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Nahaufnahmen an der Puerta del Sol: Verdacht gegen TV-Bildausschnitt
Der Einsatz von Nahaufnahmen an der Puerta del Sol in Madrid löst erneut eine Debatte über fernsehtypische Bildausschnitte und den spanischen Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk aus.
Die Nahaufnahme als Werkzeug: der Verdacht gegen den Bildausschnitt am Sol
Eine Nahaufnahme eines Zelts, ein Mikrofon, kein Hintergrund. Die Szene wiederholt sich in den Nachrichten und prägt durch die ständige Wiederholung eine Vorstellung ein: Die Puerta del Sol ist voll. Der kursierende Verdacht lautet genau umgekehrt: Der enge Bildausschnitt diene gerade dazu, den ganzen Platz nicht zu zeigen. Der Vorwurf ist konkret: Kurze Einstellungen ließen die Versammlung größer erscheinen, als sie ist, während eine Totale mehr Zelte als Demonstranten sichtbar machen würde.
Es geht also nicht darum, was auf dem Bildschirm erscheint, sondern darum, was beim Framing abgeschnitten wird. Und im Fernsehen ist der Bildausschnitt eine redaktionelle Entscheidung mit Folgen.
Was wird an den Nahaufnahmen an der Puerta del Sol kritisiert?
Der Vorwurf richtet sich gegen die Nahaufnahme als Instrument der Inszenierung. Für Kritiker lässt eine Totale keinen Spielraum für Tricks: Entweder sind Menschen da oder nicht; bei der Nahaufnahme schon, denn sie entfernt den Boden, löscht die leeren Ecken aus und vervielfacht das Gefühl von Dichte. Die Kritik gilt nicht nur dem Sender, sondern dem Urteilsvermögen derjenigen, die den Schnitt wählen: Eine Einstellung von zwei Sekunden kann die Erzählung eines ganzen Nachmittags verändern.
Manche vergleichen die Berichterstattung mit der einer Massenkundgebung, andere behaupten genau das Gegenteil: Gesendet werde eine Kulisse. Zwischen beiden Extremen steht eine unbequeme Tatsache für alle: Niemand liefert eine unabhängige Zählung. Ohne Zahl ist jede Einstellung so viel wert wie ihre Deutung.
Der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk und das Geld aller
Der eigentliche Vorwurf hat damit zu tun, wer die Kamera bezahlt. „Es ist offensichtlich, dass ein Fernsehen, das vollständig mit öffentlichen Geldern finanziert wird, aufgehört hat, ein öffentlich-rechtliches zu sein“, fasst ein Teilnehmer zusammen. Das Argument ist einfach: Wenn die Bürger die Medien finanzieren, sollten die Medien ihnen den ganzen Platz zeigen und nicht das Fragment, das ihnen passt.
Die Kritik am Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk ist nicht neu, aber der Bildausschnitt gibt ihr einen konkreten Gegenstand: Nicht mehr über einen Kommentar wird gestritten, sondern über eine Einstellung. Und eine Einstellung lässt sich, anders als eine Meinung, messen.
Vom Bildausschnitt ins Viertel: Müll, Reinigung und öffentlicher Raum
Das Thema verlagert sich schnell von der Kamera auf die Straße. Eine andere Kommentarlinie fordert, dass der Müllwagen durch den Bereich fahren können muss und dass Steuerzahler und Berufstätige nicht über Abfälle steigen müssen. Mit hämischem Unterton tauchen auch die Vorschläge eines Teilnehmers auf, Seife, Shampoo und Eau de Cologne zu verteilen, sowie die schwarzhumorigen Ausfälle eines anderen, der im Scherz davon fantasiert, Schlangen auf dem Platz auszusetzen, um ihn zu leeren.
Der Ton wird schärfer, der Blick weiter: Von der Kritik am Bildausschnitt geht es über zum Überdruss an der Besetzung des öffentlichen Raums. Das sind zwei verschiedene Beschwerden, auch wenn sie gemeinsam erzählt werden.
Die Total-Operation: Psyop, Einwanderung und Falschmeldungen
Am anderen Ende des Spektrums beschreiben manche Beiträge das Ganze als Ablenkungsmanöver und reihen Etiketten aneinander — das sogenannte decreto Maricarmen (ein spanisches Regierungsdekret), das 15Maricarmen —, als bildeten sie eine einzige Verschwörung. In dieselbe Richtung gehört die Behauptung, die Fernsehberichterstattung habe die Einreise von Migranten ins Land vertuschen sollen. Das Material liefert keine Zählungen, Daten oder Quellen, die eine dieser Behauptungen stützen; sie bleiben unbelegte Meinung.
Mit der offiziellen Darstellung unter Verdacht und der alternativen ohne Belege bleibt dem Zuschauer die Gegeneinstellung verwehrt. Und ohne Gegeneinstellung kann ihm jeder den Platz verkaufen, der ihm passt.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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