Das Ende der Monogamie wird von einer Dating-Plattform für Verheiratete ausgerufen
Im August 2024, während emotionale Skandale die Schlagzeilen dominierten, legte ein Bericht mit dem Titel Towards a more diverse and fluid monogamy eine Zahl auf den Tisch: Nur 51 % der Spanier identifizieren sich als vollständig monogam. Die Studie stammt von Ashley Madison in Zusammenarbeit mit YouGov. Das Detail ist relevant, denn Ashley Madison ist die weltweit größte Dating-Plattform für verheiratete Menschen.
Daraus entstand die Schlagzeile des Jahres. Die Psychologin Lara Ferreiro sagte ohne Umschweife: „Dies ist zu hundert Prozent der Anfang vom Ende der Monogamie“. Christoph Kraemer, General Manager Europe der Plattform, fügte hinzu, das historisch auferlegte „binäre System“ entspreche nicht der menschlichen Vielfalt. Zwei starke Aussagen. Kein Beweis.
Was die Daten sagen: 51 % in Spanien und sechs von zehn in Italien und Deutschland
Das Bild ist weniger apokalyptisch als die Schlagzeile suggeriert. Die Hälfte der Spanier bezeichnet sich als monogam ohne Nuancen, und diese Hälfte ist konservativer als bei den Nachbarn: In Italien und Deutschland geben sechs von zehn Personen an, nicht monogam zu leben. Das heißt, Spanien führt keine affektive Revolution an. Es liegt dahinter und zieht die Handbremse.
Dennoch behauptet der Bericht, der Wandel sei unaufhaltsam, und nennt die Generation Z als die Gruppe, die am offensten für nicht-monogame Modelle ist. Die Pandemie habe laut den Verantwortlichen als Beschleuniger gewirkt: Nach dem Lockdown hätten viele Frauen begonnen, ihre Wünsche und ihr Wohlbefinden zu überdenken. Eine plausible Erzählung, eine interessierte Quelle – und hier liegt die Spannung.
Von Nuria Roca zum Fall Escassi: Das öffentliche Urteil ist milder geworden
Vor sieben Jahren gestanden Nuria Roca und Juan del Val in der Sendung El Hormiguero, dass sie eine offene Beziehung führen, und die Reaktion war ein riesiger Skandal mit vielen Vorwürfen. Im Jahr 2024 wurde der Fall von Álvaro Muñoz Escassi und María José Suárez — er behauptete, es habe eine vorherige Vereinbarung zur offenen Partnerschaft gegeben, sie dementierte dies und beschrieb sich als „betrogene Frau“ — mit mehr Neugier als Empörung verfolgt.
Die häufigste Deutung lautet, dass die Härte des öffentlichen Urteils nachgelassen hat, nicht weil die Leute mehr zustimmen, sondern weil das Thema von einer skandalösen Seltenheit zu einem normalen Gesprächsformat geworden ist. Der Reiz hat sich verschoben: früher sarracena Skandal, heute Klatsch.
Ist Monogamie unnatürlich? Das Argument kehrt sich gegen sich selbst
Das Hauptargument der Befürworter offener Beziehungen ist, dass Monogamie unnatürlich sei. Die Gegenoffensive kommt schnell: Die Natur ist nicht promiskuitiver als monogam, und Monogamie — oder serielle Monogamie — wird als ein adaptives Phänomen interpretiert, das eine lange Kindheit schützt. Bei höheren Säugetieren, so die These, sei Promiskuität nicht die Regel.
Der zoologische Vergleich kehrt sich zudem gegen seine Nutzer um: Wenn man Tiere imitieren will, hat jede Spezies ihr eigenes Drehbuch, und keines enthält Hypotheken. Eine andere Antwort fasst die Logik zusammen: Wenn die Existenz von Krankheiten etwas als unnatürlich deklarieren würde, wäre Atmen auch unnatürlich. Und eine dritte vergleicht Monogamie mit Kleidung oder Landwirtschaft: menschliche Gewohnheiten, keine Instinkte.
Monogamie als Graustufen-Skala, nicht als Schalter
Die Sensual Tammy Nelson, Autorin von Open Monogamy, argumentiert, dass Monogamie weder schwarz noch weiß sei, sondern eine Skala mit vielen Tönen. Daraus ergibt sich eine Reihe von Begriffen: geschlossen, Fantasie-Monogamie, emotionale, ausschließlich sens, unabhängige, unbegrenzte, polyamore, relationale Anarchie oder getrennte Monogamie. Jeder beschreibt eine unterschiedliche Aufteilung dessen, was geteilt wird und was nicht.
Das Problem dieser Taxonomie ist, dass sie eine Diskussion über Zusammenleben in eine Diskussion über Nomenklatur verwandelt. Neun Organisationsformen zu benennen, sagt nichts darüber aus, wie viele funktionieren.
Der wirtschaftliche Faktor, den niemand in die Schlagzeile nimmt
Geld taucht dort auf, wo man es am wenigsten erwartet. Eine Familie, die Wohnraum, Ausgaben und Pflege teilt, verbilligt das Leben; getrennte Wirtschaften tun das nicht. Manche treiben die Überlegung auf die Spitze und behaupten, dass die Normalisierung von Zusammenleben mit mehr als zwei Erwachsenen es ermöglichen würde, eine Hypothek unter vier oder fünf Personen aufzuteilen. Das ist überspitzt, deutet aber auf etwas Wahres hin: Emotionale Entscheidungen haben direkte Auswirkungen auf die Ausgabestruktur der Haushalte.
Es kursiert auch ein unbequemes Argument: Unter einer formellen Polygamie wäre die Verteilung noch ungleicher, da wenige das Interesse konzentrieren und ein Teil der Männer aus dem System fallen würde. Dies wird als soziologische Warnung formuliert, nicht als Fakt.
Und die Kinder? Die Frage, die alle verwirrt
Es wird argumentiert, dass ein Kind mit getrennten Eltern und neuen Partnern ein breiteres Netzwerk von Erwachsenen haben kann als eine Paarbeziehung, die kaum hält. Der Einwand ist, dass Langzeitdaten fehlen: Niemand hat Kohorten von Kindern, die in diesen Modellen aufgewachsen sind, zwanzig Jahre lang begleitet, um Ergebnisse zu vergleichen.
Hier stockt alles. Der Bericht misst erklärte Absichten, keine gelebten Zusammenleben. Wie viele offene Paare halten zehn Jahre durch und wie viele kehren zurück, ist eine Zahl, die nicht existiert, weil niemand sie gemessen hat. Die Prozentsätze dafür, was die Leute akzeptieren würden, sind hoch. Die dafür, was die Leute tatsächlich leben, sind unbekannt.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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