Peak Oil und Geopolitik: die Theorie, die alles erklärt

Eine Forumshypothese besagt, dass das Peak Oil von 2018-2019 mit Pandemie, Ukraine und Inflation zusammenpasst. Traut sich noch jemand, die Daten anzusehen?

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Peak Oil und Geopolitik: die Theorie, die alles erklärt
Das Peak Oil, über das niemand spricht: die Hypothese, die Pandemie, Krieg und Inflation erklärt

Die weltweite Produktion von billigem Öl erreichte 2018-2019 ihren Höhepunkt, und die Eingeweihten beschlossen, die Knappheit zu verwalten, ohne sie anzukündigen. Das ist die Kernthese einer „Dystopie", die in Wirtschaftsforen kursiert und laut ihren Verfechtern wie angegossen zu allem passt, was seither geschah: die Pandemie, die Lockdowns, der Ukraine-Krieg, die Inflation, die Verteuerung der Energie und sogar die steigenden Mieten. Die Frage ist unbequem: Ist noch jemand bereit, ohne wegzuschauen auf die Daten zu blicken?

Ausgangspunkt ist eine Zahl, die wie ein Mantra wiederholt wird: Jedes Jahr werden zusätzlich 1 bis 1,5 Millionen Barrel pro Tag benötigt, um ein normales Wirtschaftswachstum zu tragen. Wenn das System diese Menge nicht mehr dauerhaft liefert, ist das Problem nicht mehr, dass „morgen das Öl ausgeht", sondern dass der Motor den Kraftstoffzuwachs verliert, den er braucht, um nicht festzulaufen. Die Lösung bestand laut dieser Hypothese nicht darin, die Knappheit anzukündigen —das hätte Hamsterkäufe ausgelöst—, sondern sie mit einer Abfolge von Vorwänden zu verwalten.

Die Pandemie als perfekter Vorwand

2020 brach die Ölnachfrage um rund 8,5 Millionen Barrel pro Tag ein, der stärkste Jahresrückgang aller Zeiten. Im April lag sie bis zu 29 Millionen unter dem Vorjahr. Für die Verfechter der These bedeutete der weltweite Lockdown, dass dem Energiesystem mehrere Jahre Nachfragewachstum auf einen Schlag geschenkt wurden. Und das Vertrackteste: Der Ölpreis stürzte ab, statt zu explodieren, weil die künstliche Nachfragezerstörung ein zeitweiliges Überangebot erzeugte, das die strukturelle Knappheit verschleierte. Im Mai war die Weltproduktion um rund 12 Millionen Barrel pro Tag gesunken, während OPEC+ Kürzungen von nahezu 10 Millionen vereinbarte.

Das Ergebnis war ein runder Alibi: Die Öffentlichkeit sah billiges Öl und schloss auf ein Überangebot. „Genau das geschah 2020 physisch", betont das Szenario. Die Pandemie kaufte 2020 und 2021; danach brauchte es eine neue Ausrede.

Ukraine, der zweite Vorwand

Als die gesundheitliche Rechtfertigung zur Einschränkung der Aktivität verschwand, kam der Krieg. Jetzt konnten Benzin, Diesel, Gas, Strom und Düngemittel teurer werden, ohne dass der Bürger sofort an fehlendes Rohöl dachte. Die Hypothese kennt zwei Varianten: eine starke, wonach bestimmte geopolitische Ereignisse absichtlich herbeigeführt oder verlängert werden, um die Knappheit zu verwalten; und eine schwache, die mit weit weniger Annahmen auskommt, wonach die Ereignisse real und unabhängig sind, Regierungen sie aber nutzen, um eine bereits bestehende Energiebeschränkung zu erklären. Die zweite erzeugt fast dieselben beobachtbaren Effekte.

In diesem Rahmen bilden die Ukraine und der Iran eine einzige Energiezange. Europa verliert billiges russisches Gas und erhöht seine Abhängigkeit von amerikanischem Flüssiggas; China und Indien sind am Hormuz exponiert, wo es genügt, den Golf ausreichend unsicher zu halten, um das Öl der Konkurrenten zu verteuern. Die USA, mit eigenem Öl und Gas, Kanada und einem wieder Richtung Washington driftenden Venezuela, schließen den Kreis: Energie, Dollar, Nachfrage nach US-Staatsanleihen und die Macht, noch mehr Energie zu kontrollieren.

Rationierung für Reiche und die ewige Schuld

Die Dystopie sagt keine Rationierungskarten voraus, sondern etwas Eleganteres: den Verbrauch formal erlauben und ihn schrittweise verteuern. Der Mindestenergiebedarf eines Haushalts bleibt geschützt; hoher Verbrauch trifft steigende Tarife. Das Notwendige bleibt zugänglich; der Überfluss wird zum Luxus. Das ist die „Rationierung für Reiche".

Dazu kommt die Verschuldung. Eine ewige Schuld von einer Billion Euro bei 1 % Zinsen und konstanter Inflation von 5 % verliert in zehn Jahren 39 % ihrer realen Kosten, in zwanzig Jahren 62 % und in dreißig Jahren 77 %. Der Staat zahlt die Zinsen pünktlich und erklärt, seine Verpflichtungen zu erfüllen, doch er zahlt in einer Währung zurück, die jedes Jahr weniger wert ist. Die Inflation schrumpft die Schulden, ohne jemals eine Zahlungsunfähigkeit zu erklären.

Wohnen als Tarnung

Auch die steigenden Miet- und Immobilienpreise bei Millionen leerstehender Wohnungen passen ins Bild. Für die Verfechter der These ist das eine nützliche Tarnung: mehr Menschen, die in drittweltartiges Elend gedrängt werden, endgültiger Abschied von der Mittelschicht. Nicht einmal Beamte mit 2.000 Euro im Monat bleiben verschont, wenn sie 1.200 Miete zahlen müssen.

Die Analyse endet dort, wo solche Erzählungen meist enden: bei der Frage, ob Eliten verschwören sich, um den Kollaps herbeizuführen oder um ihn zu verwalten. Die Antwort dieses Szenarios lautet: Sie verschwören sich nicht ausschließlich, um die Menschheit auszubeuten, sondern auch, um das System zu retten. Eine verwaltete Knappheit ist besser als eine bekannte. Und je größer die Knappheit, desto größer die Macht dessen, der sie verwalten muss.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (208 Antworten).

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