Nicht im Oktober, aber vielleicht im November: die Kollaps-Vorhersage in Runde drei

Die Sonnenfinsternis von Juli 2018 löste eine Vorhersage-Serie aus, die inzwischen drei Bände zählt: Oktober, November, Januar 2021, 2026. Kein einziges Datum hat sich erfüllt.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Astrologie, Finsternisse und der Kollaps, der nie kommt

Es gibt ein Paradox, das sich jedes Mal wiederholt, wenn ein neues Kapitel dieser Serie aufgeschlagen wird: Je mehr „historische" Transite sich ansammeln, desto weniger passiert. Am 13. Juli 2018 sollte eine totale Sonnenfinsternis im Wassermann den Startschuss für etwas geben, das niemand so recht definieren konnte. Die Rede war von Paranoia, kollektiver Neurose, einem emeritierten König mit Mondknoten in Krebs-Steinbock und einer Geliebten namens Corinna. Acht Jahre später ist derselbe Thread noch immer offen, und die Frage bleibt dieselbe: Wann?

Die Antwort hat sich so oft verändert, dass sie längst eine eigene Literaturgattung ist. Zuerst war es der Oktober. Dann der November. Danach der Januar 2021. Später das dritte Quartal 2026. Und immer taucht ein neuer Planet auf, der alles erklärt: Saturn im Widder, Neptun in den Fischen, Pluto im Wassermann, die Saturn-Neptun-Konjunktion am nullten Grad des Tierkreises. Der Mechanismus ist einwandfrei. Die Realität ist stur.

Die Finsternis vom 13. Juli 2018, mit der alles begann

Der dokumentierte Ausgangspunkt ist eine totale Sonnenfinsternis. In der damaligen Analyse wurde betont, dass sie Juan Carlos I. und die Causa der Corinna-Aufnahmen direkt betreffe, dass die Mondknoten des Monarchen auf der Krebs-Steinbock-Achse liegen und dass der Moment „unangenehm" sei. Es wurde auch davor gewarnt, sich von der Neurose jener Tage mitreißen zu lassen. Die Warnung ging, wie so oft, im Lärm unter.

Von da an reihten sich die Prognosen aneinander. Ein Teilnehmer hielt die Finsternis für mit den beiden Finsternissen im August des Vorjahres verbunden. Ein anderer verwies auf Neptun als Herrscherplaneten Spaniens und seine Verbindung zum Königshaus. Und dann ging es los mit den Geburtskarten der Politiker: Pedro Sánchez, Pablo Iglesias, Felipe VI., die PP (Spaniens konservative Partei), gegründet am 20. Januar 1989 um 12:55 in Madrid, die PSOE (die spanische Sozialistenpartei) von 1879 um 17:25. Alles hatte Stunde, Grad und Schicksal.

Vom kardinalen T-Quadrat zum „es wird im Oktober sein"

Der Thread hat ein Gedächtnis. Erinnert wurde das kardinale T-Quadrat von 2014, beschrieben als eines der negativsten Aspekte der letzten Jahre, mit Uranus im Widder als Verantwortlichem für den kollektiven „Blödsinn": die Selfie-Besessenheit, das Beleidigtsein wegen allem, das Angeben mit exotischen Reisen. Jene Phase ging vorbei. Die Vorhersage des großen Kollapses nicht.

Der Refrain setzte sich fest: „Oktober. Es wird im Oktober sein." Er wurde mit der Überzeugung eines Mantras wiederholt. Als der Oktober ohne Apokalypse verging, verschob sich das Datum auf November, dann auf Ende Januar, danach auf das dritte Quartal 2026. Ein Teilnehmer fasste es ironisch zusammen: „Es wird im Oktober sein." Ein anderer fügte hinzu, was auch komme, „bis Oktober können wir entspannt sein." Der Witz trug sich selbst.

Die Pandemie als Bestätigung und als Problem

Der große Test kam 2020. Und hier spaltete sich die Erzählung in zwei. Für die einen bestätigte die Gesundheitskrise alle Weissagungen: Pluto und Saturn im Steinbock, der „Great Reset", die alte Welt, die zerfällt. Für die anderen wurde das Pandemie-Management zum Ziel frontaler Kritik: Die Massenimpfung wurde als Anomalie beschrieben, die gesundheitlichen Kriterien in Frage gestellt, von Fahrlässigkeit in Krankenhäusern und Pflegeheimen war die Rede.

An diesem Punkt muss man klar sein: Die Behauptungen zur Pandemie, die im Thread kursierten, werden durch die verfügbare wissenschaftliche Evidenz nicht gestützt. Das Bicho existierte, die Krankheit forderte Tote, und die Impfstoffe wurden von Zulassungsbehörden nach klinischen Studien genehmigt. Analysierbar ist das soziale Phänomen: das Misstrauen gegenüber den Institutionen, die Pandemie-Müdigkeit und das Gefühl, dass die offizielle Erzählung sich nach Belieben änderte. Das nährte die Skepsis, und die Skepsis nährte den Thread.

Der Epstein-Fall, die Amnestie und die auftauchenden Namen

Mit den Jahren verschob sich der Fokus von den Planeten zu den Personen. Die Veröffentlichung der Epstein-Liste im Januar 2024 wurde als Bestätigung alter Verdächtigungen gelesen. Die Festnahme von Prinz Andrew, dem Bruder von Charles III., an seinem 66. Geburtstag, wurde mit der Lupe untersucht: die Zahl 19, die Symbolik der 91, die Königin, die nicht mehr da ist, um den Favoriten zu schützen. Ein „Zusammenbruch Hollywoods wie nie zuvor in seiner Geschichte" wurde prophezeit.

Auch die spanische Aktualität tauchte auf. Die Unterzeichnung der Amnestie durch Felipe VI. wurde als ein Schritt gedeutet, der „aus den Feldern herausbringt". Die Festnahme von Marlaska wurde mit seiner Vergangenheit als Richter im Fall des „Selbstmords" von Rafi Escobedo verknüpft. Und es wurde prophezeit, dass Pluto im Wassermann „Parteien wie die PP und die PSOE" und „die Monarchien" hinwegfegen wird. Das sind Behauptungen aus dem Bereich der Meinung und Spekulation, nicht geprüfter Fakten.

Die Vorhersage, die sich selbst bestätigt

Der psychologische Mechanismus ist bekannt: Wenn eine Prognose scheitert, wird das Datum angepasst; wenn etwas Vages eintrifft, wird es als Bestätigung gefeiert. Ein Teilnehmer brachte es treffend auf den Punkt: „Hätte ich das vor 3 oder 4 Jahren gelesen, wäre es mir wie eine Verrücktheit vorgekommen." Ein anderer ironisierte über das „nichts ist passiert" und die Schwierigkeit, Schadensbegrenzung von der Abwesenheit einer Katastrophe zu unterscheiden.

Die offene Frage ist keine astrologische. Es ist die alte: Wie oft kann man ein Datum verschieben, bevor der, der es verschoben hat, nicht mehr daran glaubt? Der Thread wird bald neun Jahre alt. Die Finsternisse werden weiter kommen. Und der November wird, wie der Oktober, wie der Januar, weiterhin gleich um die Ecke lauern.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (12103 Antworten).

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