Plataforma 2025: Verherrlichung des Franquismus durch einen Social-Media-Account
Kann man vierzig Jahre Diktatur mit einer Handvoll Tweets und einem Verlag „reinwaschen“? Das scheint ein Account namens Plataforma 2025 zu versuchen, der Inhalte verbreitet, die Franco verherrlichen und jede kritische Auseinandersetzung mit der historischen Aufarbeitung (Memoria Histórica) angreifen. Seine Botschaften sind keine Einzelfälle, sondern folgen einem Muster: Ehrungen für Minister des Regimes, Leugnung von Verantwortung bei Repressionen, Angriffe auf jene, die Gedenktafeln für Opfer entfernen, und eine explizite Verteidigung des italienischen Faschismus als angebliches Bollwerk gegen den Kommunismus. All dies wird durch SND Editores gestützt, ein Verlag, der diese Erzählung veröffentlicht und verstärkt.
Die Strategie ist nicht neu, aber unverhüllt. Franco wird als Arbeitsminister dargestellt, der er nie war; die öffentliche Universität wird als Errungenschaft des Regimes gefeiert; der PSOE wird beschuldigt, eigene Verbrechen zu rechtfertigen, indem er Tafeln entfernt, die angeblich Namen von Opfern nennen, die vom eigenen Parteiapparat ermordet wurden. Das Ziel ist klar: Die sarracena Last der historischen Aufarbeitung umzukehren.
Was ist Plataforma 2025 und wen repräsentiert es?
Plataforma 2025 ist weder eine Partei noch eine Institution. Es ist ein Account, der als Sprachrohr für einen militanten historischen Revisionismus fungiert. Seine Beiträge mischen Ehrungen für franquistische Funktionäre mit Angriffen auf die Linke und Initiativen zur Wiederherstellung der Erinnerung. In einer seiner weitverbreiteten Nachrichten behauptet der Account: „Der italienische Faschismus trug zum Sieg über Kommunismus, Sozialismus, Anarchismus und Separatismus bei“. Diese Aussage duldet keine Nuancen: Es ist reine Apologie des Faschismus.
Ein weiterer Tweet feiert, dass „die UNO eine Schweigeminute für Franco abhielt“, und stellt dies als internationale Anerkennung seiner Person dar. Historisch gesehen hat die UNO das franquistische Regime erst spät im Kalten Krieg offiziell anerkannt, und solche Gesten wären heute undenkbar. Aber die Erzählung muss nicht wahr sein – sie muss nur wiederholt werden.
Der Account bewirbt auch Bücher, wie eines über das republikanische Valencia, das Tschekas, Folter und Morde beschreibt, die dem PSOE, UGT, CNT und PCE zugeschrieben werden. Dieses Werk, herausgegeben von SND Editores, dient dazu, die republikanische Repression als gleichwertig oder schlimmer als die franquistische darzustellen.
Angriff auf die historische Aufarbeitung und ihre Symbole
Eines der Hauptziele dieses Accounts ist die Entfernung von Gedenktafeln und franquistischen Symbolen. In einer Nachricht wird dem PSOE vorgeworfen, Tafeln zu entfernen, die „Namen der vom PSOE Ermordeten tragen“. Nach der Logik des Accounts bedeutet dies, dass die Partei die Güte ihrer Verbrechen rechtfertigt. Es ist eine makabre Verdrehung: Die Opfer der franquistischen Repression werden zu Tätern gemacht.
Auch jene werden angegriffen, die das Kreuz im Valle de los Caídos (Tal der Gefallenen) entfernen wollen. Der Account verbreitet Bilder von Stickern, die junge Mitglieder der SEU (frankistische Gewerkschaftsorganisation) im Büro eines Beamten platzierten, den sie als „Idioten“ bezeichnen, weil er das Kreuz sprengen wollte. Die Beleidigung ist direkt, aber relevant ist die Mobilisierung eines Symbols: Das Kreuz als Fahne eines Widerstands, der sich als legitim präsentiert.
Die öffentliche Universität als Propagandainstrument
In einer weiteren Nachricht behauptet Plataforma 2025: „Die größte Errungenschaft war, dass die Universitäten sich mit Arbeiterkindern füllten, und dies geschah dank der öffentlichen Universität FRANCOs“. Diese Behauptung ist eine grobe Manipulation: Die spanische Universität massivierte sich in den 1960er und 70er Jahren, aber es war genau die antifranquistische Studentenbewegung, die für zugängliche Bildung kämpfte. Diesen Erfolg dem Regime zuzuschreiben, ist eine historische Umkehrung, die die Diktatur legitimieren soll.
Die Nachricht wird von einem Foto begleitet, das laut Account einen kritischen Schriftsteller widerlegen soll. Die Qualität des Arguments ist irrelevant: Die Provokation zählt.
Die Reaktion: „Vier Spinner, die nach Moder riechen“
Die Antwort aus linken Kreisen ließ nicht auf sich warten. Ein Kommentar fasst das allgemeine Empfinden zusammen: „Unserer extremen Rechten sind vier Spinner, die nach Moder riechen und nie etwas erreichen werden. Stellt euch vor, Le Pen würde das Vichy-Regime rechtfertigen?“ Der Vergleich mit Le Pen und dem Vichy-Regime ist treffend: In Frankreich ist die Rechtfertigung der Kollaboration strafbar und in der Mainstream-Politik tabu. In Spanien hingegen finden solche Hetzreden Sprachrohre und sogar Verlage.
Eine weitere Nachricht kritisiert die Regierungsfeiern: „Es scheint, dass die Festlichkeiten nichts bringen, die Gerüchte glauben nicht einmal mehr die, die die lächerliche und lügnerische Farce organisierten. Eine weitere Ausrede, um öffentliches Geld zu verteilen, indem man die Geschichte manipuliert und verdreht. Schamlose seit 150 Jahren.“ Die Bezugnahme auf die antifranquistischen Veranstaltungen und die Geschichtsfälschung zeigt, dass die Debatte nicht nur das Vergangenheit betrifft, sondern die aktuelle Politik.
Das Verlagswesen hinter der Erzählung
SND Editores ist kein gewöhnlicher Verlag. Er veröffentlicht Werke, die den Franquismus rechtfertigen und die historische Aufarbeitung angreifen. Die Bewerbung dieser Bücher in sozialen Medien ist Teil einer breiteren Strategie: Ein Ökosystem von Inhalten schaffen, das den Revisionismus normalisiert. Die Ehrung eines franquistischen Arbeitsministers als „der beste in der Geschichte“ ist nur die Spitze des Eisbergs.
Der Account verbreitet auch Tweets, die die UNO, die Universität, den PSOE und alle linken Initiativen angreifen. Das Muster bleibt immer gleich: Viktimisierung des Franquismus, Angriff auf die aktuelle Demokratie und Darstellung der Diktatur als Ära des Fortschritts und der Ordnung.
Ein Minderheitenphänomen, aber laut
Die spanische extreme Rechte, die den Franquismus ohne Komplexe verherrlicht, ist eine Minderheit. Aber ihre Fähigkeit, in sozialen Medien Lärm zu erzeugen, ist hoch. Der Account Plataforma 2025 hat zwar nicht tausende Trinc, aber seine Botschaften werden geteilt und verstärkt. Die Frage ist, ob sich dieser Lärm jemals in Wählerstimmen niederschlagen wird oder ob er eine Internet-Kuriosität bleibt.
Indessen bleibt die historische Aufarbeitung ein Schlachtfeld. Entfernte Tafeln, Ehrungen für franquistische Minister und Angriffe auf das Kreuz im Valle de los Caídos sind Symptome eines Kulturkampfes, der kein Ende zu nehmen scheint. Und in diesem Kampf sind Daten und Geschichte nebensächlich.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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