Nur 14,8 % der unter 30-Jährigen in Spanien leben unabhängig

In Spanien leben nur 14,8 % der jungen Menschen vor dem 30. Lebensjahr eigenständig. Die 'Boomerang-Generation' kehrt zu den Eltern zurück, um das Eigenkapital für eine Immobilie zu sparen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Nur 14,8 % der unter 30-Jährigen in Spanien leben unabhängig
Nur 14,8 % der unter 30-Jährigen schaffen die Verselbstständigung

Spanien verzeichnet die niedrigste Verselbstständigungsquote seiner Geschichte. Das Datum ist eindeutig: Mitte Januar 2025 stellte der Consejo de la Juventud de España (Jugendraum Spaniens) seine Studie vor und dokumentierte, dass nur 14,8% der jungen Menschen vor ihrem 30. Geburtstag ausziehen. Die Diagnose benennt ein simples, aber schmerzhaftes Missverhältnis: Mietpreise und Löhne haben sich seit Jahren entkoppelt. Alles andere sind Folgen – darunter auch die Rückkehr zum elterlichen Haushalt, was US-Soziologen während der Krise von 2008 als Boomerang-Generation bezeichneten und was nun in Spanien wiedererstarkt.

Wer kehrt ins Elternhaus zurück?

Das Muster wiederholt sich bei Personen zwischen 24 und 39 Jahren mit Arbeit und höherer Bildung in verschiedenen Städten: Madrid, Barcelona, Sevilla und Bilbao. Adela Domínguez, 26 Jahre alt, beschrieb dies in einem Brief an die Chefredakteurin einer Zeitung voller Ohnmacht. Sie und ihr Partner kehrten nach drei Jahren des Überlebens in einer 50 Quadratmeter großen Erdgeschosswohnung in Madrid zu ihren Eltern zurück. „Der Zeigefinger richtet sich immer gegen meine Generation, aber niemand fragt, warum wir nicht heiraten, warum wir kein Haus kaufen, warum wir keine Kinder bekommen“, schrieb sie.

Die Profile zeigen keine extreme Prekarität. Es gibt Anwälte, Journalisten und Verwaltungsangestellte. Valentina, 27-jährige Journalistin, zog vor etwas mehr als einem Jahr wieder ein: Sie hatte sich mit 23 zusammen mit einem Partner verselbstständigt, die Beziehung endete, und sie stellte fest, dass das Alleinleben nicht tragbar war. Für ein Studio in Madrid verlangte man mindestens 900 Euro pro Monat, für ein Zimmer in einer WG 500 Euro oder mehr. Juan, 29-jähriger Friseur und Styling-Lehrer, ging 2023 den umgekehrten Weg: Er gab ein Zimmer am Stadtrand von Sevilla für 390 Euro monatlich auf und kehrte nach Los Remedios ins Elternhaus zurück, um sich auf die Prüfung für den gehobenen Dienst im Finanzministerium vorzubereiten. Sein Satz fasst die Stimmung zusammen: „Leben in der Stadt ist zum Luxus geworden.“

Wie teuer ist es, das Eigenkapital anzusparen?

Die Strategie ist stets dieselbe: So lange wie möglich im Elternhaus bleiben, um die Anzahlung anzuhäufen. Valentina spart etwa 500 Euro im Monat und kalkuliert, dass sie 30.000 Euro für die Anzahlung benötigt. Juan zielt auf 20.000 Euro, wobei er einen Beitrag zu den Haushaltskosten seiner Mutter leistet, einen Teil für sich behält und den Rest auf ein Sparkonto legt. Das Ziel ist nicht mehr die Hauptstadt: Er geht davon aus, in einer Gemeinde im Umland von Sevilla zu kaufen, wohin bereits Kundinnen seines Salons gezogen sind.

Die Nuance ist wichtig. Die Rückkehr ins Elternhaus ist kein Launenhaftigkeit oder Bequemlichkeit, sondern eine finanzielle Wette über mehrere Jahre. Und sie hat eine emotionale Kehrseite: In diesem Alter wird Unabhängigkeit als Statussymbol empfunden, und der Rückschritt wird schwer verdaut.

Mieten, die teurer sind als Hypotheken

Der Stadtsoziologe Carlos Rivas, Professor an der Universidad Complutense de Madrid, beschreibt diese Generation als erstickt durch die Mietkrise. Seine zentrale These ist unbequem: Junge Menschen haben ihre Ausbildung absolviert, doch ihre Gehälter stehen in krassem Widerspruch zu den Mieten sowie zu den Kautionen und Garantien, die Vermieter verlangen. „Es entsteht die Paradoxie, dass in vielen Fällen das Mieten einer Wohnung teurer kommt als das, was man bei einer Finanzierung zahlen würde“, argumentiert er.

Rivas geht über den Preis hinaus. Er weist darauf hin, dass die Verdrängung nicht nur prekäre Familien betrifft: Auch junge Mitbewohner leiden darunter, wenn der Vermieter die Miete abrupt erhöht oder deren Auszug verlangt. Bei der Lösung ist er kategorisch: Es bedarf des Engagements und der Entschlossenheit der Behörden sowie dringender Maßnahmen, keine kosmetischen Korrekturen. Der öffentliche Wohnungsbestand, so erinnert er, macht kaum 2,5% des Gesamtbestands aus, was alle auf den freien Markt drängt.

Ursachen: Vom offiziellen Befund zur Kontroverse

Hier bricht der Konsens. Eine Strömung sieht das Problem in der Struktur: Mangel an Mietangeboten, Knappheit an öffentlichem Wohnraum und ein Überschuss an touristischem Wohnraum, der den Markt in Großstädten belastet. Andere betonen den demografischen Druck auf einen starren Bestand. Wieder andere behaupten, das Problem liege nicht in den Preisen, sondern in den Prioritäten, und dass die aktuelle Generation für Konsum und Freizeit ausgibt, was ihre Eltern für die Anzahlung einer Wohnung reservierten.

Auch die Debatte um Erwartungen taucht auf. Man erinnert daran, dass in den 70er und 80er Jahren ein Gehalt eine Familie ernährte, woraufhin geantwortet wird, dass selbst damals ein Paar nötig war, um sich niederzulassen, und dass geförderter Wohnbau spät und unzureichend kam. Und die Frage der Erbschaft schwebt darüber: Manche gehen davon aus, dass der reale Plan nicht Kaufen, sondern Erben ist – ein Modell, das scheitert, wenn Geschwister vorhanden sind oder die Eltern kein Eigentum besitzen.

Ein Sonderfall sind jene, die extrem lange Hypotheken abschließen. Ein Beispiel kursiert: Ein Mann nahm eine 40-jährige Finanzierung auf, bekam ein Kind, ließ sich nach fünf Jahren scheiden und lebt heute wieder bei seinen Eltern, wobei er die Hälfte der Rate für ein Haus zahlt, in dem er nicht wohnen kann. Die Verbindlichkeit ohne den Vermögenswert.

Wo die Analyse ins Stocken gerät

Mit diesen Fakten wäre die vernünftige Schlussfolgerung eine Preiskorrektur oder ein öffentlicher Wohnungsbestand, der dem Problem gerecht wird; keines von beidem geschieht im Tempo, das der Lebensplan eines 29-Jährigen erfordert. Man kann diskutieren, ob Schuldner das Gehalt, der Immobilienmarkt oder die Erbschaftsfrage sind, aber das Ergebnis ist in jedem Fall identisch: Die Verselbstständigung verzögert sich um ein Jahr, dann noch eins, und noch eins. Hier endet die Analyse.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (230 Antworten).

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