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Neun Tage Proteste gegen Amnestie vor PSOE-Zentrale
Seit neun Tagen finden in Spanien Demonstrationen gegen das Amnestiegesetz statt. Granada, Santander und Jaén waren am Wochenende besonders aktiv.
Neun Tage Protest gegen die Amnestie: Von Ferraz nach Jaén
In der neunten Nacht hintereinander vor dem Sitz der PSOE (Sozialistische Partei Spaniens) in der Calle Ferraz wurden laut Berichten von Teilnehmern ein Vaterunser und der Rosenkranz an den Absperrgittern gebetet. Der Sonntag, 12. November, beendete damit einen Tag, den ein Teilnehmer als den turbulentesten seit Beginn der Proteste gegen das Amnestiegesetz beschrieb. Neun aufeinanderfolgende Tage ohne offiziell identifizierten Organisator, mit Madrid als Epizentrum und mehreren Provinzhauptstädten, die ihre eigenen Versammlungen abhielten.
Das Detail ist nicht unwichtig. In einem Land, in dem fast jede Mobilisierung von Organisationen wie Parteien, Gewerkschaften oder Plattformen getragen wird, funktioniert diese Bewegung durch spontane Akkumulation. Das verwirrt sowohl erfahrene Demonstrationsorganisatoren als auch jene, die politisches Kapital daraus schlagen wollen.
Neun Tage Konzentration vor Ferraz: Was wird gemessen?
Der sozialistische Parteisitz in der Calle Ferraz ist zum Thermometer einer Protestbewegung geworden, die nun neun aufeinanderfolgende Tage zählt. Jeden Abend gegen 22 Uhr wiederholt sich das Ritual: Gesänge, Absperrungen und Transparente. Der Sonntag, der 12., war laut Live-Berichten der unruhigste Tag.
Ein Detail taucht in Analysen immer wieder auf: Die Entstehung dieser Bewegung ähnelt kaum der kale borroka (Straßengewalt im Baskenland) oder den CDR (Komitees zur Verteidigung der Republik). Hier gibt es keine sichtbaren Logos, keine bekannte interne Struktur und kein identifizierbares Budget. „Sie sind seit 9 Tagen unterwegs, und heute war der bewegteste Tag. Keine Organisation gibt Millionen für diese Bewegungen aus“, fasst eine der Tagesbewertungen zusammen und betont genau das Fehlen bezahlter Mechanismen.
Granada, Santander und Jaén: Die Karte, die nicht aus Madrid stammt
Wenn die Hauptstadt das Bild liefert, zeigen die mittelgroßen Städte die Verhältnisse. Eine der am Sonntag diskutierten Daten betraf Jaén: Über 10.000 Menschen versammelten sich dort, laut Zählung der Teilnehmer selbst, bei einer der zahlreichsten Versammlungen im Verhältnis zur Bevölkerung. Granada und Santander wurden im selben Atemzug genannt, aufgrund ihrer Zahlen relativ zur Einwohnerzahl. Diese Art von Daten zwingt dazu, die Erzählung zu korrigieren, dass dies nur in einem Madrider Viertel stattfindet.
Die Gegenlesart hat ebenfalls Befürworter: Sie argumentieren, dass eine große Versammlung nicht gleichbedeutend mit einer zukunftsfähigen Bewegung ist. Leute zusammenzubringen ist einfach; sie neun Tage lang ohne sichtbare Führung zu halten, ist schwieriger. Die Feuerprobe sei nicht das Foto vom Sonntag, sondern das vom nächsten Tag.
Jupol und „politische Anweisungen“ im Polizeiaufgebot
Die Polizeigewerkschaft Jupol denuncierte „politische Anweisungen“ im Einsatz während der Demonstrationen in Ferraz, wie ein Medium im Laufe des Tages berichtete. Die Anschuldigung stammt von der Gewerkschaft selbst und wurde von keiner Behörde bestätigt; zum Zeitpunkt dieser Proteste handelt es sich um eine öffentliche Beschwerde ohne bekanntes Ergebnis.
Dieser Punkt entfacht eine grundlegende Debatte: Wie geht man mit einer Protestaktion um, die seit über einer Woche vor dem Sitz einer Partei stattfindet? Niemand hat dazu eine offizielle Antwort gegeben.
PP ruft auf und VOX mobilisiert: Verdacht der Entleerung
Die Partido Popular (Volkspartei) griff mit ihrem eigenen Aufruf und ihren Gesichtern auf der Straße ein. Für einige Teilnehmer riecht dieser Schritt nach einem Versuch, den Druck vom Kessel zu nehmen. „Notwendige und massive Demonstrationen, die der PP nutzt, um zu manipulieren und den Druck zu entlasten“, hieß es in einer Analyse des Tages. Der Verdacht: Dass die Proteste von oben deaktiviert werden, bevor sie wirklich unbequem werden.
VOX (eine rechtsnationalistische Partei) versuchte unterdessen, die Bewegung territorial zu nutzen. Abgeordnete der Partei zeigten sich in Tarragona und Barcelona, inklusive Reden von Ignacio Garriga und Veranstaltungen der Fundación Disenso. Der Kampf darum, wer den Unmut für sich verbucht, ist offen.
Medienberichterstattung und die „ultra-Ästhetik“ junger Wähler
Eines der meistdiskutierten Themen des Tages war nicht der Protest selbst, sondern wie er dargestellt wird. „Die Art der Berichterstattung von La Sens über die Demonstrationen in Ferraz ist eine der schändlichsten, die je im Journalismus zu sehen war“, lautete eine der täglichen Kritiken. Parallel wies ein Teilnehmer auf eine Verzerrung hin: Die rechte Jugend werde fast automatisch als „ultra“ etikettiert.
Das optische Thema bietet Stoff für eine Abhandlung: Dieselben Jugendlichen mit denselben Shirts ändern ihre Einstufung je nachdem, auf welcher Seite des Protestschildes sie stehen. Und die Fernsehsender, die live schalten, als wäre jedes Absperrgitter ein Pulverfass, verstärken diese Lesart.
Neun Tage, keine sichtbare Führung und eine unbeantwortete Frage: Wer macht sich das zunutze? VOX versucht es, der PP beobachtet skeptisch, und die üblichen Organisatoren, falls sie existieren, zeigen ihr Gesicht nicht.
Die größte Protestaktion des Herbstes hat keinen Besitzer. Und genau das ist das Problem für alle, die davon profitieren wollten.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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