Miete zahlen oder zu den Eltern zurück: die Dreistigkeit eines Vermieters

Ein Vermieter mit mehreren Wohnungen meint, wer die Miete nicht zahlen könne, solle zu seinen Eltern zurückziehen. Die Miete frisst inzwischen fast ein ganzes Gehalt.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Miete zahlen oder zu den Eltern zurück: die Dreistigkeit eines Vermieters
Miete zahlen oder zurück zu den Eltern

Ein Vermieter, der mehrere Wohnungen an Studierende in Granada (Spanien) vermietet, hat es ohne Umschweife gesagt: Wer den geforderten Preis nicht zahlen wolle, solle zu seinen Eltern zurückziehen oder sich anders zu helfen. Die Aussage, getätigt zu einer Zeit, in der die Miete in weiten Teilen des Landes fast ein ganzes Gehalt frisst, ist keine isolierte Boutade: Sie zeichnet das Bild eines weit verbreiteten Vermietertyps. Seine These lautet: Der Preis ist der Preis, und niemand ist gezwungen zu unterschreiben.

Der Rest des Arguments folgt dem bekannten Muster: Als er sich eine Miete nicht leisten konnte, blieb er bei seinen Eltern; wenn der Preis nicht zusagt, suche man sich ein Gewerbelokal, richte es her und wohne dort; sich zu beschweren ändere nichts. Und dann fügt er den Zusatz hinzu, der die anderen empört hat: Dieselbe Logik lasse sich auf alles andere übertragen.

Das Argument des Vermieters: Wer es sich nicht leisten kann, soll es nicht konsumieren

Das Prinzip „Wer es sich nicht leisten kann, konsumiert es nicht“ auf den Wocheneinkauf anzuwenden ist einfach. Eier zum Preis von 8 Euro pro Dutzend lässt man im Regal stehen, Olivenöl für 15 Euro pro Liter ebenso, und die Heizung ersetzt man durch eine Decke. Der Vermieter versteht das als Lebensphilosophie: Als Kind fuhr er Fahrrad, wenn es kein Auto gab, und aß im McDonald's zu Abend – und war zufrieden. Sparsamkeit, so seine Botschaft, sei die individuelle Antwort auf das Problem der Preise.

Der Fehler in der Analogie liegt in der Liste der Dinge, auf die man nicht verzichten kann. Der Vergleich, der als Erwiderung kursiert, ist der hochwirksame Antibiotikum-Kurs für 13.500 Euro für zwölf Einheiten: Wer ihn nicht bezahlen kann, soll ihn eben nicht nehmen. An dieser Stelle zerfällt das Argument von selbst, denn es gibt Güter, deren Preis man nicht durch Weglassen im Regal vermeiden kann.

Warum „konsumiere es nicht“ beim Wohnen nicht funktioniert

Das dominierende Gegenargument besagt, dass ein Dach über dem Kopf kein Luxus ist. Die Miete verschlingt vielerorts nahezu ein komplettes Gehalt, und die Löhne sind nicht mitgezogen: Dieselben Jobs wie vor vierzig Jahren werden noch immer gleich bezahlt, während sich die Preise vervielfacht haben. Für die unter 40-Jährigen ist die Diagnose eine strukturelle, und sie wird sich am Ende auf die gesamte Gesellschaft auswirken, nicht nur auf diejenigen, die sich heute nicht aus dem Elternhaus lösen können.

Die Reductio ad absurdum war die am häufigsten geäußerte Erwiderung. Gilt die Regel, nicht zu konsumieren, was man sich nicht leisten kann, so misst derselbe Maßstab auch Strom, öffentliche Verkehrsmittel oder die Pflege kranker Eltern: Die Heizung bleibt aus, man steht zwei Stunden früher auf, um zu Fuß zur Arbeit zu gehen, und pflegt die Familie eben selbst. Sich über die Wohnungspreise zu beschweren, so die Botschaft, ist kein Laster.

Angebot, Nachfrage und der Migrationsfaktor

An dieser Stelle wird der Ton schärfer. Der Mietpreis, so die Überlegung, bilde sich wie bei jedem anderen Gut: Die Nachfrage müsse sinken und das Angebot steigen, und beides geschehe nicht. Eine viel zitierte Analyse verweist darauf, dass die Bevölkerung netto wächst, während der Wohnungsmarkt durch Bürokratie, Steuerlast und Vorschriften stranguliert wird – Regeln, die eigentlich den Mieter schützen sollten, aber die Zahl der verfügbaren Wohnungen verringern.

Die Diagnose mündet in einen unbequemen Konflikt. Ein Teil der Meinungen vertritt die Ansicht, dass das Bevölkerungswachstum die Preise nach oben treibt; die Gegenseite entgegnet, der Wohnungsbestand sei seit Jahren nicht im Tempo der Haushaltszahlungen gewachsen, und das allein erkläre kein über Jahrzehnte entstandenes Ungleichgewicht. Für eine globale Perspektive greift jemand zu einer Anzeige: ein Reihenhaus mit fast 300 Quadratmetern, Garten und Grill in einem gehobenen Viertel von Lagos (Portugal) für 228.000 Euro.

Wer baut – und wer aufhört zu bauen

Der politische Vorwurf geht in zwei Richtungen, und keine entlastet. Der Regierung wird vorgeworfen, seit Jahren keinen Wohnungsbau voranzutreiben – „sie hat keine einzige gebaut“, fasst ein Beitrag zusammen –, während von der anderen Seite kommt, das Problem reiche weit zurück und die vorherige Verwaltung habe es ebenfalls nicht gelöst. Der Verweis auf die unvollendeten Bauvorhaben am Stadtrand von Madrid dient als Erinnerung daran, dass Massenwohnungsbau auch nicht das Allheilmittel war.

Im Hintergrund steht ein größerer Dissens: mehr bauen, weiter wachsen oder akzeptieren, dass sich Großstädte nicht unbegrenzt ausdehnen können. Die einen halten dagegen, dass man die Ursache des Problems nicht durch Vergrößerung behebt; die anderen, dass ohne neues Angebot der Preis nur steigen kann. Der einzige Punkt, in dem sich fast alle einig sind: Die Krise wird noch lange andauern.

Unterdessen hat der Vermieter, der den Streit vom Zaun gebrochen hat, keine Zweifel an seiner Position: Er hat diese Woche eine Wohnung verkauft und reserviert 100.000 Euro, um bei fallenden Kursen in Kryptowährungen einzusteigen. Dass Eier 8 Euro pro Dutzend kosten, ist für ihn ein weiteres Argument, den Preis nicht anzufassen. Der Markt, so seine Botschaft, findet immer jemanden, der es zahlt.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (60 Antworten).

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