Mittelklasse rechnet: Auto-Unterhalt wird zur Belastung

Versicherung, TÜV und Kraftstoff kosten Familien mit 2.500 Euro Netto monatlich mehrere Tausend Euro im Jahr.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Mittelklasse rechnet: Auto-Unterhalt wird zur Belastung
Das Auto frisst tausende Euro: Die Mittelklasse rechnet nach

Zweitausendfünfhundert Euro netto im Monat. Mit diesem Einkommen sollte eine Familie laut gängiger Annahme keine Probleme haben, ein Auto zu unterhalten. Doch die Realität sieht anders aus. Der Kern des Problems ist nicht der Kaufpreis, sondern die laufenden Kosten: Versicherung, Reparaturen, Wartung, Benzin, Steuern und TÜV summieren sich auf mehrere Tausend Euro pro Jahr. Ein zusätzlicher Treiber sind Vorschriften, die ältere Fahrzeuge wegen hoher Emissionen vom Straßenverkehr ausschließen. Die verbreiteten Auswege: Mieten im Urlaub, das Auto der Eltern nutzen oder bei Freunden leihen.

Kosten, die bei 2.500 Euro Netto monatlich nicht mehr aufgehen

Die Liste der Ausgabenposten ist lang und sinkt nicht: Versicherung, Steuern, Reparaturen, Wartung, Abschreibung, Bußgelder, Kraftstoff, TÜV und in Großstädten 100 Euro monatlich für Parkgebühren. Das Fazit lautet oft, dass das Auto zu einer dauerhaften Geldgrube geworden ist und wer kann, darauf verzichtet. Auch der Kaufpreis hilft nicht weiter: Über 30.000 Euro für einen Familienwagen und eine Erstversicherung, die bereits über 1.000 Euro liegt.

Es geht nicht um Geringverdiener, betonen Kritiker. Das beschriebene Profil sind untere Mittelschichten und Durchschnittsverdiener, Familien mit etwa 2.500 Euro netto monatlich, die sehen, wie das Fahrzeug ihnen jährlich mehrere Tausend Euro abnimmt. Mit günstigem und schnellem öffentlichen Nahverkehr lohnt sich die Rechnung. Ohne ihn hat der Verzicht einen Haken.

Unterschied zwischen Mittelstand und Arbeiterschaft?

Die Debatte dreht sich darum und ist nicht trivial. Eine Strömung vertritt die Ansicht, wer sich kein Auto leisten kann, gehöre nicht zum Mittelstand, sondern zur Arbeiterschaft, und das eigentliche Problem sei die Selbstwahrnehmung: Viele halten sich für Teil einer Schicht, der sie nicht angehören. Das zugrunde liegende Kriterium ist älter und härter: Zum Mittelstand gehören demnach nur jene, die Produktionsmittel besitzen oder kontrollieren, also Selbstständige oder Unternehmer mit LKW, Maschinen oder Hallen. Ein Angestellter, der seine Arbeitskraft verkauft, gehört zur Arbeiterschaft – auch wenn er gut verdient, Auto, Motorrad und Haus besitzt –, weil sein Arbeitsverhältnis jederzeit enden kann.

Der angeführte Widerspruch besteht darin, dass diese Definition Unstimmigkeiten erzeugt: Ein Selbstständiger mit LKW passt ins Bild, einer ohne LKW nicht, und unbequeme Fälle fallen durch alle Raster. Auf den Geldbeutel bezogen: Wer auf das Auto verzichtet, gibt keinen Luxus auf, sondern bestätigt seinen Platz in der sozialen Hierarchie.

Ländliche Räume und Gewerbegebiete: Wo das Auto unverzichtbar ist

In ländlichen Gebieten herrscht breite Einigkeit: Das Auto lohnt sich weiterhin. In einem Dorf ist es nicht nur notwendig, sondern Pflicht. Freizeit, soziale Kontakte, Arbeit und Arztbesuche. Es gibt nur eine kleine Praxis; alles andere führt zu einem Krankenhaus, das eine Autostunde entfernt liegt. Die städtische Variante dieses Arguments bezieht sich auf Gewerbegebiete, die oft in anderen Gemeinden liegen oder mitten im Nirgendwo an Autobahnausfahrten, ohne echte Verkehrsalternativen.

Demgegenüber wird argumentiert, dass fast alle Gewerbegebiete Busverbindungen zu Bahnhöfen oder U-Bahn-Stationen haben. Die Antwort darauf ist, dass die Anbindung vom jeweiligen Gewerbegebiet und der Schicht abhängt, und wer schon in mehreren gearbeitet hat, weiß, dass man die meisten ohne eigenes Fahrzeug nicht erreichen könnte.

Die Versteigerung der Zeit: Zwei Stunden täglich, die niemand zählt

Ein Kostenfaktor, der nie in der Kalkulation auftaucht, ist die Lebenszeit. Manche fassen die Entscheidung in einem unbequemen Satz zusammen: Wer auf das Auto verzichtet, dessen Zeit ist nichts wert. Genannt werden Beispiele von Menschen, die um 6 Uhr aufstehen, um um 9 Uhr anzufangen, und den Weg am Abend zurücklegen, inklusive Wartezeiten. Zwei Stunden täglich, die auf keiner Rechnung stehen, aber bezahlt werden müssen.

Der vorgeschlagene Kompromiss ist urbaner Natur: In einer gut angebundenen Stadt mit 80.000 Einwohnern kann man auf das Auto verzichten und Carsharing sowie U-Bahn oder Bus nutzen, allerdings auf Kosten der Lebensqualität. Für alle anderen ist die wiederkehrende Alternative das 250er-Motorrad, das günstiger im Unterhalt ist und Schutz bietet, oder direkt ein 125er-Roller mit Taxi als Plan B bei Regen.

Altfahrzeuge, Umweltzonen und der politische Verdacht

Ein Teil der Diskussion wird politisch gelesen. Es wird behauptet, dass Steuern, Gebühren und Bußgelder Bürger dazu drängen, auf das Auto zu verzichten, während man ihnen weismacht, die Entscheidung sei freiwillig. Als Beleg dient, dass bestimmte Amtsträger ihre Dienstwagen mit Fahrer nicht hergeben. Diese Aussagen sind im vorliegenden Material dokumentarisch nicht belegt und sollten als geäußerter Verdacht, nicht als bewiesene Tatsache behandelt werden. Parallel kursiert eine technischere These: Funktionstüchtige Fahrzeuge wegzuwerfen ergibt keinen Sinn, da alte Autos bei guter Wartung noch laufen. Die Anhäufung von Sicherheits- und Umweltsystemen sowie die Besteuerung haben es unmöglich gemacht, einfache und günstige Neuwagen anzubieten.

Den Abschluss bildet ein Beispiel, das vom Asphalt wegführt und dorthin zurückkehrt. Laut einem Teilnehmer, der dies in der Presse gelesen habe, schlafen Servicekräfte in saisonalen Orten mit extrem hohen Wohnkosten inzwischen in Autos, Wohnmobilen und Transportern. Dort war das Fahrzeug kein verzichtbarer Posten, sondern die letzte verfügbare Unterkunft. Wenn auch das Auto aus der Gleichung fällt, will niemand den nächsten Schritt dieser Rechnung aufschreiben.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (304 Antworten).

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