Nvidia verliert 3 % – und alle sehen schon den Weltuntergang
Ein Rückgang von 3 % bei Nvidia genügte, um in einem Anlegerforum Panik auszulösen. Auslöser war ein Handelstag, an dem nach Aussage mehrerer Teilnehmer US-Anleihen Höchststände markierten und der Markt zur Halbzeit drehte. Der S&P 500 erreichte zeitweise Rekordhochs und nahm dann Gewinne mit. Nichts Neues unter der Sonne. Doch die Leute eröffneten bereits Threads mit Titeln wie „BOOOOOMMM... INTEL, AMD UND NVIDIA GEHEN LIVE DEN BACH RUNTER". Die Realität war, wie fast immer, deutlich langweiliger: ein Minus von 0,47 % beim S&P 500, 3 % bei Nvidia und ein Markt, der weiterhin nahe seinen Höchstständen notiert.
Die 3 %, die die Hysterie auslösten
Der Rückgang bei Nvidia betrug 3 %. Das ist alles. Eine Bewegung, die – wie ein Teilnehmer anmerkte – bei einer Aktie, die in fünf Jahren um 1000 % gestiegen ist, „alle zwei, drei Tage" vorkommt. Die Aktie hat sich seit 2020 verzehnfacht. Und trotzdem wurde der Thread eröffnet, als wäre das Ende der Welt gekommen. „Manche hielten Halbleiter offenbar für Zwergen am Steuer", spottete der Autor des Eröffnungsposts. Die Ironie ist fein: Dieselben, die seit Jahren behaupten, das sei eine Blase, feiern jeden Rückgang als erfüllte Prophezeiung.
Der S&P 500 fiel um 0,47 %. Weniger als ein halber Punkt. Manche verglichen das mit „beim Picknick das Tischtuch abzuziehen und vier Ameisen auftauchen zu sehen". Überreaktionen sind im Anlegerforum an der Tagesordnung. Aber ein Blick auf die Daten lohnt sich: Nach Angaben eines Teilnehmers steht Intel im laufenden Jahr bei plus 300 %, AMD ebenfalls bei 300 %. Nvidia: 1000 % in fünf Jahren. Dass solche Werte um 3 % fallen, macht keine Angst. Das ist lächerlich.
Das Geld wandert von der Börse in die Anleihen
Das am häufigsten geäußerte Argument im Thread ist nicht Panik, sondern Kapitalabfluss. US-Anleihen bieten Renditen von 6 % – ein Köder, der zu verlockend ist, um ihn liegen zu lassen. „Die Rendite von 6 % bei Anleihen ist zu verlockend, um das Geld an der Börse zu lassen", hielt ein Teilnehmer fest. Diese Kapitalbewegung würde erklären, warum Aktien fallen, während Anleihen steigen. Das ist keine Verschwörung, sondern einfache Finanzphysik.
Allerdings sehen manche die schwarze Hand im Spiel: „Ob das jetzt von den Lakaien-Investmentfonds der USA und Israels gemacht wird, um die Kriegsschäden zu lindern, oder ob es ein natürlicher Kapitalabfluss ist, ist ein anderes Kapitel." Die Verschwörungstheorie hält den Daten nicht stand, aber das Phänomen der Kapitalwanderung ist real. Geld sucht Rendite, und wenn Anleihen mehr abwerfen als Dividenden, bewegt sich das Geld. So war es schon immer.
Die KI-Blase: Realität oder Trugbild?
Der Halbleitersektor lebt von der KI. Nach Angaben eines Teilnehmers stieg Intel innerhalb eines Jahres von 20 auf 120 Dollar, AMD von 160 auf 620 Dollar. Das sind Zahlen, die von Weitem nach Blase riechen. „Offensichtlich ist, dass sich im Laufe eines Jahres eine Blase bei den großen Chipherstellern rund um das Thema KI aufgebaut hat", hieß es in einer Analyse. Die Frage ist, ob diese Blase platzt oder sich einfach langsam entleert.
Ein Teilnehmer erklärte, OpenAI habe Einnahmen von 50 Milliarden Dollar gemeldet, erwartet worden seien 70 Milliarden. Die Nachricht ging im Lärm unter, ist aber relevant: Die KI erzeugt nicht die erwartete Rendite. „Man schüttet Geld mit der Schaufel hinein, aber es bringt keine Rendite. Das könnte der Anfang einer ordentlichen Abfuhr sein", warnte ein Beitrag. Wenn die KI kein Geld verdient, werden auch die Chips, die sie antreiben, ihre Bewertung nicht rechtfertigen.
Die 6-%-Anleihe und der Kampf ums Geld
Die Rendite der US-Anleihe von 6 % ist die entscheidende Zahl. Bei dieser Rendite überlegt jeder rationale Anleger, die Börse zu verlassen. „Die Börse fällt, und die Anleihen steigen, im Grunde weil Geld von der Börse in die Anleihen verschoben wird", fasste ein Teilnehmer zusammen. Das ist die klassische Dynamik: Wenn sicheres Geld gut verzinst wird, zieht sich riskantes Geld zurück. Aktien fallen, Anleihen steigen. Und so bleibt es, bis sich die Zinsen stabilisieren.
Das Problem: Die Zinsen steigen weiter. „Wenn die US-Zinsen weiter ansteigen, verhindert auch kein Dutzend Investmentfonds zusammen den großen Crash an der Börse", urteilte ein anderer. Die Federal Reserve zeigt keine Anzeichen einer Zinssenkung, und das belastet risikoreiche Anlagen. Dazu kommt der Dieselpreis, der „jenseits von Gut und Böse" ist und die Energie verteuert sowie die Unternehmensgewinne drückt.
Und wenn am Ende gar nichts passiert?
Die meisten Beiträge gehen in die entgegengesetzte Richtung der Panik. „Nvidia +1000 % in 5 Jahren, der Wert hat sich verzehnfacht. -3 % an einem Tag und wir eröffnen einen Thread, weil sie angeblich den Bach runtergehen", beschwerte sich ein Teilnehmer. Die Überreaktion ist offensichtlich. Der S&P 500 erreichte Höchststände und nahm Gewinne mit. Mehr nicht. „Sp500 erreichte Höchststände, es gab Gewinnmitnahmen, sonst nichts", schloss ein anderer.
Manche fordern Geduld: „Die Börse wird noch den Bach runtergehen, aber nicht heute. Eröffne den Thread wieder, wenn in ein paar Wochen 15 % gefallen sind." Ein Rückgang von 3 % ist kein Crash, sondern eine Korrektur. Und wer seit Jahren dabei ist, weiß: Echte Crashes kündigen sich mit Rückgängen von 20 % oder mehr an, nicht mit 3 %. Währenddessen planen die Beamten weiter ihre nächste Reise, und die Preise für Grafikkarten sinken nicht.
Wann hört es endlich auf, eine Nachricht zu sein, wenn eine Aktie um 3 % steigt oder fällt?
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
Die ganze Diskussion lesen (67 Antworten).