Migrationsdruck überlastet spanische Polizei: 10.000 Festnahmen

Fast 10.000 Festnahmen wegen Angriffe auf Beamte und 16% mehr Aggressionen nach der Pandemie. Die Migrationssituation in Spanien stellt die Polizei vor große Herausforderungen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Migrationsdruck überlastet spanische Polizei: 10.000 Festnahmen
Migrationsdruck überlastet die Polizei und treibt Gewalt gegen Beamte in die Höhe

Was passiert, wenn die erste Verteidigungslinie eines Staates ihre Kapazitätsgrenzen erreicht? Die Antwort findet sich in den Statistiken, die in den Behördenbüros kursieren: fast 10.000 Festnahmen wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und ein Anstieg der Übergriffe um 16% seit der Pandemie, so die Daten der Polizeigewerkschaften. Parallel dazu führt die Migrationskrise auf den Kanarischen Inseln zu Szenarien wie auf El Hierro, wo täglich 200 Migranten eintreffen, aber nur 4 Beamte der Guardia Civil pro Schicht im Dienst sind. Die Schlussfolgerung in den Kasernen ist unbequem: Die Ressourcen reichen nicht aus, und der Druck konzentriert sich auf das schwächste Glied.

Der Kollaps der ersten Linie

Die Warnung kommt nicht aus einem Ministerium in Madrid, sondern von Berufsverbänden, die seit Jahren auf den Mangel an Mitteln hinweisen. Die Guardia Civil hat Verstärkung angefordert angesichts der Welle von Pateras (Flüchtlingsbooten) im Mittelmeer und im kanarischen Archipel, während die Gewerkschaft SUP Polizisten in ganz Spanien zu Mobilisierungen aufgrund der ständigen Angriffe aufruft. Die Zahl, die das Problem zusammenfasst, sind die 10.000 Festnahmen wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte; eine Zahl, die laut einer im Forum zirkulierenden Berechnung etwa 50.000 Angreifer bedeuten würde, wenn man das übliche Verhältnis von Festnahmen zu Angriffen anwendet. Das entspricht mehreren militärischen Divisionen an Truppenstärke.

Die Diagnose vor Ort ist noch härter. In Cartagena erklärt sich die Policía Nacional als überfordert nach der Ankunft von 450 Algeriern innerhalb von drei Tagen, wobei laut SUP 120 Personen auf der Straße landeten. Auf den Kanaren lässt die Migrationskrise die Belegschaften mit 700 Beamten weniger als benötigt für den Dienst zurück. Und auf El Hierro bezeichnet der Berufsverband JUCIL die Situation als „alarmierend für die Sicherheit, nicht nur der Inselbewohner, sondern aller Spanier“, mitten in einer Terrorwarnung nach Drohungen der Hamas.

Warum wechseln die Banden zum Menschenhandel?

Die Antwort ist rein wirtschaftlich: Es ist profitabler. Marokkanische Banden, die früher im Drogenhandel tätig waren, haben im Menschenhandel ein Geschäft mit geringerem strafrechtlichen Risiko und ähnlichen Margen gefunden. Staatsanwälte verhängen Strafen von nur 2 Monaten, ein lächerlicher operativer Aufwand im Vergleich zu den Gewinnen. Die neue Methode, die sich in Cádiz ausbreitet, sind die sogenannten Pateras-Taxis: Schnellboote von Drogendealern, die Boote bis in spanische Hoheitsgewässer schleppen und sie ihrem Schicksal überlassen, damit die Küstenwache (Salvamento Marítimo) eingreifen muss.

Die Köpfe dieser Netzwerke sitzen laut Ermittlungen in Alicante und arbeiten mit immer leistungsstärkeren und schnelleren Booten. Die Guardia Civil in Almería klagt über fehlende Mittel, um ein Phänomen zu bekämpfen, das sich rasend schnell spezialisiert. Ein interner Bericht zeigt, dass die Radarsysteme zur Erkennung von Cayucos (Einbaumbooten) „veraltet“ und „ineffizient“ sind. Die Gleichung ist einfach: Wenn das strafrechtliche Risiko gering und die Rentabilität hoch ist, wächst das Geschäft.

Die gesellschaftliche Spaltung, die die Daten zeigen

Das Unbehagen beschränkt sich nicht auf die Sicherheitskräfte. In San Sebastián hat der Anstieg der Kriminalität die Stadtverwaltung dazu gezwungen, Polizisten, Richter und Staatsanwälte zu einer Dringlichkeitssitzung einzuberufen, um die „Herdorte der Unsicherheit“ und die Mehrfachrückfälligkeit anzugehen. In Frankreich hat die Regierung Grenzkontrollen angeordnet, nachdem die baskische Partei PNV ihren Ärger über die wahrgenommene Durchlässigkeit der spanischen Grenze geäußert hatte. Auf politischer Ebene gerät die PSOE mit Coalición Canaria aneinander wegen des Wiederanstiegs der Migrationskrise auf den Inseln.

Manche argumentieren, das Problem sei eher ein Management- als ein Ressourcenproblem: Wenn die Polizei bei einem Gehalt von dreitausend Euro kollabiert, liegt das Problem vielleicht nicht nur am Personalmangel. Andere weisen darauf hin, dass die Gesellschaft „gutgläubig und pazifistisch“ geworden sei und dies das Phänomen nährt. Eine dritte, härtere Strömung stellt die Nützlichkeit des Corps direkt infrage: „Die Polizei ist dafür da, Leute zu verfolgen, die ihre Hunde am Eingang eines Supermarktes anleinen“, fasst eine Haltung zusammen, die in bestimmten Kreisen an Boden gewinnt.

Das Geschäft mit Fälschungen und Gesuchten

Die Geschichte endet nicht auf dem Meer. In Alicante wurden 12 Marokkaner und zwei spanische Beamte wegen Fälschung von Aufenthaltserlaubnissen festgenommen. Mehr als 10.500 Gesuchte versuchten 2023, die Grenze von Melilla zu überschreiten. Und der ehemalige Generalstabschef Alejandre warnt vor dem Risiko, dass die Armee zu einer „riesigen NGO“ wird, eine Warnung, die in den Kasernen widerhallt.

Die Frage, die in der Luft liegt, ist, ob der Staat tatsächlich Kontrolle ausüben kann. Die verfügbaren Daten deuten darauf hin, dass er es nicht kann: Die Mittel sind knapp, die Strafen niedrig und der Druck konstant. Währenddessen fordern die Beamten weiterhin Taser, Kameras und mehr rechtliche Sicherheit. Es scheint nicht so, als würden diese Maßnahmen von selbst kommen.



Am Ende schreibt sich die Geschichte von selbst: mehr Pateras, weniger Beamte, zweimonatige Haftstrafen und eine Gesellschaft, die wegsieht. Dann löst man das Problem mit einer Schweigeminute und Blumen auf einem Platz.

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (198 Antworten).

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