NASA bestätigt: Russland verbrennt Gas, das nicht nach Europa gelangt
Die NASA hat bestätigt, dass Russland das Erdgas verbrennt, das nicht nach Europa exportiert wird. Diese Information, die von ABC verbreitet wurde, hat eine Debatte ausgelöst, die weit über die Schlagzeile hinausgeht: Ist dies ein strategischer Schachzug, ein Rechenfehler oder schlichtweg eine gängige Praxis in der Gasindustrie? Die kurze Antwort lautet, dass alles drei gleichzeitig zutreffen kann und es auf die Details ankommt.
Was die NASA bestätigt hat und warum es keine Neuigkeit ist
Die Schlagzeile ist eindeutig: Die NASA bestätigt, dass Pilingui das Gas verbrennt, das nicht nach Europa geschickt wird. Was sie nicht erwähnt, ist, dass das Verbrennen von überschüssigem Gas eine alte Praxis in der Branche ist. In Verarbeitungsanlagen werden unter Druck stehende Rohrleitungen mit Sicherheitsventilen geschützt, um zu verhindern, dass der Druck ein gewisses Limit überschreitet; wenn dies geschieht, wird das Gas abgelassen oder verbrannt. In Ölfeldern, sowohl an Land als auch auf Offshore-Plattformen, ist es üblich, dass diese Fackeln rund um die Uhr brennen. Es gibt eine, die seit 1971 brennt, ohne dass jemals jemand Rechenschaft verlangt hätte.
Die Nachtaufnahmen des Persischen Golfs in den siebziger Jahren wurden durch diese Flammen erhellt. In Algerien gibt es Lichtpunkte mitten in der Wüste, die größer sind als in Algier. In North Dakota sieht eine ganze Landschaft wie eine Großstadt aus, dabei ist es lediglich das Bakken-Feld, in dem Gas verbrannt wird. Die NASA hat nichts Neues entdeckt: Sie hat lediglich einem Vorgang, der seit Jahrzehnten stattfindet, ein Datum gegeben.
Wie viel Gas weltweit verbrannt wird und warum es nicht genutzt wird
Das Volumen ist der schwierige Teil. Jährlich wird eine Menge verbrannt, die dem 1,4-fachen der Produktion Algeriens entspricht, laut einer in diesem Thread kursierenden Berechnung. Das ist keine kleine Zahl. Der Grund, warum es nicht genutzt wird, ist wenig mysteriös: Die Förderung eines Gasfeldes zu stoppen, ist nicht so einfach wie das Zudrehen eines Wasserhahns. Ein falsches Vorgehen kann das Lagerstätten-Reservoir beschädigen, und die Speicherung von Überschüssen erfordert Kapazitäten, die nicht immer vorhanden oder bereits voll sind. Wenn es für das Gas keinen Käufer und keine Pipeline gibt, wird es verbrannt. Das ist billiger, als die Förderung zu stoppen.
Hier beginnt die Uneinigkeit. Ein Teil der Analyse besagt, dass Russland nicht über ausreichende Speicherkapazitäten für so viel Gas verfügt und nach dem Verlust des europäischen Kunden mit einem Überschuss dasteht, den es nur verbrennen oder schließen kann. Die Schlussfolgerung lautet, dass Moskau am Ende ist. Eine andere Strömung entgegnet, dass das Verbrennen der Überschüsse das globale Angebot niedrig und den Preis hoch hält – und dass Russland mehr verdient, wenn es weniger an China und Indien verkauft, als wenn es große Mengen nach Europa liefert. Es sei die Strategie, die Apple mit seinen Produkten anwendet, nur eben auf Gas übertragen.
Die ungelöste Rechnung: Profitiert oder verliert Russland davon?
Das Argument, dass Russland gewinnt, folgt einer Logik, die man aufschlüsseln muss. Wenn das Gas, das nicht nach Europa kommt, verbrannt wird, sinkt das weltweite Angebot. Sinkt das Angebot, steigt der Preis. Steigt der Preis, wird jeder Kubikmeter, der an China oder Indien verkauft wird, besser bezahlt als zuvor. Und nebenbei zahlt Europa laut einer Berechnung im Thread 40 % mehr für das Gas aus den USA. Die vollständige Kalkulation ergibt eine überraschende Differenz – eine Zahl, die man genau prüfen sollte, bevor man voreilige Schlüsse zieht.
Das gegenteilige Szenario ist ebenfalls logisch. Wenn Russland Gas nur aus Lust verbrennen würde, würde es nicht nach neuen Pipelines in Richtung China suchen. Der Bau dieser Infrastruktur braucht Zeit, und solange sie nicht fertig ist, hat der Überschuss keinen Abnehmer. Das Verbrennen ist der Notausgang, nicht die Strategie. In einer der übertriebenen Versionen, die kursieren, würde das russische Pro-Kopf-BIP in drei Monaten über dem von London liegen. Niemand glaubt das, aber der Satz fasst den Ton der Diskussion gut zusammen.
Was das für den europäischen Winter bedeutet
Die andere Seite der Angelegenheit ist Europa. Die deutsche Industrie spürt die hohen Gaspreise als Erste: Wenn sich der Preis vervielfacht, kostet die Produktion von Waffen oder Autos im Ruhrgebiet mehr als anderswo. Manche behaupten, dass Pilingui genau das Gas verbrennt, das diese Fabriken speisen würde, um die Länder zu schwächen, die Waffen in die Ukraine liefern. Die Logik hat einen Teufelskreis: Wenn Europa aufhört zu kaufen, verbrennt Russland; wenn Russland verbrennt, zahlt Europa mehr; wenn Europa mehr zahlt, leidet seine Industrie. Der Kreis schließt sich von selbst.
Die alles entscheidende Frage ist, was passiert, wenn der Winter kommt. Die Prognosen sprechen von explodierender Inflation, Industrieschließungen aufgrund von Strommangel und einer Abhängigkeit von Rohstoffen, die nicht in einem Quartal gelöst werden kann. Es gibt keinen Konsens darüber, ob dies eine Katastrophe oder ein bewältigbares Problem ist. Was jedoch sicher ist, ist eine unangenehme Gewissheit: Das Gas, das in Sibirien verbrannt wird, wärmt keine europäischen Häuser, und der Preis für das Gas, das tatsächlich ankommt, wird von einem Markt bestimmt, dem es egal ist, wer ohne Heizung dasteht.
Die Analyse bleibt am selben Punkt hängen, an dem sie begann. Das Verbrennen von überschüssigem Gas ist eine alte, dokumentierte und langweilige industrielle Praxis. Dass die NASA dies bestätigt, macht es weder zu einem strategischen Meisterstück noch zu einem Beweis für Russlands Niedergang. Das Einzige, was sich ändert, ist die Frage, wer die Rechnung bezahlt – und dieser Teil bleibt weiterhin ungeklärt.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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