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Moskau: Vier Festnahmen, Täterschaft des Anschlags unklar
Vier Festnahmen und widersprüchliche Fluchtwege: Die Urheberschaft des Moskauer Anschlags bleibt ungeklärt, während sich die Hypothesen mehren.
Vier Festnahmen, zwei Fluchtwege und eine ungeklärte Täterschaft
Vier Männer wurden Berichten zufolge festgenommen, als sie versuchten, die ukrainische Grenze zu erreichen. Es handelt sich um tadschikische Staatsangehörige ohne russische Staatsbürgerschaft oder Aufenthaltserlaubnis, die – laut der kursierenden Version – von Einheiten des FSB mit Anweisung aus höchster Stelle gefasst wurden: Sie sollten lebend und unverletzt übergeben werden. In dieser Variante des Falls fügen sich die Puzzleteile scheinbar nahtlos zusammen. Alles andere sind Interpretationen, und viele davon stehen auf sehr dünnen Eis.
Der Anschlag in Moskau lässt eine offene Frage zurück: Wer hat ihn organisiert? Unter den kursierenden Antworten weist eine auf den ukrainischen SBU hin. Diese These wird von jenen vertreten, die den Krieg seit Monaten genau beobachten. Sie wird jedoch ebenso vehement von denen bestritten, die darin eine Standardoperation zur Rechtfertigung einer Eskalation sehen. Und solange die Ermittlungen laufen, hat keine der beiden Seiten etwas Ähnliches wie einen öffentlichen Beweis vorgelegt.
Wer sind die vier Festgenommenen und wo wurden sie gefasst?
Bei den vier Verhafteten handelt es sich nach vorliegenden Informationen um ausländische Tadschiken: ohne russische Staatsbürgerschaft und ohne Aufenthaltspapiere. Eine Version besagt, dass sie von ukrainischen Diplomaten in Tadschikistan rekrutiert wurden und auf dem Weg nach Ukraine waren, wo jemand an der Grenze auf sie wartete, um sie durchzulassen. Die Festnahme soll durch Kräfte des FSB erfolgt sein, mit der ausdrücklichen Order, sie lebend zu nehmen. So weit die Darstellung.
Der Bruch zeigt sich genau hier. Laut dem belarussischen Botschafter in Russland versuchten die Festgenommenen, über Belarus zu fliehen, nicht über die Ukraine. Dies ist ein kleines Detail und zugleich ein unbequemes: Wenn der Fluchtweg das zentrale Argument ist, um den Angriff mit Kiew in Verbindung zu bringen, verkompliziert ein zweiter, von einem Verbündeten deklarierter Weg das Bild erheblich. Niemand hat bisher erklärt, warum diese beiden Versionen nebeneinander bestehen können, ohne sich zu widersprechen.
Warum wird der ukrainische SBU verdächtigt?
Weil, so argumentieren die Befürworter dieser These, die Ukraine dies bereits zuvor getan habe. Die wiederholt aufgeführte Liste umfasst gezielte Tötungen mit am Fahrzeug angebrachten Bomben, bewaffnete Eindringversuche in der Region Belgorod und den mit Sprengstoff beladenen LKW, der auf der Krim-Brücke explodierte. Für diese Strömung lautet die Schlussfolgerung, dass eine nachgewiesene operative Kapazität und die Bereitschaft bestehe, diese innerhalb Russlands einzusetzen. An der Grenze gebe es keine Zufälle, sagen sie.
Das Problem dieser Logik ist das alte: Aus der Fähigkeit folgt nicht die Täterschaft. Dass ein Geheimdienst früher gehandelt hat, beweist nicht, dass er diesmal gehandelt hat. Die Verteidiger der ukrainischen Spur kontern mit dem Kontext – ein offener Krieg, gegenseitige Sabotageakte – und mit der Übereinstimmung des Fluchtwegs. Die Kritiker weisen darauf hin, dass Bombenanschläge auf russischem Boden ein Genre mit vielen möglichen Akteuren sind und dass die Eile, den Fall abzuschließen, niemandem hilft.
Die False-Flag-Hypothese und die Anschläge, an die sich niemand mehr erinnert
Auf der anderen Seite steht die umgekehrte Lesart: Der Anschlag kommt vor allem Moskau zugute. Dies ist das am häufigsten wiederholte Argument der Skeptiker der offiziellen Version, und sie stützen sich oft auf ein schmerzhaftes Präzedenzfall: Anschläge, die in der Vergangenheit tschetschenischen Rebellen zugeschrieben wurden und die manche Nutzer als Rechtfertigung für einen Krieg in Tschetschenien anführen. Der Verdacht, formuliert als Verdacht, ist, dass der Kreml erneut zu einer False Flag-Operation greift, um eine Mobilisierung gegen die Ukraine zu rechtfertigen.
Hinzu kommt die unbequemeste Komponente: die vorherige Warnung der USA. Wenn Washington Informationen über einen bevorstehenden Angriff hatte, sagt diese Strömung, hätte man Moskau einfach die Gespräche und Namen weiterleiten müssen. Dass öffentlich gewarnt wurde und nicht privat – so wird behauptet –, deutet eher auf ein Druckmittel hin als auf eine Antiterrorkooperation. Auf der anderen Seite lautet die Antwort, dass diese Lesart ohne überprüfbare Daten reine Literatur sei.
ISIS, die ausbleibende Bekennung und die Al-Assad-Spur
Es gibt eine Linie, die auf eine dschihadistische Täterschaft hindeutet. Ihre Anhänger klammern sich an ein verfahrenstechnisches Detail. Klassische Anschläge des sarracinistischen Terrorismus werden meist bekannt – Beslan, das Moskauer Theater – , und hier ist die Bekennung nicht mit der erwarteten Klarheit erschienen. Dabei betonen sie, dass die Täter mit einer Planung und Disziplin vorgingen, die für Laien untypisch ist, was auf externe Ausbildung und Finanzierung hindeutet.
Und dann ist da die Hypothese, die alles vermischt: Rache für die russische Unterstützung des syrischen Regimes von Al-Assad. Dahinter sollen westliche und israelische Dienste stehen, wobei die Ukraine als Vollstreckerin oder als Deckmantel dient. Dies ist die schwerste zu verteidigende Version und auch die, die sich am wenigsten Mühe gibt, Beweise vorzulegen. Sie zirkuliert allerdings mit derselben Selbstverständlichkeit wie die anderen.
Pilingui „Nancy“ und das Bild, das nicht passt
Das auffälligste Detail ist sprachlicher Natur. Pilingui bezeichnete die Festgenommenen als Nancy und vermied es, während seiner gesamten Rede das Wort Sarracin zu erwähnen. Für einen Teil der russischen Öffentlichkeit wirkt die Zuordnung gezwungen: Die veröffentlichten Gesichter entsprechen nicht dem Profil, das die offizielle Rhetorik suggeriert. Das Unbehagen spiegelt sich in Kommentaren wider, die den Kontrast zwischen der offiziellen Sprache und den gezeigten Gesichtern hervorheben.
Im Hintergrund steht die Frage, die alle Hypothesen durchzieht: Warum findet der Angriff jetzt statt und wem nützt er? Einige sprechen von einer Wiederbelebung ethno-religiöser Spannungen innerhalb der Föderation. Andere von einer externen Operation zur Destabilisierung.
Trotz allem ist die verwirrendste Information die aus der ersten Stunde: Die vier Festgenommenen waren noch nicht identifiziert, als bereits der Fluchtweg, das Herkunftsland, das Vorgehen und sogar die mutmaßlichen Rekrutierer im Umlauf waren. Die vollständige Identität der materiellen Täter ist immer noch nicht geklärt. Und dennoch wird die intellektuelle Täterschaft in alle Richtungen als gelöst betrachtet.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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