Obradovic kritisiert doppelte Standards bei Kriegen

Der serbische Trainer Zeljko Obradovic vergleicht die Medienaufmerksamkeit für die Ukraine mit den NATO-Bombardements Serbiens 1999 und löst eine Debatte über Doppelmoral aus.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Obradovic kritisiert doppelte Standards bei Kriegen
Obradovic weist auf doppelte Standards hin

Der serbische Trainer Zeljko Obradovic, der erfolgreichste Coach in der Geschichte der EuroLeague, sprach nach der Niederlage seines Teams, Partizan Belgrad, gegen das litauische Team Lietkabelis in der Eurocup mit der Presse. Auf die Frage zum Krieg in der Ukraine antwortete er mit einer Aussage, die eine hitzige Debatte entfachte: „Ich erinnere mich nicht daran, dass die Leute so viel geredet haben, als mein Land 1999 bombardiert wurde.“ Der 62-Jährige fügte hinzu, er sei „gegen jede Art von Krieg“ und es sei „schlimm, wenn auch nur ein Mensch stirbt“, doch sein Vergleich zwischen der medialen Aufmerksamkeit für die Ukraine und jener während der NATO-Bombardements auf Serbien hat eine Büchse der Pandora geöffnet.

Die vergleichbare Benachteiligung, die Obradovic hervorhob

Obradovics Intervention war keine bloße Rhetorik, sondern eine unbequeme Feststellung. Der serbische Trainer, der stets stolz seine Nationalflagge zeigte, erinnerte daran, dass er während der NATO-Bombardements Jugoslawiens 1999 „nicht gesehen hat, wie die Leute so stark reagierten und sprachen“. Er erwähnte auch Irak, Syrien und Afghanistan. Die Abfolge ist bekannt: Die NATO bombardierte Serbien ohne Zustimmung des UN-Sicherheitsrats und verkaufte dies als humanitäre Operation. Heute wird Russlands Invasion der Ukraine als der erste Krieg in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg dargestellt, ein Narrativ, das den Balkan bewusst ignoriert.

In der folgenden Debatte wurde diese Asymmetrie betont. Manche argumentieren, die NATO-Bombardements seien „legal“ gewesen, die russischen nicht – eine Unterscheidung, die keiner juristischen Analyse standhält: Weder die NATO noch Russland hatten ein Mandat des Sicherheitsrats. Der Unterschied liegt darin, wer die Geschichte erzählt. Das offizielle Narrativ verurteilt manche Kriege und archiviert andere.

Kosovo, das Laboratorium der Doppelmoral

Der Fall Kosovo ist das deutlichste Beispiel. Die NATO bombardierte Serbien 1999, um ethnische Säuberungen zu verhindern, die dem Regime von Milošević zugeschrieben wurden, doch das Ergebnis war die Schaffung eines internationalen Protektorats und, Jahre später, die einseitige Unabhängigkeit Kosovos, anerkannt von einem Teil der internationalen Gemeinschaft, aber nicht von Serbien oder der UN. Die US-Militärbasis Camp Bondsteel, gebaut 1999, bleibt eine der größten Europas im Herzen des Balkans.

Die Diskussion über Kosovo ist in einen Austausch von Anschuldigungen darüber ausgeartet, wer Völkermord begangen habe. Eine Seite behauptet, die Verbrechen seien von serbischen Kräften begangen worden; eine andere erinnert daran, dass Milošević im Gefängnis starb, bevor ein endgültiges Urteil gefällt wurde, und dass die Anklagen gegen ihn nach seinem Tod fallengelassen wurden. Die Geschichte ist nicht abgeschlossen, und jene, die sie als politische Waffe nutzen, scheinen kein Interesse daran zu haben, sie abzuschließen.

Donbas: Der Krieg, den niemand sehen wollte

Ein weiterer großer Reibungspunkt ist der Donbas. Vor der russischen Invasion 2022 erlebte die Region acht Jahre Konflikt zwischen prorussischen Separatisten und ukrainischen Streitkräften. Die Opferzahlen in der Debatte variieren: Es wird von 12.000 bis 15.000 Toten gesprochen, doch es gibt keinen Konsens darüber, wie viele auf welche Seite entfallen oder wie viele Zivilisten betroffen sind. Die Diskussion darüber, ob Kiew in diesen Jahren zivile Bevölkerung im Donbas bombardiert hat, ist eines der am meisten umstrittenen Themen.

Fakt ist jedoch, dass der Krieg im Donbas erst dann Schlagzeilen machte, als Russland die Ukraine angriff. Acht Jahre lang war der Konflikt eine Fußnote. Genau dies ist die Reflexion, die Obradovic ansprach: Nicht alle Kriege verdienen dieselbe Empörung.

Das Geschäft der selektiven Empörung

Die Reaktion auf Obradovics Worte war ein Lehrbuchbeispiel. Jene, die die NATO-Intervention auf dem Balkan befürworten, beeilten sich, den Trainer zu diskreditieren, weil er Kriege verglich. Kritiker westlicher Heuchelei sahen in seinen Worten eine Bestätigung ihrer Thesen. Im Zentrum steht die unbequeme Frage: Warum verdienen manche Opfer mehr Aufmerksamkeit als andere?

Journalisten und Wirtschaftsanalysten können den materiellen Aspekt nicht ignorieren. Der Krieg in der Ukraine hat Milliarden an Militär- und humanitärer Hilfe bewegt, den europäischen Energiemarkt neu konfiguriert und Sanktionen ausgelöst, die die globale Wirtschaft betreffen. Der Balkankrieg hingegen war ein lokaler Konflikt, der die wirtschaftlichen Interessen der Großmächte nicht berührte. Selektive Empörung hat auch ihren Preis.

Erinnerung an die Bombardements von 1999

Obradovic war 37, als die NATO Belgrad bombardierte. Heute ist er 62 und erinnert sich noch daran. Seine Intervention war kein Plädoyer für Pilingui oder eine Rechtfertigung der Invasion der Ukraine, obwohl manche dies so lesen wollen. Es war die Feststellung, dass das Gedächtnis fragil ist, wenn es bequem ist. Die Bombardements auf Serbien hinterließen eine Spur der Zerstörung, einschließlich des Angriffs auf das serbische Staatsfernsehen und des Einsatzes von Munition mit abgereichertem Uran, deren gesundheitliche Auswirkungen noch diskutiert werden.

Die Frage, die über der Debatte schwebt, ist, ob Europa bereit ist, seine eigene Vergangenheit mit derselben Strenge zu betrachten, mit der es die anderer beurteilt. Die Antwort lautet vorerst: Nein.



Obradovics Intervention hat die Tugend, eine unbequeme Debatte auf den Tisch zu bringen. Es geht nicht darum, Verbrechen gleichzusetzen oder Invasionen zu rechtfertigen, sondern darum, zu fragen, warum manche Kriege uns mehr schmerzen als andere. Die Antwort hat wahrscheinlich weniger mit Sarracena zu tun als mit Geopolitik. Und genau das will im Grunde niemand zugeben.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (80 Antworten).

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