Penny Stocks: Der x15-Kauf für 0,0001 $ ohne Käufer beim Verkauf
Es gibt einen Markt, auf dem eine Aktie ein Zehntausendstel Dollar kostet und auf dem Papier innerhalb von zwei Monaten das Fünfzehnfache erreichen kann. Es gibt auch einen Markt, auf dem ebendiese Aktie für immer auf diesem Preis stehen bleiben kann oder eines Tages aus deinem Depot verschwindet, ohne dass du etwas getan hast. Es ist derselbe Markt. Der amerikanische OTC Pink, das Revier der Penny Stocks, die derzeit als Börsen-Version der Altcoins gefeiert werden: maximales Risiko und maximale Rendite, ohne heroische Vermittler und ohne erbauliche Geschichte.
Das Konzept ist leicht formuliert und schwer umzusetzen. Man kauft am absoluten Tick-Tief, 0,0001 Dollar, dem niedrigsten Preis, zu dem eine Aktie ohne Reverse Split notieren kann. Tiefer geht es nicht. Veröffentlicht das Unternehmen eine Nachricht und das Papier zieht an, bedeutet jeder Tick nach oben 100 % Rendite auf dem Papier. Die These besagt, dass ein Triple-Zero-Wert im Durchschnitt einen Kurslauf zwischen x5 und x15 in zwei bis drei Monaten hinlegt und dass einzelne Ausnahmefälle x20 oder x200 erreichen.
Was Pink Sheets sind und warum sie nirgendwo notiert sind
Die erste Warnung kommt aus der Branche selbst: Pink Sheets sind keine notierten Aktien im eigentlichen Sinne. Es sind Wertpapiere, die die minimalen buchhalterischen und rechtlichen Anforderungen für die Notierung an der NASDAQ, der NYSE oder der AMEX nicht erfüllen. Sie werden am OTC-Markt gehandelt, der kein Parkett ist, sondern ein Netzwerk aus Käufen und Verkäufen zwischen Privaten und Market Makern. Viele davon sind Familienunternehmen mit Sitz in einer Garage, mit Problemen oder direkt im Zerfall.
Das typische Profil der Kandidaten wird schonungslos beschrieben: Firmen, die von höheren Börsen kommen und in eine Spirale aus toxischer Verwässerung, Pleite oder Korruption geraten sind. Sie sind nichts wert. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine von tausend zur neuen Monster oder Red Bull wird, existiert zwar, ist aber so gering, dass selbst der Enthusiast der Szene sie mit den Worten abtut, Träume verlege man besser in die Nacht.
Die No-Bid-Strategie: kaufen, wenn niemand will
Die Handelsweise, die an diesen Plätzen verteidigt wird, ist nicht die des geduldigen Anlegers. Sie ist die des Scharfschützen. Man kauft zu 0,0001 Dollar, wenn der Wert im No-Bid ist, also wenn niemand selbst zu diesem lächerlichen Preis kaufen will und die Aussteigewilligen seit Monaten gefangen sind. Dort lassen sich beliebig viele Aktien aufsaugen. Verkauft wird mit den Nachrichten, während des Pumps.
Das Problem: Pump und Dump sind zwei Seiten derselben Münze, und wer das leugnet, lügt. All diese Aktien sind, mit Worten der Szene selbst, ein Pump and Dump. Das wiederkehrende Beispiel ist OWCP, das in einem jüngeren Kurslauf von 0,0014 auf 3,5 Dollar stieg. Wer am Tief kaufte, konnte ein theoretisches x800 erzielen; wer in der Endphase kaufte, kassierte den Absturz auf 0,01. Niemand kauft genau am Tief und verkauft genau am Hoch, aber zwischen x10 und x100 gab es Marge und Volumen, so das Argument.
Das eigentliche Problem: Liquidität, die fehlt, wenn man sie braucht
Hier liegt die stärkste Kritik, und sie kommt nicht von einem Skeptiker von außen, sondern von den Händlern selbst. Eine Aktie, die von 0,0001 auf 0,0002 steigt, bringt dir 100 % Rendite im Chart. Aber ohne Käufer gibt es keine Rendite. Liquidität entsteht erst, wenn der Anstieg bereits läuft, und bis dahin ist der Einstiegspreis verpufft.
Das geteilte Chartbeispiel ist vernichtend: Monate mit praktisch null Volumen, der Wert seitwärts, und plötzlich eine Handelsenshandel genau beim Rally. Wer vor dieser Explosion gekauft hat, hat sein x15. Wer ohne sie verkaufen wollte, hat eine grüne Zahl auf dem Bildschirm und sonst nichts. Daher der Rat, einzusteigen und auszusteigen mit Rambo-Tempo, rotem Stirnband und Machete zwischen den Zähnen, statt auf zehn Werte zu verteilen, die auf unbestimmte Zeit bei 0,0001 hängen bleiben können.
Verwässerung, Reverse Splits und Delistings: so verliert man alles
Das Risiko ist nicht nur ein Markt risiko. Die toxische Verwässerung ist der Mechanismus, mit dem ein Unternehmen unaufhörlich Aktien ausgibt, um Wandelanleihen zu bedienen. Die Inhaber dieser Papiere verkaufen am Bid Pakete von 50 oder 99 Millionen Aktien, und der Preis sackt ab. Solche Verkäufe zu erkennen erfordert einen Blick auf das Level 2 und die Beobachtung der Market Maker, die auf das Platzieren dieser Papiere spezialisiert sind.
Dann ist da der Reverse Split. Wird eine Aktie zusammengelegt, verliert sie den künstlichen Boden von 0,0001 Dollar, und die Inhaber verkaufen im Sturm. Der Preis stürzt ab. Und über allem steht die periodische Säuberung durch die SEC: alle drei bis fünf Jahre delistet sie Firmen, die seit Jahren keine Zahlen mehr veröffentlichen. Eines Tages öffnest du dein Depot, und der Wert ist weg. Du hast ihn nicht verkauft. Du hast ihn nicht bei einem Crash verloren. Er ist einfach verschwunden.
Der heiße Sektor und der Broker, der dich nicht reinlässt
Das Geschäft der Stunde in diesem Segment sind Hierba und Hanf, befeuert durch die Legalisierung in mehreren Bundesstaaten. Es ist fast egal, womit das Unternehmen sein Geld verdient: Die meisten Triple-Zeros haben am Ende ihren Lauf, selbst wenn sie Kürbiskerne verkaufen. Ein spektakulärer Fall war der einer Firma, die den Kauf eines ganzen kalifornischen Ortes ankündigte, um daraus eine Art Hierba-Disneyworld zu machen – mit einem Tagesvolumen von 3,6 Milliarden Aktien und rund zehn Millionen Dollar Umsatz in einer einzigen Sitzung.
Der am wenigsten glamouröse Teil ist der Handel von Spanien aus. Die Liste der Broker, die Zugang gewähren, ist kurz und wechselhaft, und das Gefühl der Unsicherheit bei den Vermittlern ist der Grund, den manche Händler für ihren Wechsel zu Kryptowährungen anführen. Der OTC sei nicht tot, sagen sie, aber die Optionen von hier aus werden enger.
Die Prognose, mit allen Vorbehalten der Welt: Solange es einen künstlichen Mindestpreis gibt und jemanden, der bereit ist, dort zu kaufen, wird es Volltreffer zu erzählen und Verluste zu verschweigen geben. Der Teil, der nicht ganz aufgeht, ist die Arithmetik des Ganzen. Wenn ein Triple-Zero im Durchschnitt x15 steigt und die meisten erst nach der Nachricht einsteigen, finanziert irgendjemand dieses x15 mit seinem Konto. Dieser Jemand taucht in den Erfolgsgeschichten nicht auf.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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