeblich bekämpfen. Das klassische Argument macht bereits die Runde: nicht wählen, um zu delegitimieren, damit das System keine Unterstützung von dir erhält. Doch die gegenteilige Lesart besteht darauf, dass jeder zu Hause gelassene Stimmzettel dem amtierenden Ministerpräsidenten gratis zugutekommt. In Spanien ist die Politikverdrossenheit eine Wahlkampf-Goldgrube, die andere ausbeuten.

Die Spannung in Ceuta, wo Demonstranten am Ende noch der Polizei applaudierten, die sie räumte, zeigt, wie weit die Diskreditierung reicht. Es ist kein Protest gegen eine konkrete Maßnahme; es ist das Symptom einer Bürgerschaft, die nicht mehr unterscheidet zwischen dem Staat, der sie schützt, und dem, der sie schlägt. Wenn die Institutionen jede Legitimität verlieren, hört die Enthaltung auf, eine individuelle Entscheidung zu sein, und wird zum Massenphänomen.

Enthaltung als zweischneidige Waffe

Wer zur Enthaltung aufruft, hält das Wählen für einen Segen für ein korruptes System, einen „Familienbetrieb“, in dem Politiker sich nie verantworten müssen. Wer sie bekämpft, erinnert daran, dass in einem parlamentarischen System die Enthaltung nur dem Lager schadet, das sie praktiziert: Dem Gegner ist es egal, ob du zu Hause bleibst – im Gegenteil, er wünscht es sich sogar. Das Ergebnis ist eine Sackgasse: Die Proteststimme existiert nicht, die taktische Stimme ist eine Beleidigung, und die leere Stimme geht im Niemandsland verloren.

Das Säbelrasseln in den Medien

Dazu kommt die wiederkehrende Klage, dass öffentliche Fernsehsender jede unbequeme Rede abschneiden. Zensur braucht keine Schere mehr; die Selbstzensur des Journalisten genügt, der weiß, wo die Grenze verläuft. Der Unmut über die offizielle Erzählung bereitet den Boden für Aufrufe zur Enthaltung, auch wenn die Geschichte zeigt, dass der Enthaltungismus noch nie eine Regierung gestürzt hat.

Die Frage bleibt in der Luft: Wenn sich das System mit deiner Stimme legitimiert, was delegitimiert dann deine Abwesenheit? Keines der beiden Lager scheint eine Antwort zu haben, die einer Prüfung standhält.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (15 Antworten).

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