Physisches Silber gegen Bitcoin: Debatte um Knappheit

Nutzer debattieren über die Knappheit von physischem Silber im Vergleich zu Bitcoin trotz negativer Renditen seit 40 Jahren.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Physisches Silber gegen Bitcoin: Debatte um Knappheit
Physisches Silber gegen Bitcoin: Debatte um Knappheit

Physisches Silber steht wieder im Zentrum der Finanzanalyse mit einer provokanten These: Es ist ein knapperer Vermögenswert mit besserer Absicherung als Kryptowährungen. Der Ansatz basiert auf einem direkten mathematischen Vergleich. Bitcoin hat eine Obergrenze von 21 Millionen Einheiten, während das verfügbare Silber in 100-Unzen-Barren auf eine ähnliche Zahl geschätzt wird. Auf dieser Grundlage besagt die Berechnung, dass Silber bis zu 20 Mal knapper wäre als Bitcoin, wenn das verfügbare Kaufkapital gleichgesetzt würde.

Die Diskussion bleibt nicht bei der Arithmetik stehen. Auch das historische Verhalten des Metalls kommt ins Spiel. Ein Diagramm von 1334 bis 1998 zeigt, dass Silber Kaufkraft gegenüber anderen Referenzwerten verloren hat, allerdings weniger als Fiat-Geld. Diese scheinbare Widersprüchlichkeit – mehr Knappheit und schlechtere Rendite – ist der Kern des Problems.

Die Knappheitsberechnung, die Silber und Bitcoin gegenüberstellt

Der am häufigsten zitierte Vergleich geht von einer einfachen Prämisse aus. Wenn Bitcoin 21 Millionen Einheiten hat und standardisierte Silberbarren etwa 21 Millionen 100-Unzen-Barren entsprechen, wäre Silber pro Werteinheit knapper. Das Argument wird durch den Preis gestützt: Ein 100-Unzen-Barren bewegt sich um die 2.500 Euro, während ein Bitcoin bis zu 50.000 Euro erreichte. Mit diesen Zahlen schneidet das Edelmetall beim Verhältnis Knappheit-Preis besser ab.

Manche treiben die Überlegung weiter und behaupten, mit einem einzigen Bitcoin könnten 2.000 Unzen Silber oder ein Kilogramm Gold gekauft werden. Die Schlussfolgerung lautet, dass Gold, trotz seines angesammelten Bestands, in diesem speziellen Wettbewerb immer noch gegen Bitcoin gewinnt. Laut dieser Strömung behält das gelbe Metall eine physische Absicherung, die keine Kryptowährung erreichen kann.

Das Gegenargument lässt nicht auf sich warten. Silber hatte in den letzten zehn Jahren eine negative Rendite. Die Preise von 2011, als die Unze 48,58 Dollar erreichte, stehen im Kontrast zu 25 Dollar im Jahr 2021. Ein Investor, der auf dem Höhepunkt kaufte, verliert weiterhin Geld, selbst ohne Berücksichtigung der Inflation. Dieser Datenpunkt allein widerlegt jede Überlegenheitsthese basierend auf Knappheit.

Die historische Rendite, die die Erzählung entkräftet

Die historische Reihe ist stur. 1980 notierte die Silberunze bei 34,6 Dollar. Vier Jahrzehnte später, 2021, lag sie bei 26 Dollar. Die kumulierte Inflation in diesem Zeitraum übersteigt 400 %, was die Investition zu einem stillen Desaster macht. Wer in den Achtzigern Silber kaufte, hat nicht nur nichts gewonnen, sondern brutal an Kaufkraft eingebüßt.

Dieses Muster wiederholt sich in kürzeren Zeiträumen. Zwischen 2011 und 2021 fiel Silber nominal um 50 %. Inflationsbereinigt übersteigt der Verlust 70 %. Kein ernstzunehmendes Finanzprodukt weist diese Historie auf und nennt sich dennoch Investment. Briefmarken erzielten im gleichen Zeitraum sogar eine bessere Rendite.

Die Verteidigung des Metalls stützt sich auf andere Argumente. Silber hat reale industrielle Anwendungen, von Photovoltaik-Panels bis zu elektronischen Komponenten. Das verleiht ihm eine strukturelle Nachfrage, die keine Kryptowährung besitzt. Zudem wird sein Wert in jedem Land anerkannt, auch in Krisenwirtschaften, wo physisches Metall zum sofortigen Rückzugsort wird.

Nutzen und Akzeptanz: Die Schwachstelle der Kryptos

Die Kritik an Kryptowährungen beschränkt sich nicht auf ihre Volatilität. Auch ihre geringe Nützlichkeit als Zahlungsmittel wird hervorgehoben. Transaktionsgebühren, die in einigen Fällen 6,5 % plus weitere 1–2 % betragen, machen die tägliche Nutzung unmöglich. Mit Bitcoin zu bezahlen kann teurer sein als der Kauf selbst und erfordert manchmal zusätzliche Überweisungen zur Wallet-Aufladung.

Silber hingegen hat in einigen Ländern gesetzlichen Zahlungsstatus. Es gibt 12-Euro-Münzen mit 16 Gramm Silber, die bei Banken abgegeben oder im Handel verwendet werden können. Lehnt ein Geschäft sie ab, kann die Polizei gerufen werden, da es sich um gesetzliches Geld handelt. Diese universelle Akzeptanz ist ein starkes Argument gegen die technologische Abhängigkeit der Kryptos.

Auch das regulatorische Risiko wiegt schwer. Die Geschichte zeigt Beschlagnahmungen von Silber durch Regierungen in Krisenzeiten. Mussolini 1936, die britischen Labour-Politiker 1966 und Roosevelts Executive Order 6814 sind angeführte Beispiele. Bei Kryptowährungen ist die Bedrohung anders: Eine Beschlagnahme ist nicht nötig; es reicht, den Handel zu verbieten oder den Internetzugang zu kappen, um sie praktisch nutzlos zu machen.

Der Kampf um die Erzählung: Nächster GME oder Blase?

Die Community, die Silber verteidigt, gibt nicht auf. Mehr als 58.900 Personen auf Reddit kaufen das Metall, und man ermutigt dazu, physische Unzen anzusammeln. Das Argument lautet, dass das über Jahrzehnte angesammelte Silber verbraucht wurde und der verfügbare Bestand geringer ist als angenommen. Auf dieser Basis wird behauptet, Silber könnte der nächste GME sein, aber mit Steroiden.

Der Vergleich mit Meme-Kryptowährungen ist unvermeidlich. Safemoon erreichte beispielsweise eine Marktkapitalisierung, die 100 Millionen Silberunzen entspricht. In physischen Begriffen wären das zwei Unzen pro Spanier. Die Absurdität dieser Bewertung ist das zentrale Argument für jene, die glauben, Silber sei unterbewertet.

Das Problem ist, dass der Markt nicht reagiert. Würde jeder Spanier eine Unze Silber für 25 Euro kaufen, würde der Preis in imaginäre Höhen schießen. Aber das tut er nicht. Die Diskrepanz zwischen wahrgenommenem und realem Metallwert bleibt das große Rätsel, das niemand löst.



Physisches Silber hat solide Argumente: Knappheit, industrielle Nutzung und universelle Akzeptanz. Es hat auch eine erschreckende Renditehistorie. Bitcoin hingegen hat eine Aufwertungsfähigkeit demonstriert, die das Metall nie erreicht hat. Die Debatte ist offen, und die Zahlen neigen die Waage nicht eindeutig auf eine Seite.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (119 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver