Panik in Spaniens PSOE nach dem Zugunglück von Urda

Sozialistische Funktionäre geben nach der Tragödie von Urda mit 69 Toten "Panik" und "Zerstörung" zu und bezweifeln, dass Sánchez Puente bis zur Wahl am 29. November 2026 hält.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Funktionäre der PSOE, die von El Mundo befragt wurden, beschreiben einen Zustand der "Zerstörung" und "Panik" angesichts einer "sehr harten" Wahlniederlage nach dem Zugunglück von Urda, bei dem 69 Menschen starben. Die Entscheidung von Pedro Sánchez, Óscar Puente im Amt des Verkehrsministers zu belassen, spaltet die Partei vier Wochen vor der Parlamentswahl.

Eine Frage wird in diesen Tagen in den sozialistischen Zentralen leise gestellt: Mit welchem Gesicht geht man nach diesem Ereignis auf Stimmenfang? Die Eisenbahnkatastrophe von Urda mit **69 Toten** ist über einen Wahlkampf hereingebrochen, den die PSOE als emotionales Fest geplant hatte, mit Videos für soziale Netzwerke und Influencern, und hat ihn sprachlos zurückgelassen. Einen Monat vor der Parlamentswahl am **29. November 2026** beschreiben Funktionäre aus verschiedenen Regionen und Verantwortungsbereichen eine Stimmung der "Zerstörung" und sprechen offen von "Panik" angesichts dessen, was sie für eine unvermeidliche Niederlage halten.

Das Datum des Unglücks, Mittwoch, der **28. Oktober**, hat eine symbolische Bedeutung, die in der Partei niemand übersieht: Es ist der Jahrestag des Wahlsiegs von Felipe González 1982, als die PSOE **202 Sitze** gewann. An eben jenem Tag, so die befragten Quellen, machte sich die Vorstellung breit, "das ändert alles", und dass der Wahlkampf schlicht beendet sei, bevor er begonnen hatte. Der offizielle Wahlkampf beginnt am Freitag, den **13. November**.

## Zwei Hochgeschwindigkeitsunglücke in neun Monaten

Der Schlag kommt nicht allein. Zum Unglück von Urda kommt der frühere Unfall des AVE-Hochgeschwindigkeitszugs bei Adamuz, der sich nur wenige Monate zuvor ereignet hatte. Zusammen: mehr als **100 Tote** in neun Monaten auf demselben Hochgeschwindigkeitsnetz. Für die zitierten sozialistischen Funktionäre ist das Problem nicht nur ein menschliches, obwohl es das auch ist, sondern eines der Glaubwürdigkeit: Die AVE nach Sevilla war "unsere große Infrastruktur, das Symbol des Spanien von 92", und jetzt ist die Südhälfte des Landes per Bahn abgeschnitten. "Womit sollen wir noch angeben?", fragt einer von ihnen.

Die Bestürzung, so heißt es, ist national und durchzieht die Trauer. "Mit welchem Gesicht sollen wir einen Wahlkampf bestreiten, wenn wir nur weinen wollen?", fasst ein anderer Funktionär zusammen. Die Woche nach der Tragödie wird der Trauer gewidmet sein, nicht der Politik, und das lässt der PSOE keinen Spielraum, ihre Erzählung vor dem offiziellen Start des Wahlkampfs wieder aufzubauen.

## Sánchez hält an Puente fest, und die Partei versteht es nicht

Die Entscheidung des Ministerpräsidenten und Kandidaten **Pedro Sánchez**, am Verkehrsminister **Óscar Puente** festzuhalten, ist diejenige, die in der Partei am meisten verblüfft. Puente hatte Sánchez nach der Tragödie seinen Rücktritt angeboten, und der Ministerpräsident lehnte ab. Offizielle Quellen argumentieren, das Unglück sei nicht durch eine politische Entscheidung verursacht worden, es laufe eine Untersuchung zu den Ursachen, und der Minister habe sich transparent der Öffentlichkeit gestellt, darunter eine fast zweistündige Pressekonferenz vor allen Medien.

Ein großer Teil der befragten Funktionäre teilt diese Argumentation nicht. "Es wundert mich, dass der Ministerpräsident, der immer einen guten politischen Spürsinn hatte, nicht begreift, dass Óscar Puente nicht der Mann ist, der das verlorene Vertrauen zurückgewinnen kann", sagt eine sozialistische Quelle mit enger Bindung an die Partei. Der Einwand betrifft nicht nur das Krisenmanagement: Mehrere Funktionäre sind der Ansicht, dass Puentes Rolle als Schrittmacher der Regierung in den sozialen Netzwerken und sein konfrontativer Medienstil ihn gerade für die Bewältigung eines Dramas dieses Ausmaßes ungeeignet machen. "Die Sucht nach den Netzwerken und der medialen Präsenz hat ihm einen bösen Streich gespielt", fügen sie hinzu.

Auch die Theorie menschlichen Versagens als Unglücksursache halten sie für gegenüber den Bürgern nicht vermittelbar. Und der Rücktritt des Ministers, so ihr Argument, wäre eine Möglichkeit gewesen, Empathie und Demut gegenüber den Opfern zu zeigen und ein Signal zu setzen, dass das Parteiinteresse nicht über der Tragödie steht.

## Der Minister als Schutzschild

Warum hält er dann an ihm fest? Die Erklärungen variieren je nachdem, wen man fragt. Die Sánchez am kritischsten gegenüberstehenden Sozialisten bieten eine interne Deutung an: Puente funktioniert als Schutzschild und Gehilfe gegenüber der Basis am Tag nach der Niederlage. Ihn im Amt zu belassen, so unbequem es auch ist, bewahrt den Ministerpräsidenten davor, die politischen Kosten der Katastrophe allein tragen zu müssen.

Manche sehen in dieser Entscheidung ein bekanntes Muster. Bei seinem Besuch am Ort der Katastrophe versprach Sánchez: "Was für ein Land wie Spanien nicht zumutbar ist, sind zwei Hochgeschwindigkeitsunglücke in einem Jahr", und viele verstanden daraus, dass er sich des Ministers entledigen würde. Tat er nicht. Manche Funktionäre vergleichen es mit dem Geschehen nach dem Ansturm von mehr als **80.000 Menschen** in Ceuta, als der Ministerpräsident den Vorfall als Angriff auf die territoriale Integrität bezeichnete, seine Ferien dennoch nicht unterbrach.

## Der Fluch von La Moncloa und der Glücksfaktor

Im Hintergrund schwingt eine bitterere Reflexion über das Glück mit. Sánchez hat einen großen Teil seiner politischen Karriere auf der Idee aufgebaut, in den schwierigsten Momenten wiedergeboren zu werden, und sein Team pflegte die Frage "Was kann uns schon noch passieren?" mit Ironie zu feiern. Acht Regierungsjahre mit Wunden aller Art schienen diese Widerstandsfähigkeit zu belegen. Nun, so die befragten Quellen, hat sich dieses Vertrauen gegen sie gewendet: "Wir haben wahrscheinlich zu viel Vertrauen in die Idee gesetzt, dass Pedro dazu geboren war, politisch wiedergeboren zu werden".

Auch die Strategie, abzuwarten, bis der Sturm vorüber ist, überzeugt nicht. "Diese Katastrophe eines öffentlichen Dienstes, der der Stolz Spaniens war, gehört zu den Dingen, die Wahlen gewinnen oder verlieren", fasst ein Funktionär zusammen. Und der schlechtestmögliche Ausgang sei, seiner Ansicht nach, genau der gewählte: Puente zu behalten.

Die Schlussfolgerung, die sich in den sozialistischen Reihen durchsetzt, ist düster. "Die Nähte sind aufgegangen, es gibt nichts mehr zu machen". "Höchstwahrscheinlich gehen wir auf eine sehr harte Wahlniederlage zu". Vier Wochen vor der Urnengang bestreitet die PSOE den Wahlkampf mit der Trauer als einzigem Protagonisten und ohne die schmerzhafteste Frage beantwortet zu haben: Wie soll man nach Urda um Stimmen bitten?

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (7 Antworten).

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