Olivenöl in Spanien bei 10 Euro, Export treibt Preise

In Spanien kostet Olivenöl rund 10 Euro pro Liter, während es in Irland für 4,70 Euro erhältlich ist. Die Preisdifferenz schürt Debatten über Export und Markt.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Olivenöl in Spanien bei 10 Euro, Export treibt Preise
Olivenölpreise nähern sich der 10-Euro-Marke trotz spanischer Exporte

Ein Spanier, der in Irland lebt, betrat einen Supermarkt, sah das Olivenöl im Regal und notierte den Preis. Seine Mutter aus Huelva konnte ihren Ohren nicht trauen am Telefon. Der Liter, der in Spanien nahe an die 10 Euro geklettert ist, wurde dort für 4,70 verkauft. Sein spontaner Kommentar —Ich kaufe mir einen Container und verkaufe ihn hier weiter— fasst die Verwirrung des Verbrauchers besser zusammen als jeder Bericht: Das Land mit der größten Olivenölproduktion zahlt mehr dafür als ein Land ohne eigene Produktion. Auf dieser Paradoxie baut sich eine Auseinandersetzung auf, die Dürre, Bürokratie, Kühltransporter und viel Tischgespräch-Ideologie vermischt.

Warum ist Öl im größten Produzentenland teurer?

Weil das, was von hier exportiert wird, im Ausland besser bezahlt wird, und das, was im Inland bleibt, zum Preis angeboten wird, den der lokale Käufer akzeptiert. Wer jahrelang im Obst- und Gemüsesektor gearbeitet hat, beschreibt es nüchtern: „Wir haben Früchte von einer Qualität exportiert, die man hier kaum findet. Und die ersten Spargelstangen wurden zu astronomischen Preisen gehandelt.“ Dies ist keine Anomalie dieser Saison oder Entscheidung einer bestimmten Regierung, sondern die Logik einer Lieferkette, die das Produkt dorthin lenkt, wo mehr Geld für dessen Bezahlung vorhanden ist.

Die Liste der Belastungen für das Angebot ist lang: Krieg in einem produzierenden Land wie der Ukraine, Dürre im Mittelmeerraum und Gasmangel zur Beheizung von Gewächshäusern in Mitteleuropa. Das Ergebnis, so sagen Beobachter, ist, dass der Kuchen kleiner geworden ist und nur noch Ware für jene da ist, die sie bezahlen können. Es geht nicht darum, dass das Beste exportiert und das Schlechteste behalten wird; es gibt einfach weniger zu verteilen, und die Verteilung erfolgt nach Preis.

Manche fassen es sarkastisch zusammen: Jeder soll vom freien Markt profitieren und, wenn er zehn Euro für einen Liter nicht zahlen kann, eben Pech gehabt. Das Problem ist jedoch, dass Olivenöl kein Armband oder eine Tasse mit Spruch ist. Es ist ein Grundbedarfsartikel, und das verändert den Rahmen der Debatte grundlegend.

Das Dreifach-B ist vorbei

Der spanische Verbraucher hatte sich daran gewöhnt, gut, schön und günstig zu fordern, aber diese Kombination ist gebrochen. „Wir haben die extreme Rechte gestoppt, um die extreme Linke zu genießen“, fasst eine Nachricht des Tages mit typischem Humor zusammen und vermischt den Ölpreis mit politischen Schuldzuweisungen. Die eigentliche Beschwerde ist eine andere: Der Preis steigt bei allem, was jeder kauft, und sinkt bei dem, was niemand will, und erst wenn die verbilligten Lagerbestände aufgebraucht sind, bewegt sich das, was tatsächlich aus dem Regal geht. Manche vermuten dahinter eine als Ökologie getarnte Politik — nichts darf übrig bleiben, nichts weggeworfen oder gespendet werden —, während andere es einfach der Gier des Handels zuschreiben. In einigen Supermärkten wird Olivenöl bereits mit Alarmsystemen und Ketten gesichert, als wäre es ein Luxusparfüm.

Vom 20-Cent-Rabatt zum Diesel bei 3 Euro

Die Parallele zum Kraftstoff ist unvermeidlich. Dieselbe Stimme, die feiert, dass ein privates Unternehmen für einen Grundbedarfsartikel verlangen kann, was es will, warnt davor, dass sie, wenn der [BDiesel bei 2,50 oder 3 Euro liegt[/B], nicht akzeptieren wird, dass jemand Intervention, Verstaatlichung oder Preisregulierung fordert. Die Ironie richtet sich an Autofahrer, die den staatlichen Rabatt von 20 Cent pro Liter ablehnten und nun den vollen Preis „sehr glücklich, ohne bösen Staat“ zahlen. Unternehmen wie Repsol oder Cepsa haben, so das Argument, jedes Recht, ihre Tarife festzulegen.

Hinzu kommt der steuerliche Aspekt: Von diesen drei Euro wären zwei Steuern, sodass die Marge des Unternehmens im Narrativ viel kleiner ist, als die Zapfsäule suggeriert. Mit dieser Aufschlüsselung dreht sich die Diskussion nicht mehr um den Preis, sondern darum, wer ihn einbehält.

Dürre, Bürokratie oder Euro: Drei unvereinbare Schuldige

Jeder hat seinen Verdächtigen, und sie stimmen nicht überein. Die offizielle Erklärung verweist auf die Dürre, woraufhin der erste Einwand kommt: Der Preis wird dem Regenmangel zugeschrieben, bevor die Erntesaison überhaupt begonnen hat. Eine andere Strömung kritisiert den fehlenden echten Wettbewerb im Handel: Die Preise steigen, argumentiert man, weil der Aufbau einer Alternative bürokratische Hürden und Kosten erfordert, die nur Große stemmen können, weshalb Kapitalgeber lieber Immobilien, Aktien oder Anleihen wählen, statt Konkurrenz zu machen. Ein dritter Ansatz beschuldigt direkt die Unternehmen: Ein privates Unternehmen setzt den Preis fest, den es will, und wer ein Oligopol brechen könnte, ist genau derselbe Staat, den man als kommunistisch bezeichnet, wenn er es versucht. Manche sehen Steuerlast und Lohnkosten als strukturelle Ursache, wobei die Hälfte des Gehalts in Steuern fließt. Ein vierter, tiefergehender Punkt verweist auf die Währung und die Handelsposition des Landes: Was hier nicht gekauft werden kann, ins Ausland zu verkaufen, verwandelt die Wirtschaft in eine Art Kolonie, die andere versorgt. Als Präzedenzfall wird ein Land genannt, das Exportverbote erließ, um den Binnenmarkt zu versorgen.

Der Container, der sich nicht lohnt

Die fantasievolle Lösung — einen Container in Irland kaufen und hier weiterverkaufen — scheitert an ihrer eigenen Kalkulation. Den mieten, füllen, Fracht, Entladung, LKW, Einfuhrzölle beim Zollamt und die Lizenz jeder Gemeinde zu bezahlen, wo man verkaufen möchte, lässt eine Marge, die den Ölpreis so hoch treibt, dass ihn niemand kaufen würde. Der Scherz hält einer Seite Papier nicht stand.

Mit dem Literpreis kurz vor der 10-Euro-Marke lautet die Frage nicht mehr, wie hoch er steigen kann, sondern wie viel der Käufer aushält. An manchen Regalen heißt die Antwort Alarm.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (222 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

Volver