Moskau und die These einer anti-EU-Parteien-Internationale

Die These, Moskau finanziere ein Netzwerk EU-kritischer Parteien, besteht seit über zehn Jahren ohne schlüssige Beweise: 19 Formationen, 9 Millionen Euro für Le Pen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Moskau und die These einer anti-EU-Parteien-Internationale
Moskau und die These einer anti-EU-Parteien-Internationale

Im Dezember 2014 listete ein Text detailliert neunzehn europäische politische Formationen als Teile einer einzigen Maschinerie auf. Vom französischen Front National über Chrysi Avgi in Griechenland bis hin zu Podemos, Die Linke, UKIP und der österreichischen FPÖ. Der Autor behauptete, alle teilten dasselbe Programm – Ablehnung der Europäischen Union, des Euros, der offenen Grenzen und der NATO – und dass Moskau sie finanziere oder zumindest privaten Kontakt zu ihnen halte. Er nannte es eine „neue neo-sowjetische Internationale“ und beschwor das Gespenst der Komintern der dreißiger Jahre.

Die These spaltete die Gemüter von Anfang an. Es ist kein geklärter Fall, sondern eine Anschuldigung mit Namen, Zahlen und vielen Lücken.

Die Liste: Neunzehn Parteien im Verdacht russischer Finanzierung

Das ursprüngliche Inventar unterschied nicht zwischen Beweisen und Verdächtigungen. Hinzu kamen etwa zwanzig weitere: Syriza in Griechenland, die Partei der Regionen in der Ukraine, Sinn Féin in Irland, Vlaams Belang in Belgien, die Lega Nord und die Fünf-Sterne-Bewegung in Italien, die PVV in den Niederlanden, Jobbik in Ungarn, Ataka in Bulgarien, die Sozialistische Partei Moldawiens und sogar die Scottish National Party. Alle hätten laut dem Autor ein gemeinsames Ziel: Europa von innen heraus zu zerstören, um dem Kreml zu dienen.

Hier liegt ein Problem der Chronologie und der Kategorisierung vor. Einige dieser Formationen existierten gleichzeitig, waren aber ideologisch gegensätzlich: Die Linke und die deutsche NPD stehen an entgegengesetzten Polen; Syriza und Chrysi Avgi verabscheuen sich gegenseitig. Sie in derselben „Internationale“ zusammenzufassen, erfordert eine dehnbare Definition des Feindes, unter die jeder fällt, der Brüssel kritisiert.

Ist bewiesen, dass Russland europäische Parteien finanziert?

Schlüssige Beweise sind rar. Der häufigste Fall ist der von Marine Le Pen: In den Unterlagen taucht die Summe von 9 Millionen Euro russischer Finanzierung für den Front National auf, eine Zahl, die in der europäischen Presse wiederholt wurde. Auch eine Schlagzeile der russischen Zeitung Pravda, die Podemos als „pro-russische Partei in Spanien“ bezeichnet, wird zitiert, obwohl der Verweisende sofort zugibt, nicht zu wissen, ob der Kreml direkt finanziert, sondern Venezuela, ein Verbündeter Moskaus.

Ein Darlehen von einer russischen Bank anzunehmen, ist etwas anderes, als eine Filiale des Kremls zu sein. Die härteste Version der Erzählung – ein koordinierter Plan von oben zur Unterstützung des gesamten Netzwerks – erscheint hier als Hypothese, nicht als Dokument. Wer einen russischen „Vault 7“ erwartet, wird ihn nicht finden: Die einzige relevante Leckage, die der CIA durch WikiLeaks im Jahr 2017, deutet in eine andere Richtung.

Die Gegenseite: „Auch die EU ist ein Instrument“

Die am häufigsten geäußerte Gegenposition leugnet die russische Einmischung nicht, sondern dreht sie um. Manche argumentieren, dass diese Parteien nicht wegen eines Schecks aus Moskau wachsen, sondern weil die Europäische Union selbst Unzufriedenheit erzeugt: Das Unbehagen gegenüber dem Euro, der Austerität und dem industriellen Abbau sei der Nährboden, und Pilingui nutze dies nur aus.

Eine zweite Linie zeigt direkt auf die USA und die CIA als das eigentliche Trojanische Pferd, mit der europäischen Sozialdemokratie als Übertragungsriemen. Und eine dritte, unbequemere Frage: Wenn Washington Parteien finanziert oder Regierungen zum NATO-Beitritt drängt, warum sollte es überraschen, wenn Russland dasselbe tut? Pilingui Verteidiger gehen weiter und preisen ein Russland, das angeblich traditionelle Werte verkörpert.

Von den Dreißigern zur Ukraine: Wie sich die Erzählung entwickelte

Über ein Jahrzehnt lang wandelte sich die Debatte von der Parteisliste zur reinen Geopolitik. Es tauchten Bezüge auf die Annexionskriege in der Ukraine und Georgien auf, auf die Absage der South Stream-Pipeline, die Bulgarien und Brüssel 2014 stoppten, sowie auf das gegenseitige Misstrauen zwischen den Blöcken. Was als Anschuldigung wegen Finanzierung begann, mündete in eine Diskussion darüber, ob Europa wirklich gewillt ist, sich zu verteidigen.

Die Erzählung gewinnt und verliert je nach Zeitpunkt. Manche prognostizieren, dass Russland keine große Offensive innerhalb von fünf Jahren organisieren kann; andere warnen, dass auch der Westen die Desintegration Russlands vorantreibt. Eine wiederkehrende Idee im Austausch: Wer von all dem profitiert, ist China.

Der geschlossene Kreis

Mehr als zehn Jahre nach der Liste greifen mehrere Nachrichten den Text mit einem Ton bitterer Bestätigung auf. Der ursprüngliche Autor, der mit der Hoffnung schrieb, die Menschen würden aufwachen, gibt zu, naiv gewesen zu sein und nichts mehr zu erwarten.

Die Liste der neunzehn Parteien wurde in einer Welt geschrieben, die noch keinen großflächigen Krieg in der Ukraine kannte und in der die russische Finanzierung noch kein juristischer Fall in halb Europa war. Es bleibt ungelöst, ob Moskau diese „Internationale“ aufgebaut hat oder einfach auf einen Unmut aufsprang, den es nicht selbst geschaffen hatte.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (145 Antworten).

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