Pablo Iglesias nennt das französische System „Apartheid“

Pablo Iglesias behauptet, dass in Frankreich ein „Apartheid-System“ gegen nicht-weiße französische Bürger herrscht. Die Debatte ist weiterhin offen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Pablo Iglesias nennt das französische System „Apartheid“
Iglesias und die französische „Apartheid“: Assimilation oder Ghetto

Wie in der Debatte betont wird, gibt es in Frankreich kein Gesetz, das einen Bürger aufgrund seiner Hautfarbe von einem anderen unterscheidet. Und trotzdem operiert nach Ansicht des ehemaligen spanischen Vizeregierungschefs Pablo Iglesias im Nachbarland „ein Apartheid-System, ein interner Kolonialismus gegen französische Bürger, die keine weiße Haut haben“. Der auf sozialen Medien veröffentlichte Satz entfacht erneut einen Konflikt, den Europa seit Jahren austrägt: Ist es struktureller Rassismus oder mangelnde Integration? Je nach Antwort ändert sich die ganze Diagnose.

Was „interner Kolonialismus“ genau bedeutet

Das Konzept stößt auch innerhalb der Debatte auf Misstrauen. Die klassische Definition von Kolonialismus bezeichnet „ein politisches und wirtschaftliches Regime, in dem ein Staat ein fremdes Gebiet kontrolliert und ausbeutet“. Der Einwand liegt auf der Hand: ein Vorstadtviertel von Lyon oder Marseille ist kein fremdes Gebiet, sondern französischer Boden mit Bewohnern, die französische Ausweise haben.

Die Verteidigung des Begriffs geht einen anderen Weg. Manche geben Iglesias recht und behaupten, die weißen Franzosen begünstigten die Ausgrenzung und drängten die schwarze Bevölkerung in periphere Ghettos – wenn auch mit Einkommen und französischer Staatsbürgerschaft. Kritisiert wird die Wortwahl, die so aufgeladen ist, dass jeder sie nach Belieben interpretiert.

Das Assimilationsargument: der Fall der spanischen Auswanderer

Wenn die Hautfarbe der Schlüssel wäre, warum fühlen sich die Kinder spanischer Auswanderer in der Schweiz dann als Schweizer? Das ist der Vergleich, den einer der Teilnehmer anstellt. Konkrete Fälle werden genannt: Familien, die in die Schweiz, nach Deutschland oder Frankreich gingen und deren Kinder die Landessprache sprechen und sich mehr mit ihrem Gastland identifizieren als mit Spanien.

Die Argumentation ist einfach und gerade deshalb unbequem für die Apartheid-These: Die Integration hinge weniger vom Pigment ab als von anderen Faktoren.

Ghettos, Kriminalität und die Abwanderung der Bewohner

Manche bestreiten die Prämisse rundheraus. Sie sagen sinngemäß, die heute so genannten Ghettoviertel seien ursprünglich Arbeiterviertel gewesen, und danach kam ein schleichender Prozess: Angesichts steigender Kriminalität und Unsicherheit zogen die alteingesessenen Bewohner weg, und die Neuankömmlinge füllten die Lücke. Aus dieser Sicht gibt es keine staatliche Segregationspolitik, sondern Tausende einzelner Entscheidungen, die sich aneinanderreihen.

Dazu kommt ein rechtliches Argument: Die französischen Gesetze, so die Behauptung, unterscheiden bei der Firmengründung, der Arbeit, dem Steuerzahlen oder dem Studium nicht nach Geschlecht, Rasse oder Religion. Wenn es kein rechtliches Hindernis gibt, lautet die Frage: Wo ist dann die Apartheid?

Religion, Ethnizität und der Fehler, beide zu verwechseln

Unter den internen Kritikpunkten fällt einer auf: die Angewohnheit, Muslim mit Araber gleichzusetzen, als wäre Religion eine Rasse. Ist sie nicht. Es gibt Muslime aller Herkünfte und Araber aller Glaubensrichtungen, und sie als homogenen Block zu behandeln verfälscht jede anschließende Diagnose.

Das Detail ist wichtig, weil ein Großteil der Argumentation auf beiden Seiten „muslimisch“ und „migrantisch“ als austauschbare Synonyme verwendet. Wenn ein so grundlegender Begriff von Anfang an verwechselt wird, wackelt das ganze Gebäude, das darauf errichtet wird.

Der persönliche Vorwurf und die weiterhin offene Frage

Iglesias wird zudem die Diskrepanz zwischen Rede und Biografie vorgeworfen. Wer vor der Multikulturalität der Viertel warnte, zog schließlich in eine Villa in Galapagar und hatte Polizeischutz vor seiner Haustür, erinnern seine Kritiker. Der klassische Fall von „predigen, aber nicht praktizieren“, der in sozialen Medien nie fehlt.

Manche fordern auch harte Lösungen, einschließlich Ausweisungen, für alle, die sich dem Land nicht zugehörig fühlen.

Alles in allem bleibt die eigentliche Frage unbeantwortet. Wenn das französische System keine Rassegesetze hat, woher kommt dann die Segregation, die die einen anprangern und die anderen leugnen? Ist es struktureller Rassismus, ein Integrationsversagen oder schlicht eine Zufallskombination aus Geografie und Einkommen? Niemand hat die Debatte beendet.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (100 Antworten).

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