Milei greift spanische Regierung bei Vox-Event an
Die Veranstaltung von Vox in Madrid machte den argentinischen Präsidenten Javier Milei zum Star-Gast einer Show, bei der er die spanische Regierung, die „soziale Gerechtigkeit“ und die „Linke“ angriff, während das Publikum „¡Argentina, Argentina!“ rief. Der Vorfall im Rahmen des Events Viva24 wurde von einigen als Machtdemonstration des „Löwen“ und von anderen als Fremdscham gelesen: Ein ausländischer Staatschef beleidigt den Präsidenten des Gastlandes, während seine Anhänger jubeln. Die Diskussion verlagerte sich auf die Frage, wer die Reise bezahlt hat, was hinter Mileis erklärtem Zionismus steckt und ob Vox ein Phänomen ausnutzt, das es nicht kontrollieren kann.
Was geschah beim Viva24 von Vox
Das von Vox in Madrid organisierte Event Viva24 hatte die Rede von Javier Milei, dem Präsidenten Argentiniens, als zentralen Moment. Auf der Bühne griff Milei die Regierung von Pedro Sánchez, die „soziale Gerechtigkeit“ – die er als abartig bezeichnete – und die „Linke“ an, einen Begriff, den er mehrfach wiederholte. Das Publikum reagierte mit Gesängen von „¡Argentina, Argentina!“, was für einige Teilnehmer und Kommentatoren die Veranstaltung eher zu einem Fußball-Rally als zu einem politischen Treffen machte. Die Szene, die über soziale Medien verbreitet wurde, löste Reaktionen von Lachen bis Empörung aus.
Die häufigste Beschreibung war die eines „alkoholisierten Spektakels“: Eine Show, in der sich der Gast wie ein Rockstar verhielt, sang, gestikulierte und sein Publikum mit einem theatralischen Ton ansprach. Für einen Teil des Publikums ist genau diese Fähigkeit, die Massen anzusprechen, das Attraktive; für andere ist es der Beweis, dass Politik zu einem Zirkus geworden ist, in dem der Lauteste gewinnt.
Die Kosten der Reise und das Paradox des Liberalen
Einer der am meisten diskutierten Punkte waren die Reisekosten. Es wurde darauf hingewiesen, dass Milei mit einem Linienflugzeug und nicht mit einem offiziellen Flugzeug gereist sei und dass die Kosten für seinen Aufenthalt und die Teilnahme vom Veranstalter oder von den argentinischen Steuerzahlern getragen worden seien. Das Paradox ist offensichtlich: Ein Präsident, der sich als Vorkämpfer der Freiheit und der Kürzung öffentlicher Ausgaben präsentiert, tritt bei einer Parteiveranstaltung im Ausland auf, mit nicht detaillierten Kosten, während er in seinem Land eine Sparpolitik durchsetzt, die er selbst als notwendig beschreibt.
Einige behaupten, diese Reise sei eine politische Investition: Milei sucht Allianzen mit der europäischen populistischen Rechten und projiziert dabei sein Bild als globaler Anführer der Bewegung. Dagegen spricht das Argument, dass ein Präsident keine ausländischen Parteiveranstaltungen nutzen sollte, um die Regierung des Gastlandes anzugreifen, besonders wenn dieses Land Tausende argentinische Einwanderer beherbergt, die Geld nach Hause schicken.
Zionismus, Geopolitik und das Elefant im Raum
Mileis explizite Unterstützung für Israel und seine Ausrichtung an den USA waren ein weiterer Schwerpunkt der Ablehnung. Mehrere Nachrichten bezeichneten den argentinischen Präsidenten als „Zionisten“ und „Kriecher der Angelsachsen“ und beschuldigten ihn, sein Land an ausländische Interessen verkaufen zu wollen. Die Frage ist nicht unwichtig: Argentinien hält historisch an einer ausgewogenen Außenpolitik fest, und Mileis Schwenk Richtung Washington und Tel Aviv stellt eine Achsenverschiebung dar, die nicht alle teilen.
Die Diskussion drehte sich um ideologische Kohärenz: Wenn Milei ein Liberaler ist, warum schließt er sich dann Mächten an, die interventionistische Politiken verfolgen? Wenn er gegen das System ist, warum sucht er dann die Umarmung der globalen Mächte? Die Antworten sind vielfältig und schließen die Sache nicht ab. Klar wurde jedoch, dass Mileis erklärter Zionismus sogar einige seiner Sympathisanten irritiert, die darin einen Widerspruch zur Rhetorik der nationalen Souveränität sehen.
Vox, die populistische Rechte und die Wahlberechnung
Die Veranstaltung diente auch dazu, die Stimmung bei Vox zu messen. Einige behaupten, die Partei habe vor den Europawahlen einen Schock-Effekt gebraucht, und Milei sei der perfekte Gast: Ein ausländischer Anführer, der ihre Sprache spricht, dieselben Feinde angreift und die Halle füllt. Dagegen steht das Argument, dass Vox im europäischen Konzert zurückbleibt, wo andere populistische Rechte bereits regieren oder kurz davor stehen, und dass die Abhängigkeit von externen Gästen einen Mangel an eigenem Projekt offenbart.
Der Vergleich mit Le Pen und ihrer Agrarpolitik – die Schließung der Grenzen für spanische Produkte – diente dazu, den Widerspruch zu verdeutlichen: Vox feiert Milei, während die französische Rechte spanische Landwirte benachteiligt. Die Wahlberechnung ist komplex: Die Menge mit einem Spektakel zu mobilisieren, kann kurzfristig funktionieren, löst aber nicht den Mangel an einer eigenen Erzählung.
Das Publikum: Schafe oder Narren?
Die Beschreibung des Publikums war einer der schärfsten Punkte. Man nannte sie „grobe Schafe“ und „Narren“, die ihren Traum nicht vermeiden können, Untertanen des „besten Landes der Welt“ zu sein. Der Spott richtete sich nicht nur gegen Milei, sondern auch gegen jene, die ihm applaudieren: Spanier, die in einer Madrider Halle „¡Argentina, Argentina!“ rufen, als wären sie im La-Bombonera-Stadion. Die implizite Frage lautet, was einen spanischen Wähler dazu bringt, sich für einen ausländischen Präsidenten zu begeistern, der seine eigene Regierung beleidigt.
Die gegebene Antwort ist, dass Politik zu einem Sport geworden ist: Das Spektakel zählt mehr als der Inhalt. Und auf diesem Terrain ist Milei ein Top-Spieler. Aber es gibt auch Stimmen, die verteidigen, dass das Publikum das Recht hat, jemandem zu applaudieren, der ihre Ideen teilt, auch wenn er ausländisch ist, und dass die Kritik an der „Schafsmentalität“ selbst eine Form der Verachtung gegenüber den Wählern ist.
Der verwirrende Datenpunkt
Während die Zentralbank von Argentinien Reserven anhäuft und das Land das Defizit verlässt, spaziert der Präsident durch Madrid bei einer Parteiveranstaltung, singt, beleidigt und kehrt nach Hause zurück. Die schwebende Frage ist, ob diese Reise die Argentinier etwas kostet oder ob sie ihnen umsonst kommt. Niemand hat dies geklärt. Und währenddessen brüllt der „Löwe“ weiter dort, wo man ihm applaudiert.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
Die ganze Diskussion lesen (118 Antworten).