MetaTrader 4: Die versteckte Realität des automatisierten Handels

Hunderte getestete EAs, nutzlose Backtests und Slippage als Kompass: So wird der automatisierte Handel in MetaTrader 4 tatsächlich diskutiert.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

MetaTrader 4: Die versteckte Realität des automatisierten Handels
MetaTrader 4: Die Werkstatt, in der Geld verlierende Roboter gebaut werden

Ein Benutzer eröffnet einen Thread, um Ressourcen für MetaTrader 4 und MQL4 zu teilen. Was als Link-Austausch beginnt, entwickelt sich zu einer Abrechnung mit der Branche des automatisierten Handels: Hunderte getestete Expert Advisors, wertlose Backtests und eine Handvoll Ideen – Slippage als Indikator, Netto-Volumen, neuronale Netze –, die darauf hinweisen, wo das eigentliche Spiel stattfindet.

Die erste Schlussfolgerung des Threads ist eine Warnung: Laut einem Teilnehmer, der angibt, Hunderte von EAs auf Demo- und Mikro-Konten getestet zu haben, sind die überwiegende Mehrheit, einschließlich der bekanntesten kommerziellen, klare Verlierer. Backtesting, fügt er hinzu, sei wenig nützlich: Es kann ein System ausschließen, wenn sein Verhalten offensichtlich mangelhaft ist, aber man weiß nie, wie es in Zukunft abschneiden wird. Die unbequeme Erkenntnis ist, dass Lernen und Experimentieren der einzige gültige Weg sind.

Slippage ist nicht nur ein Pip-Dieb

Der Thread widmet einen großen Teil seiner Entwicklung einer Idee, die selten in Handbüchern zu finden ist: Slippage – die Differenz zwischen dem angeforderten Preis und dem erhaltenen Preis – ist nicht nur ein Kostenfaktor. Nach den im Thread vorgetragenen Argumenten ist es die einzige Variable, die die Preisentwicklung antizipiert und die Stärke des aktuellen Trends zeigt. Niedriges Volumen bei hoher Slippage würde möglicherweise schwache Hände anzeigen; niedrige oder null Slippage deutet auf starke Hände hin.

Die vorgeschlagene Berechnung ist handwerklich: Man nimmt die Preisdifferenz zwischen Ticks, teilt sie durch das Volumen dieses Ticks und erhält die Slippage in Punkten. Um dies über einen Zeitrahmen zu mitteln, wird die Systemuhr verwendet. Der Autor erkennt an, dass der einzige Weg, dies genau zu kennen, darin besteht, eine Order auszuführen, mit ihren Gebühren und Spreads, und dass hier auch das Unschärferelationsprinzip gilt: Um das System zu kennen, muss man mit ihm interagieren.

Es gibt eine überraschende Nuance: Je kleiner das Lot, desto höher die Slippage, laut den geteilten Erfahrungen. Mikrolots werden benachteiligt, da sie gebündelt werden müssen, um in den Markt einzutreten, Latenz verbrauchen und höhere Transaktionskosten zugewiesen bekommen. Die optimale Größe, so heißt es, ist ein Lot. Obwohl niemand mit einer ungetesteten Strategie mit Mikrolots in den Markt gehen würde.

Dow-Theorie, neu geschrieben mit Volumen und Transaktionskosten

Der Thread versucht, die klassischen Trendphasen – Akkumulation, öffentliche Beteiligung, Exzess, Distribution, Panik – in zwei messbare Variablen zu übersetzen: Slippage und Netto-Volumen. Der Vorschlag ist, dass während der Akkumulation die Slippage sinkt, während das Volumen steigt; während der öffentlichen Beteiligung steigt die Slippage und das Volumen schnellt hoch; während des Exzesses fallen beide. Die Diskussion verlagert sich auf den Zeitfaktor: Ein Fenster von sezig Sekunden greift Minuten-Trends an; ein Fenster von fünfzehn Stunden greift Stunden-Trends an; eine Batterie von Ticks, die volle Stunden abdeckt, greift Tages-Trends an.

Das Netto-Volumen wird nicht mit einer einzigen Funktion ermittelt. Man muss die tickweise Volumenablese aufrufen und die Differenz zwischen dem vorherigen und aktuellen Wert berechnen. Ist die Differenz negativ, entsprach der vorherige Aufruf der vorherigen Kerze. Es ist Uhrmacherarbeit, nicht Klick-und-fertig.

Die dunkle Seite des Terminals: Plugins, die Stops jagen

Einer der unbequemsten Beiträge des Threads ist die Erinnerung daran, dass MetaTrader 4 dafür ausgelegt ist, an Broker verkauft zu werden, nicht an Trader. Das Plugin Virtual Dealer wird erwähnt, mit dem Broker jederzeit Spikes erzeugen oder Stops nach Belieben jagen können. Es wird nicht behauptet, dass alle dies tun, aber es wird betont, dass es existiert und verfügbar ist. Die Antwort eines anderen Teilnehmers ist pragmatisch: Deshalb nutzt er virtuelle Stops, die aus Code ausgeführt werden, anstelle des Stop-Loss-Feldes der Orders.

Die wahre Stärke der Plattform, so wird gefolgert, ist ihre Entwicklergemeinschaft. Wenn man Vor- und Nachteile kennt, kann man die Arbeitsweise verbessern. Auch Bibliotheken zum Auflisten aller Server-Symbole und zum Exportieren in eine Datei sowie Seiten mit Ehlers-Indikatoren oder koncorde zur Erkennung von Bewegungen starker Hände werden zitiert.

Neuronale Netze und Tick-Analyse: Die nächste Stufe

Der Thread bleibt nicht bei klassischen Indikatoren. Artikel über Preisvorhersagen mit neuronalen Netzen in MQL4 werden verlinkt, und die Frage wird gestellt, ob jemand Erfahrung mit genetischen Algorithmen zu deren Optimierung hat. Die gezogene Schlussfolgerung ist, dass japanische Kerzen eine Vereinfachung der Volumenanalyse sind, nützlich, aber begrenzt, und dass das Interessante die Tick-Analyse ist.

Den Abschluss bildet eine verwirrende Tatsache: 90 % des Volumens stammen von starken Händen, wie im Thread behauptet wird, und der Rest kann als schwache Hände betrachtet werden. Um Bewegungen zu koordinieren und Chaos zu vermeiden, würden diese starken Hände gemeinsame Pivot-Level nutzen, warten, bis der Topf mit Retail-Trader gefüllt ist, und in die entgegengesetzte Richtung aussteigen, indem sie Stops brechen. Der Fußabdruck zu ihrer Erkennung läge in der vergangenen Zeit in Millisekunden seit dem letzten Tick: Mehr Zeit bedeutet mehr Pips pro Kontrakt. Es gibt Spezialisten mit Zeiten unter einer Millisekunde. Währenddessen schaut der Retail-Trader weiterhin auf einen gleitenden Durchschnitt.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (58 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

Volver