NEETs sind keine spanische Erfindung: Es gibt sie auch in China und Mexiko

Das Phänomen der NEETs ist nicht auf Spanien beschränkt; es betrifft auch Jugendliche in Mexiko, China und anderen EU-Ländern.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

NEETs sind keine spanische Erfindung: Es gibt sie auch in China und Mexiko
NEETs sind keine spanische Erfindung: Es gibt sie auch in China und Mexiko

Die Debatte über NEETs (Not in Education, Employment or Training) flammt jedes Mal wieder auf, wenn rechtsensrecht Parteien die Einwanderung für die Jugendarbeitslosigkeit verantwortlich machen. Doch das Phänomen kennt keine Grenzen: Es gibt NEETs in Mexiko, in China und im Rest der EU. Die Frage aus dem Thread – Ist auch die globale NEET-Quote Schuld der Einwanderung? – entlarvt die lokalpatriotische Erzählung eines weltweiten Problems.

Was ist ein NEET und warum der Begriff älter ist als der Ärger

"Nini" ist ein Akronym für "weder lernt noch arbeitet". Der Begriff beschreibt junge Menschen ohne formale Ausbildung oder bezahlte Beschäftigung. In Spanien wurde der Begriff 2009 während der Krise populär, als die Jugendarbeitslosenquote 40 % überschritt. Das Konzept ist jedoch älter: Die OECD prägte es 1999 mit dem Label NEET (Not in Education, Employment or Training).

Die Diskussion beginnt mit einer Behauptung einer rechtsensrecht Partei, die das Phänomen der Einwanderung zuschreibt: Sie behauptet, Neuankömmlinge hätten den Arbeitsmarkt ruiniert und dass sich Spanier nicht "für eine Schüssel Reis" verkaufen wie Chinesen. Dieses Argument hat ein Skalierungsproblem: Wäre die Einwanderung die Ursache, gäbe es keine NEETs in Ländern ohne Migrationsdruck. Und doch gibt es sie.

Lohndumping und Migranten-Klientelismus: Das unhaltbare Argument

Ein Teil der Analyse besagt, dass der spanische Arbeitsmarkt junge Leute durch niedrige Löhne und Prekarität verdrängt. Ein anderer Strang zeigt auf das sogenannte Lohndumping: unlauteren Wettbewerb von Arbeitnehmern, die schlechtere Bedingungen akzeptieren. Manche fügen hinzu, dass Unterstützungsnetzwerke innerhalb von Migrantengemeinschaften – die sich gegenseitig bei Jobsuche helfen, in eigenen Geschäften einkaufen und NGOs nutzen – wie ein kollektiver Stecker funktionieren, den der durchschnittliche spanische Jugendliche nicht hat.

Diese Diagnose hat einen logischen Fehler: Sie verwechselt Korrelation mit Kausalität. Wären Migrantennetzwerke die Ursache der Jugendarbeitslosigkeit, würden NEETs in Provinzen mit geringer ausländischer Bevölkerung verschwinden. Das passiert nicht. Das Phänomen ist strukturell: Technisierung, Überqualifikation, fehlende Anreize und ein Arbeitsmarkt, der den Einstieg bestraft.

Warum gibt es NEETs in China und Mexiko ohne Masseneinwanderung?

Die entscheidende Frage. In China hat das Phänomen einen eigenen Namen: "Tang Ping" oder "Lying Flat", Jugendliche, die die Kultur des extremen Fleißes ablehnen. In Mexiko liegt die NEET-Quote laut OECD-Daten bei rund 20 %. In der EU liegt der Durchschnitt über 12 %. Keines dieser Länder hat das Migrationsprofil Spaniens. Die Schlussfolgerung ist unbequem für identitäre Narrative: Der NEET ist ein Nebenprodukt des Spätkapitalismus, nicht der Einwanderung.

Die Wohnungs-Falle und der Lohn, der nie ankommt

Ein Teilnehmer des Forums sagte es deutlich: "Jeder Mann sollte einen Job, eine Frau und ein Haus haben. Jetzt stellt diese verdorbene Gesellschaft nur Hindernisse auf." Der Satz fasst mit seiner Nostalgie den Unmut zusammen. Ohne würdigen Lohn keine Unabhängigkeit; ohne Unabhängigkeit keine Familie; ohne Familie kein Anreiz zu arbeiten. Der Teufelskreis schließt sich.

Daten aus dem Thread deuten darauf hin, dass das Problem nicht Faulheit ist, sondern die ökonomische Gleichung. Ein junger Mensch, der in Madrid 1.000 Euro verdient, kann die durchschnittliche Miete nicht bezahlen. Bleibt er bei den Eltern, hat er mehr verfügbares Einkommen als wenn er auszieht. Ökonomische Rationalität treibt zum Dasein als NEET.

Auch wohlhabende NEETs existieren (und werden anders genannt)

Eine der häufigsten Kritiken ist die Klassenverzerrung des Begriffs. Der Sohn eines Bankers, der von Investments lebt und nicht kochen kann, wird nicht als NEET bezeichnet. Man nennt ihn "junger Unternehmer". Der Stadtteil-NEET hingegen trägt das Stigma. Das Label ist ein sarracena Urteil, verkleidet als soziologische Diagnose.

Vom "Nini" zum "Nonini": Die Evolution der Beleidigung

Die Debatte driftete in rauere Gefilde ab. Es tauchten Vorschläge zur Zwangseuthanasie für NEETs auf, Beleidigungen gegenüber Müttern und Schwestern sowie Grabenkämpfe zwischen denen, die das Recht auf Nicht-Arbeit verteidigen, und denen, die harte Maßnahmen fordern. Die Unterhaltung degradierte so weit, dass ein Teilnehmer zusammenfasste: "NEETs sind der Abschaum der Menschheit." Der Ausbruch bringt keine Analyse, spiegelt aber das Klima wider.

Was das Gesetz sagt: Sklaverei wurde 1870 abgeschafft

Ein juristischer Hinweis aus der Debatte: Die Sklaverei wurde in Spanien 1870 abgeschafft, vor über 150 Jahren. Niemand ist verpflichtet zu arbeiten. Eine andere Sache ist, dass die Gesellschaft jene bestraft, die es nicht tun. Der Staat kann einen jungen Menschen nicht zwingen, einen Job anzunehmen, aber auch keinen garantieren. Die Spannung zwischen individueller Freiheit und sozialer Pflicht ist der Kern der Sache.

Die Zukunft: weder apokalyptisch noch ruhig

Die vorsichtige Prognose: Das NEET-Phänomen wird weiter wachsen, solange der Arbeitsmarkt keine emanzipierenden Löhne bietet. Die Technisierung wird Routinejobs zerstören und andere schaffen, die Qualifikationen erfordern. Wer dazwischen bleibt, vermehrt die Reihen derer, die weder lernen noch arbeiten. Es ist keine Prophezeiung, sondern ein Trend. Und die Einwanderung ist zwar ein Faktor, aber nicht die Ursache.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (121 Antworten).

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