Angine de Poitrine: kanadisches Duo über Einflüsse und Live-Wagnis

Das kanadische Duo Angine de Poitrine verrät seine Einflüsse, Gitarrentechniken und die Kühnheit seiner Liveauftritte. Entdecken Sie seine Musikphilosophie.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Das kanadische Duo **Angine de Poitrine** steht für Authentizität und Risiko bei seinen Liveauftritten, bei denen jede Note improvisiert ist und die Verbindung zum Publikum an erster Stelle steht – trotz der inhärenten Grenzen ihres Formats.

Die Musikwelt ist voll von Acts, die über den Tellerrand schauen wollen, und das Duo **Angine de Poitrine** aus Quebec, Kanada, ist ein Paradebeispiel dafür. Mit einem Klang, der andere Dimensionen beschwört, und einer Bühnenshow, die Konventionen herausfordert, hat sich dieses Duo einen eigenen Platz in der Musikszene erobert. Sein Gitarrist **Kun de Poitrine** hat in einem kürzlichen Interview mit dem US-Magazin **Guitar World** die Schlüssel zu seinem Ansatz enthüllt – von den Einflüssen bis zur Kühnheit ihrer Liveauftritte.

## Das Echo von Pogre Rock und Math Rock

Die Musik von **Angine de Poitrine** schöpft aus Quellen, die viele Pogre-Rock-Fans sofort erkennen werden. Zwar gesteht **Kun**, kein regelmäßiger Hörer der britischen Band **King Crimson** zu sein, doch er räumt einen starken Einfluss des Pogre Rock der 70er Jahre ein, ein Genre, das er und sein Bandkollege, Schlagzeuger **Krec**, regelrecht verschlungen haben. Der fehlende Internetzugang in ihrer ländlichen Kindheit zwang sie, über Second-Hand-Läden und Bibliotheken zu erkunden, was zu einer tiefen Eintauchphase in Platten führte, die sie bis zum Überdruss spielten.

Die Entdeckung ungerader Taktarten kam durch **Frank Zappa** und sein Stück "Zomby Woof" vom Album **"Cheap Thrills"**. Jener Riff, der ihn bis heute fasziniert, markierte einen Wendepunkt. Doch wenn es eine Band gab, die seine Jugend nachhaltig prägte, dann war es **Gentle Giant**. Die Hörsessions mit alten Videos von **Soft Machine**, **King Crimson**, **Genesis** und **Zappa** selbst im Haus von **Krec**s Mutter hatten eines gemeinsam: die Faszination für **Gentle Giant**. Was **Kun** und **Krec** an dieser Band anzog, war jene Mischung aus Ungeschick und Genialität, ein "freakiges" Flair, das neben musikalischen Ideen von blendender Schönheit existierte. Das Stück "Just the Same" von **Gentle Giant** wird als perfektes Beispiel dafür genannt, wie die Band selbst in ungeraden Taktarten den "Groove" hielt, mit einem Gitarrenpart und Akzenten, die nach **Kun**s Worten "tremendously pleasing" – ungeheuer wohltuend – klingen.

## Riffs, die inspirieren und herausfordern

Wird er nach seinen drei Lieblingsgitarrenriffs aller Zeiten gefragt, fällt **Kun**s Antwort ebenso persönlich wie aufschlussreich aus. Der erste ist alles, was "Legs" von **Massacre** ausmacht, einer Band, die dem experimentellen Rock zugeordnet wird. Die Akkordfolge, die übereinandergelegte Melodie, die Basslinie und der Gitarrenklang werden als "Süßigkeit für mein Gehirn" beschrieben. Eine zweite Wahl ist "Reptilia" von **The Strokes**, bei der er die Energie hervorhebt, mit der die Dezimen auf der E-Gitarre angeschlagen werden. Schließlich erwähnt er die Gitarre bei "Pin It Down" von **Madison Cunningham**, eine Platte, die er regelmäßig hört und die ihn durch ihren Klang, ihre tiefe Stimmung und ihre allgemeine Zartheit anspricht.

Diese Auswahl sind keine bloßen Anekdoten, sondern spiegeln eine besondere Sensibilität für melodische Gestaltung und den klanglichen Ausdruck der Gitarre wider.

## Die Jonglierkunst des Liveauftritts: Bass, Gitarre und Loops

Die Frage, wie schwer es ist, Bass und Gitarre gleichzeitig zu bedienen, dazu ständig Klangfarben zu manipulieren und mit den Füßen Loops zu erzeugen, ist eine der Säulen des Konzepts von **Angine de Poitrine**. **Kun** stellt klar, dass er nicht beide Instrumente gleichzeitig spielt; seine Doppelhalsgitarre erlaubt es ihm, schnell und häufig zwischen Bass und Gitarre zu wechseln, um Klangschichten aufzubauen. Die Komplexität liege, so er, weniger in der intrinsischen Schwierigkeit der musikalischen Phrasen als in der Orchestrierung der Effektpedale, der Einstellung von Sättigungs- und Lautstärkepegeln und den körperlichen Grenzen selbst.

Die Ironie zeigt sich, als **Kun** ein hypothetisches Auftrittsszenario beschreibt: mit Maske spielen, im Dunkeln, mit blinkenden Lichtern, ohne peripheres Sehen, die Finger mit Acrylfarbe verschmiert und einen Hitzschlag erleidend. Unter diesen Bedingungen, ja, dann wäre es "extrem schwierig". Doch genau das ist die Philosophie der Band: das Absurde der Situation annehmen, darüber lachen und zugleich eine Show bieten, die das Publikum zum Lächeln, Lachen und, wenn möglich, Tanzen bringt. Für **Angine de Poitrine** ist Musik auch eine Form von "Spektakel", ein Auftritt, der über den bloßen Klang hinausgeht.

## Die Kühnheit der Improvisation

Die Idee, alles live zu spielen, ohne vorab aufgenommene Spuren, nennt **Kun** ihr "freak show". Für ihn liegt Authentizität in der Echtzeit-Ausführung. Würde er sich auf vorab aufgenommene Linien verlassen, verwische die Grenze zwischen Liveauftritt und Aufnahme gefährlich. "Wenn du das machen willst", argumentiert er, "leg die Gitarre hin, spiel mit Filtern und Effekten herum und stelle ein DJ-Set zusammen". Die totale Improvisation ist das Herz ihres Konzepts, auch wenn er zugibt, dass es eine "gefährliche und nicht perfekte" Methode ist.

Wenn ein Fehler passiert, ist die Strategie, ihn zu löschen, bevor er sich wiederholt, während man versucht, die laufende Phrase durchzuhalten und sich mit **Krec** über Körpersignale verständigt, um die Wiederholung von Abschnitten anzuzeigen oder zu signalisieren, dass der Fehler behoben ist und es weitergehen kann. **Krec** wiederum muss aufmerksam bleiben, um die Intensität nicht zu verlieren und diese Signale zu erfassen, um im richtigen Moment zum normalen Verlauf des Songs zurückzukehren. Diese Methode ist riskant, aber sie hält den Funken und den Spaß in ihren Auftritten am Leben. Sollte es jemals leicht werden, würden sie einen Weg finden, es wieder zu komplizieren, um diese Essenz zu bewahren.

## Die Grenzen und die Intimität des Duos

Im Duo-Format gibt es zweifellos erhebliche Einschränkungen bei den Arrangements. **Kun** gibt zu, dass das manchmal frustrierend sein kann. Die Formation als Duo war jedoch keine vorsätzliche Entscheidung, sondern eine natürliche Folge ihrer musikalischen Verbindung. "Wir spielen zusammen, weil wir uns musikalisch verstehen. Und da niemand sonst da ist, passen wir uns daran an, und fertig", erklärt er.

Mit den Jahren wird die Suche nach einem dritten Mitglied immer komplexer. Die Dynamik zwischen **Kun** und **Krec** hat sich zu einer engen Einheit gefestigt, die ihre eigene Art entwickelt hat, die Dinge anzugehen. Der kreative Raum, den sie teilen, hat einen intimen Charakter, besonders nach mehr als zwanzig gemeinsamen Jahren. Die Kompatibilität beschränkt sich nicht auf die Musik; derselbe Humor und dieselbe künstlerische Vision zu teilen, ist grundlegend. **Kun** gesteht, dass es inzwischen eine gewisse Angst gibt, "diesen Raum aufzuwühlen oder zu zerstören", und bezeichnet sein Duo als "versteinert" – im Sinne einer gefestigten und dauerhaften Struktur.

Das Konzept von **Angine de Poitrine** ist letztlich eine Feier der kontrollierten Unvollkommenheit, der künstlerischen Kühnheit und der echten Verbindung zum Publikum. Ihre Musik ist weit mehr als eine bloße Abfolge von Noten – sie ist ein Erlebnis, das Emotionen und Reflexionen hervorrufen will, alles gehüllt in einen Hauch von Mysterium und Originalität.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (6 Antworten).

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