Mit über 30 bei den Eltern wohnen: Spaniens Wohnungsdebatte

Die Miete frisst die Hälfte des Gehalts, eine Wohnung kostet die halbe Million. Die Debatte in Spanien über das Wohnen bei den Eltern mit über 30 und seine Folgen für die psychische Gesundheit.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Mit über 30 bei den Eltern wohnen: Spaniens Wohnungsdebatte
Wohnen bei den Eltern: Wenn daheimbleiben nicht nur Sparen bedeutet

Mit über 30 bei den Eltern zu wohnen ist keine freie Entscheidung: Es ist das Feld, das ein prekärer Arbeitsmarkt und eine Miete übrig lässt, die die Hälfte des Gehalts frisst. Das ist der Ausgangspunkt einer Debatte, die mit einer harten These beginnt —das Wohnen bei Mama «verweichlicht und verweiblicht»— und die sich, Nachricht für Nachricht, von selbst zerlegt. Denn die Diagnose derer, die über die Faulheit der Nicht-Auszüglichen dozieren, stößt auf eine unbequeme Realität: Wer auszieht, kommt zurück. Und wer bleibt, spart.

Die Miete, die das Gehalt frisst

Das ökonomische Argument dominiert. Mieten bedeutet für viele, das Geld einem Vermieter zu schenken, der jedes Jahr die Miete erhöht und mit der Kündigung droht. Eine Wohnung zu kaufen kostet gleich eine halbe Million Anzahlung. Mit diesen Zahlen auf dem Tisch hört das Bleiben bei den Eltern auf, eine Lebensentscheidung zu sein, und wird zum einzigen Feld, das das Spielbrett erlaubt. Manche fassen es ohne Umschweife zusammen: Das Wohnen bei den Eltern ist kein kulturelles Problem, es ist reine Arithmetik.

Komplizierter wird es, wenn man ins Detail geht. Eine 50-Quadratmeter-Wohnung zu teilen ist nicht dasselbe wie in einem Haus mit zwei Etagen und eigenem Bad zu wohnen. Das Problem, so manche, sei nicht das Wohnen bei den Eltern: Es sei das Zusammengepferchtsein mit ihnen. In Spanien wurden viele kleine Wohnungen gebaut und die Bevölkerung in großen Ballungsräumen konzentriert, und das macht das Zusammenleben zu einer Geduldsprobe. Wer Platz hat, sagt man, leidet nicht unter demselben Verschleiß.

«Ich wurde zu einer verachtenswerten Person»: das Zeugnis des Rückkehrers

Die am häufigsten erzählte Geschichte ist nicht die des chronischen Faulpelzes. Es ist die desjenigen, der seinen Job verlor, mit fast 30 zu den Eltern zurückzog und spürte, wie der Lebensmut zerbrach. «Ich wurde zu einer verachtenswerten Person», fasst einer der Teilnehmer zusammen, der sagt, dass er zwei oder drei Monate nach dem erneuten Auszug seine Lebenslust zurückgewann. Es lag nicht an ihm, es lag an den Umständen. Das ist die These, die an Gewicht gewinnt: Der Verfall entsteht nicht durch das Schlafen im alten Zimmer, sondern durch das Wissen, dass 40 Arbeitsstunden nicht einmal für ein Zimmer reichen.

Demgegenüber bleibt die Diagnose der Eingangsnachricht —dass das lange Zusammenwohnen verweichlicht und verweiblicht— ohne empirische Grundlage. Die Verfechter dieser These bringen keinen anderen Beweis als die Anekdote. Ihre Widerleger auch nicht. Aber das Gewicht der Zahlen fällt auf die Seite der Letzteren.

Die Rechnung des Bleibenden und die des Ausziehenden

Die meistzitierte Rechnung ist einfach: Wenn die Miete die Hälfte des Gehalts frisst, erlaubt das Bleiben zu Hause, diese Hälfte zu sparen. Dieses Sparen, so heißt es, sei der einzige Weg, irgendwann zu kaufen. Andere behalten das Gegenteil bei: Der Komfort verzögere den Auszug, und viele zahlten mit 40 noch die Hypothek ab. Die Diskussion dreht sich im Kern darum, ob das Sparen den Verlust der Privatsphäre aufwiegt. Und da gibt es keinen Konsens.

Das Thema hat einen Ableger, den kaum jemand bestreitet: die psychische Gesundheit. Zwei Generationen, die der Prekarität ausgesetzt waren, früh mit Drogen in Berührung kamen und wenig Frustrationstoleranz haben. Der Fall, der die Debatte auslöste —ein Mann, der laut Berichten seinem Vater, einem Offizier der Marine, das Leben genommen haben soll—, dient als Extrembeispiel. Aber die Mehrheit ist sich einig, dass dieser Fall nichts erklärt: Die psychische Gesundheit der Bevölkerung ist aus vielen anderen Gründen angeschlagen als durch das Zusammenwohnen.

Die offizielle Erzählung und die Erzählung von zu Hause

Die Diskussion driftet, wie fast alle, in die Politik. Manche machen die aktuelle Regierung verantwortlich, andere die vorherige, wieder andere alle. Das am häufigsten gezogene Fazit: Der Aderlass bei den Haushalten reicht weit zurück, und keine Partei hat das Problem gelöst. Der Wohnungsmarkt ist schlecht, der Arbeitsmarkt ist schlecht, die Paarbeziehungen sind schlecht. Alles kommt zusammen.

Am Ende bleibt eine Prognose mit Vorbehalt: Solange die Miete weiter die Hälfte des Gehalts frisst, wird die Zahl der Erwachsenen, die bei ihren Eltern wohnen, nicht sinken. Und wer auszieht, wird es in vielen Fällen tun, indem er nach Ablauf des Vertrags zu den Eltern zurückkehrt. Die Frage ist nicht, ob das Wohnen bei den Eltern gesund ist oder nicht. Sondern wie lange es dauert, bis es nicht mehr die einzige Option ist.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (40 Antworten).

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