Negocios TV und der Verdacht russischer Finanzierung
Ein spanischer Wirtschaftskanal, der über das Internet sendet und rund 600.000 YouTube-Abonnenten hat, ist zum Zentrum einer Debatte geworden, die über Finanzfragen hinausgeht. Die zentrale These lautet: Ein Nutzer vermutet, dass Negocios TV vom Kreml finanziert wird, um das Image Russlands in Spanien aufzupolieren. Auslöser war angeblich der Krieg in der Ukraine sowie eine redaktionelle Linie, die seitdem Nachrichten favorisiert, die Russland und China positiv darstellen, während negative Meldungen für den Westen verstärkt werden. Genannte Beispiele sind die Ankündigung im August 2022, dass ab September Pflicht-Carpooling und Kontrollen zur Treibstoffersparnis eingeführt würden, sowie der totale Stopp der Gaslieferungen aus Russland nach Europa. Beide Behauptungen seien laut Kritikern Falschmeldungen.
Von Gas-Lügen zum Verdacht auf Umschläge
Der Vorwurf beschränkt sich nicht nur auf Inhalte. Es wird auch eine Hypothese über das Geld aufgestellt: „Ich glaube nicht, dass sie das wegen Klicks tun. Da müssen Umschläge dahinterstecken“, heißt es, bevor daran erinnert wird, dass Russland Anzeigen über einen europäischen Winter voller Hunger und Kälte schaltete, der dann doch „ziemlich mild“ ausfiel. Der Kanal habe genau dieses Narrativ gefördert. Das Fazit der Argumentation: Wenn westliche Sender Müll sind, ist dieser nicht besser – er verbreitet Clickbait und Lügen, um den Menschen mehr Angst einzujagen, als sie ohnehin haben.
Ein unternehmensbezogenes Detail kursiert in der Diskussion und ist relevant: In der Gesellschaft, die Negocios TV betreibt, sollen die Positionen des Aufsichtsratsvorsitzenden und des Vizepräsidenten von derselben Firma besetzt sein, die Okdiario betreibt. Der Firmenpfad deutet also auf bestehende Medienstrukturen in Spanien hin, nicht auf eine intransparente Moskauer Filiale. Wer dies erwähnt, tut dies als Information, nicht als Beweis.
Das Gegenargument: Jeder Medienbesitzer hat Interessen
Die Verteidigung des Kanals stützt sich auf eine Asymmetrie. In einem Ökosystem, in dem „alle Sender von Antena 3 bis la Sens“ und „alle Zeitungen von El País bis El Mundo“ demselben Rahmen folgen, wird ein kleiner Sender, der gelegentlich abweicht, allein deshalb verdächtigt, weil er dissentiert. „Es ist so, als würde sich der McDonald’s in Getafe beschweren, dass Hamburguesas Manoli dort eröffnet“, fasst ein Kommentar zusammen. Ein anderer führt es auf die Marktfreiheit zurück: Wenn der Kreml es finanziert, wo ist das Problem?
Der Vorwurf der Parteilichkeit kommt jedoch auch aus der Zuschauerschaft selbst. „Mir gefiel es, die Nachrichten auf diesem Kanal zu hören. Aber verdammt, sie haben schon eine ganze Serie davon, dass alles bei China und Russland zu 100 % gut und die NATO zu 100 % schlecht ist“, liest man. Dies ist kein externer Angriff, sondern Abnutzung durch langjährige Zuschauer.
Wer ist pro-russisch und wer zahlt die Rechnung?
Der Streitpunkt verschiebt sich schnell von der Finanzierung zur Etikettierung. „Sie sind eindeutig pro-russisch. Aber nicht unbedingt von Pilingui oder China bezahlt. Ich bin pro-russisch und niemand zahlt mich“, argumentiert ein Nutzer, beansprucht europäischen Patriotismus für sich und dankt dem Kanal, César Vidal und Aitor Guisasola für ihre Arbeit gegen „die NATO-Desinformation in den Massenmedien“. Eine andere Stimme erhöht den Einsatz: „Das Universum ist zugunsten der BRICS verzerrt.“
Demgegenüber steht das Argument, dass ein Herrscherwechsel keine Alternative ist. Die BRICS, so heißt es, umfassen Brasilien, China, Russland, Indien und Bewerber wie Iran, Türkei, Saudi-Arabien oder Argentinien – Länder mit „Diktaturen oder festgefahrenen politischen Kasten“. Ein wiederkehrender Vorwurf: Der Kanal lobt systematisch den alternativen Block, während er das westliche System verachtet, das dem Investor tatsächlich zugänglich ist. „Wenn du Geld hast und nicht an der Wall Street investieren kannst, weil dir gesagt wird, sie sei Schrott, sag mir mal: Worauf sollst du setzen? Auf die chinesische Börse oder die marokkanische?“
Das RT-Präzedenzfall und die offene Frage
Der regulatorische Schatten liegt über der gesamten Diskussion. „Es ist seltsam, dass sie ihn noch nicht geschlossen haben, wie sie es bei RT getan haben“, behauptet jemand. Ein anderer Nutzer stellt sicher, dass „ermittelt wird“, ohne jedoch einen Bescheid vorzulegen. Ein Dritter schlägt eine Zwischenlösung vor: Alle Medien, die über den Krieg berichten, müssten offenlegen, wer sie finanziert, mit einem Hinweis am Anfang der Sendung. „Wir hätten uns kaputtgelacht“, urteilt er.
Die Angelegenheit endet genau dort, wo sie begann: Ein Verdacht ohne öffentlichen Beweis, ein Kanal mit wachsender Zuschauerschaft und ein Medienökosystem, in dem die Frage nach der Finanzierung immer gegen jene gerichtet wird, die dissentieren.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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