Pogues Vergaser-Mythos: Ölkonzerne lehnten 80 km/l ab

Charles Nelson Pogue patentierte 1930 einen Vergaser mit 80 km/l. Die Thermodynamik widerlegt dies: Ein Liter Benzin reicht nur für etwa 30 km.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Pogues Vergaser-Mythos: Ölkonzerne lehnten 80 km/l ab
Der Poguesche Vergaser und die Illusion von 80 km pro Liter

Im Jahr 1930 patentierte Charles Nelson Pogue einen Vergaser, der versprach, 100 Kilometer mit 1,1 Litern Benzin zurückzulegen. Die jahrzehntelang wiederholte Geschichte behauptet, dass große Ölkonzerne seine Entwicklung blockierten. Die Thermodynamik bietet jedoch eine weniger verschwörungstheoretische Erklärung: Ein Liter Benzin enthält etwa 9 kWh, und ein Verbrennungsmotor erreicht selten mehr als 35 % realen Wirkungsgrad, was für etwa 30 Kilometer reicht, nicht für 80. Die Debatte um Pogues Erfindung taucht regelmäßig wieder auf, diesmal in einem Kontext, in dem Kraftstoffpreise und die Elektrifizierung des Fahrzeugbestands die alte Frage neu aufwerfen: Wie weit kann man einen Liter Benzin ausreizen?

Was war der Dampfvergaser von Pogue?

Pogue erfand nicht die Verdampfung des Kraftstoffs. Alle Vergaser verdampfen Benzin und mischen es mit Luft; das ist ihre Grundfunktion. Pogue behauptete, sein Design erziele eine vollständigere Verdampfung und eine homogenere Mischung, was die Effizienz verbessere. Er erhielt mehrere Patente in den USA, darunter US 1.750.354, datiert auf den 11. März 1930. Öffentliche Vorführungen zeigten beeindruckende Ergebnisse, aber es fehlte eine unabhängige Überprüfung – ein Detail, das damals wie heute eine revolutionäre Erfindung von gutem Marketing unterscheidet.

Die Legende besagt, dass Ölkonzerne das Patent kauften, um es zu begraben. Patente sind jedoch öffentlich und verfallen nach 20 Jahren. Hätte die Erfindung funktioniert, hätte jeder Hersteller sie ab 1950 legal replizieren können. Das geschah nicht, und zwar nicht aus mangelndem Interesse: Das Gerät überschritt einfach die Carnot-Grenze nicht.

Warum 80 km/l mit Benzin physikalisch unmöglich ist

Die Berechnung ist unerbittlich. Für 100 Kilometer werden mindestens 13 kWh benötigt. Ein Liter Benzin enthält etwa 9 kWh. Bei einem Wirkungsgrad von 100 % – unmöglich bei einem Wärmemotor – wären 1,5 Liter nötig, also etwa 66 km pro Liter. Der Carnot-Kreisprozess begrenzt den maximalen theoretischen Wirkungsgrad eines Benzinmotors auf rund 83 %, was die Zahl auf etwa 55 km/l senkt. In der Praxis liegt ein guter Benzinmotor bei etwa 35 % Effizienz, was den tatsächlichen Verbrauch auf rund 30 km/l bringt. Weder durch Dampf, noch durch Katalysatoren, noch durch Gebete.

Die vollständige Verdampfung des Kraftstoffs erfolgt heute bereits in Direkteinspritzmotoren, die mit Drücken von bis zu 200 bar arbeiten. Herkömmliche Vergaser mit ihrem Venturi erreichten eine viel schlechtere Atomisierung. Pogues Idee war zu seiner Zeit nicht absurd, aber die moderne Ingenieurwissenschaft hat sie längst übertroffen, ohne mysteriöse Verschwörungen.

Das eigentliche Geschäft: Benzin als Raffinerie-Nebenprodukt

Es gibt ein wirtschaftliches Argument, das einer Prüfung standhält. In Europa sind Raffinerien darauf ausgelegt, die Dieselproduktion zu maximieren, und Benzin fällt als Nebenprodukt an, das auf anderen Märkten, hauptsächlich in den USA, abgesetzt werden muss. Das erklärt, warum Steuern und Preise beider Kraftstoffe so stark voneinander abweichen. Es braucht keine „schwarze Hand“: Der Benzinüberschuss sucht einfach einen Abnehmer, ohne den Dieselmarkt zu kannibalisieren.

Wenn der Fahrzeugbestand tatsächlich elektrifiziert wird, bricht dieses Gleichgewicht zusammen. Die Dieselnachfrage sinkt, der Benzinüberschuss wächst, und Raffinerien müssen entweder in Cracker investieren, um schwere Öle in leichte umzuwandeln, oder schließen. Dort liegt das große Geschäft, nicht im Aufkaufen von Patenten, um sie in einer Schublade verschwinden zu lassen.

Der Mythos, der nie stirbt: Von Pogue zu Tom Ogle

Pogues Geschichte ist kein Einzelfall. In den 70er-Jahren behauptete ein junger Mann namens Tom Ogle, er habe einen Rasenmäher modifiziert, sodass er nur mit Dämpfen funktionierte, ohne dass Flüssigkeit angesaugt wurde. Er patentierte das System, stieß aber auf ein älteres Patent von General Motors, das ihn blockierte. Er starb unter seltsamen Umständen, und seine Geschichte nährt seitdem Verschwörungstheorien. Wie der Wassermotor ist es ein Klassiker, der regelmäßig wieder auftaucht.

Das Muster wiederholt sich: Demonstrationen ohne Verifikation, Patente, die durch juristische Tricks blockiert werden, verdächtige Todesfälle und eine Industrie, die vor nichts zurückschreckt. Die Realität ist langweiliger: Die Thermodynamik verhandelt nicht, und physikalische Grenzen lassen sich weder durch Einfallsreichtum noch durch kommerziellen Druck umgehen.



Der Poguesche Vergaser bleibt in Ingenieurenkreisen und bei Alternativen-Energie-Bewegungen ein Objekt des Interesses. Aber jedes Mal, wenn jemand 80 km/l mit Benzin verspricht, lohnt sich ein Blick auf die Rechnung: 9 kWh pro Liter, 35 % realer Wirkungsgrad, 30 km pro Liter. Der Rest ist Literatur.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (155 Antworten).

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