Orale Tablette gegen Haarausfall verspricht 36 zusätzliche Haare pro cm²

Veradermics meldet für ein orales Medikament +36 Haare pro cm² nach sechs Monaten, doch 9 % der Teilnehmer entwickeln unerwünschtes Körperhaar, und das Molekül ähnelt stark dem generischen Minoxidil.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Orale Tablette gegen Haarausfall verspricht 36 zusätzliche Haare pro cm²
Veradermics präsentiert ein orales Medikament, das 36 Haare pro cm² hinzufügt – doch das Molekül ist nicht neu

Jeden Morgen sieht sich ein Mann mittleren Alters im Badezimmerspiegel an und zählt dieselben vier Haare, die ihm auf dem Scheitel geblieben sind. Diese Geste, über Jahre wiederholt, will das Biotech-Unternehmen Veradermics mit einer täglichen Tablette zum Geschäft machen. Die Ergebnisse seiner zweiten klinischen Studie mit 536 Männern zeigen einen durchschnittlichen Zuwachs von +36 Haaren pro cm² nach sechs Monaten, gegenüber +6,6 in der Placebogruppe. 85 % der Teilnehmer stellten einen echten ästhetischen Unterschied fest. Und bereits im zweiten Monat übertraf das Medikament das Placebo. Geben die Gesundheitsbehörden ihre Zustimmung, wäre es das erste neue orale Medikament gegen Haarausfall seit fast 30 Jahren.

Das Kleingedruckte steht in der eigenen Mitteilung des Unternehmens: 9 % der Probanden mit der höchsten Dosis entwickelten unerwünschtes Körperhaar außerhalb der Kopfhaut. Dieses Detail, das die Pressemitteilung als Randnotiz darstellt, ist der Hinweis, der bei den Skeptikern die Alarmglocken hat läuten lassen. Orales Minoxidil, seit den 1970er Jahren als Loniten gegen Bluthochdruck vermarktet, erzeugt genau diesen Effekt. Und als Generikum kostet es nur wenige Cent im Monat.

Was ist VDPHL01 und warum ähnelt es Minoxidil so sehr?

Der Mechanismus, den das Unternehmen beschreibt – eine Verbindung, die an Kaliumkanälen wirkt –, ist derselbe wie bei Minoxidil. Der Unterschied, so Veradermics, liege in der Formulierung und der kardiovaskulären Sicherheit. Die Studie verzeichnete keinerlei Warnsignale für das Herz, die große Sorge bei jedem Derivat eines Medikaments, das ursprünglich zur Blutdrucksenkung entwickelt wurde.

Manche behaupten, patentiert werde nicht das Molekül, sondern der Kundenstamm. Orales Minoxidil wird seit Jahren von Dermatologen außerhalb der zugelassenen Indikation verschrieben, zum Generikapreis. Eine reformulierte Version mit bezahlten Studien und Markennamen kann den Preis um das Hundertfache steigern. Die Frage, die im Raum steht: Bietet VDPHL01 etwas, das das gute alte Loniten nicht längst leistet?

Die Studiendaten: 36 Haare gegenüber 6,6 unter Placebo

Die Studie teilte die 536 Männer in mehrere Kontrollgruppen ein. Die Dosis von zwei täglichen Einnahmen erreichte die größte Haardichte. Die Placebogruppe blieb bei einem kaum messbaren Wert. Der Unterschied ist statistisch überwältigend, doch das Studiendesign hat eine Schwäche, die Kritiker sofort anführen: Der Vergleich erfolgt gegen Placebo, nicht gegen orales Minoxidil. Ohne eine Kontrollgruppe mit dem Generikum lässt sich nicht feststellen, ob das neue Medikament besser ist oder einfach nur teurer.

Als nächsten Schritt kündigt das Unternehmen an, im kommenden Jahr Daten zu Frauen zu veröffentlichen, nachdem insgesamt mehr als 1.000 Männer untersucht wurden. Die androgenetische Alopezie betrifft beide Geschlechter, wenn auch mit unterschiedlichen Mustern – der potenzielle Markt verdoppelt sich also.

Der Nebeneffekt bei 9 %: Haare, wo sie nicht hingehören

Das unerwünschte Körperhaarwachstum bei fast einem von zehn Teilnehmern mit der hohen Dosis ist das deutlichste Zeichen dafür, dass es sich um ein Minoxidil-Derivat handelt. Es ist kein schwerwiegender Effekt, aber unangenehm. Und er entkräftet die Erzählung von dem „völlig neuen Medikament“, die die Pressemitteilung etablieren will.

Die tadellose kardiovaskuläre Sicherheit ist zweifellos der große Vorteil. Orales Minoxidil wurde unter anderem wegen der Risiken für Bluthochdruckpatienten weitgehend aufgegeben. Wenn es Veradermics gelungen ist, dieses Problem zu beseitigen, wäre der Fortschritt real – wenn auch beschränkt auf den Komfort einer täglichen Tablette.

Haarausfall als persönliche Wahl: das Geschäft des Jahrhunderts

Die Haarindustrie bewegt astronomische Summen. Haartransplantationen, Lotionen, Shampoos, Nahrungsergänzungsmittel und nun eine Tablette, die die Regeneration der Haardichte verspricht. Der Markt sucht keine Heilung, er sucht die Chronifizierung der Behandlung. Eine Tablette, die ein Leben lang täglich eingenommen werden muss, ist das perfekte Geschäftsmodell.

Im Hintergrund steht eine unbequeme Frage: Wenn Haarausfall kein genetisches Schicksal mehr ist, wird er dann noch gesellschaftlich akzeptiert? Wer sich heute ohne Komplexe den Kopf rasiert, könnte künftig dafür kritisiert werden, nichts „dagegen zu unternehmen“. Die persönliche Wahl ist in einer Welt, in der das Bild monetarisiert wird, nie ganz frei.

Die verblüffende Zahl: 85 % sahen einen Unterschied im Spiegel, aber nur 9 % entwickelten Körperhaar. So ist eben die Arithmetik der Eitelkeit.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (100 Antworten).

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