Mercadonas 3-Euro-Wein: Ein Aufprall der Erzählungen
Ein britischer Käufer im Spanien-Urlaub stellte klar: „Wir haben nie mehr als 3 Pfund gezahlt oder schlechten Wein bekommen.“ Der Satz, in verschiedenen Formaten wiederholt, fasst die Verwunderung dessen zusammen, der entdeckt, dass eine anständige Flasche in Spanien so viel kostet wie ein Kaffee in seinem Land. Die Verwunderung ist nicht gegenseitig. Während einige das Preis-Leistungs-Verhältnis der valencianischen Kette feiern, sehen andere in diesem Enthusiasmus den Beweis dafür, dass der anglo-sächsische Gaumen auf verarbeitete Lebensmittel geprägt ist. Die Diskussion, die über hundert Antworten ansammelt, driftet schnell in raueres Terrain ab: sprachliche Integration, angeblicher spanischer Minderwertigkeitskomplex und Nostalgie einer Mittelklasse, die, so wird argumentiert, existierte und verschwunden ist.
Der 3-Euro-Wein, der Besucher verwirrt
Der Ausgangspunkt ist eine wiederholte Einkaufserfahrung. Ein Besucher berichtet, er sei während seines Urlaubs „alle zwei Tage“ zu Mercadona gegangen und habe verschiedene Weine probiert, ohne jemals drei Pfund zu überschreiten. Seine Schlussfolgerung lautet, dass die Qualität von Essen und Trinken „unglaublich“ war. Es ist kein Einzelfall: Eine weitere Nachricht besteht darauf, dass die Kette „mit allen Supermärkten im Vereinigten Königreich aufräumt“. Die Verwunderung hat eine arithmetische Erklärung, die mehrere Teilnehmer sezieren. Ein Wein, der in Spanien 2,75 Euro kostet, kann im Vereinigten Königreich für 20 oder 25 verkauft werden. Der Unterschied liegt nicht in der Qualität, sondern in Steuern und Vertriebsstufen. „Gib einem Ausländer einen Viña Albali Crianza und er hält ihn für einen großen Wein“, fasst ein Teilnehmer zusammen, der den Preis dieses Crianzas bei 2,75 Euro in einem lokalen Alcampo beziffert.
Die Euphorie des Besuchers prallt auf die Kälte des Einheimischen. Für einen Teil der Diskutanten offenbart der Enthusiasmus nichts über Mercadona, sondern über den Gaumen dessen, der ihn formuliert. „Engländer, die sich über Essen äußern. Der Witz macht sich selbst“, urteilt eine Nachricht. Die Kritik stützt sich auf eine wiederkehrende Idee: Der anglo-sächsische Geschmack ist durch Verarbeitetes, Zucker und künstlichen Geschmack geformt. Ein Teilnehmer, der angibt, zwei Jahre in der City gearbeitet zu haben, beschreibt Fünf-Pfund-Menüs mit Entsetzen und gesteht, dass ihm Heimarbeit und Kochen zu Hause vor einem Herzinfarkt bewahrt haben. Die Anekdote, ob übertrieben oder nicht, illustriert den Kern des Missverständnisses: Was manche als gastronomische Entdeckung lesen, interpretieren andere als Beweis für ein sehr niedriges Niveau.
Ist Mercadona günstig oder wirkt es nur so?
Die Verteidigung der Kette beschränkt sich nicht auf Wein. Mehrere Nachrichten betonen Fischtheke, Obstabteilung, Mitarbeiteraufmerksamkeit und die Qualität der Eigenmarken. Einer der Begeisterten behauptet, Mercadona sei „Lichtjahre voraus“ gegenüber Alcampo, Lidl oder Aldi, und fügt eine auffällige Angabe hinzu: Man lasse sie nicht jenseits der Pyrenäen Fuß fassen. Die Behauptung, ohne weitere Unterstützung lanciert, funktioniert in der Diskussion als Hypothese, nicht als bestätigte Tatsache. Dagegen erinnert ein anderer Teilnehmer daran, dass El Corte Inglés in seiner persönlichen Skala immer noch darüber liege, obwohl er zugesteht, dass man bei Mercadona „sehr würdig“ einkaufen könne.
Die Gegenoffensive kommt über die Flanke der tatsächlichen Qualität. Eine Nachricht bezeichnet die Kette als „das Schäbigste, was man nach DIA finden kann“. Ein anderer geht weiter und behauptet, die Menge an Zusatzstoffen in spanischen Produkten sei „nicht annähernd normal“, und es reiche, die Zutatenlisten zu lesen, um dies zu überprüfen. Die Anschuldigung bleibt nicht dabei stehen: Es wird suggeriert, dass der britische Enthusiasmus auf Werbung oder Immobilieninteressen zurückzuführen sei. Dies ist genau der Punkt, an dem die Analyse ins Stocken gerät, da keine der beiden Seiten einen systematischen Etikettenvergleich liefert.
Spanisch sprechen nach zwanzig Jahren: Die Kluft, die sich nicht schließt
Das Thema driftet zur Integration ab. Eine Nachricht weist darauf hin, dass es Briten gibt, die seit zwei Jahrzehnten in Spanien leben, ohne ein Wort Spanisch zu sprechen. Die Antwort lässt nicht auf sich warten und verschiebt den Fokus: Von englischsprachigen Personen wird nicht erwartet, Sprachen zu lernen, und sie verlieren keinen sozialen Prestige dadurch, während spanischsprachigen Personen ständig ihr Englischniveau vorgeworfen wird. Die Diskussion vergiftet sich. Ein Teilnehmer gibt zu, dass ihm sozialer Prestige egal ist und dass es, wenn man zwanzig Jahre an einem Ort lebt, das Mindeste ist, die Sprache zu sprechen. Ein anderer kontert mit einer unbequemen Beobachtung: Man muss auch sehr tolerant sein, um zu dieser Zeit kein Englisch zu können. Das Gespräch löst nichts, hinterlässt aber ein scharfes Foto der wahrgenommenen Asymmetrie.
Nostalgie der verschwundenen Mittelklasse
Parallel dazu bewegt sich der Thread in ein breiteres wirtschaftliches Terrain. Ein Teilnehmer beschreibt eine spätfaschistische Mittelklasse, die mit einem einzigen Gehalt eine vierköpfige Familie ernährte, die Wohnung in wenigen Jahren abbezahlte und ein zweites Zuhause kaufte. Die These lautet, dass diese Mittelklasse drastisch geschrumpft ist und es heute viele Arme gibt. Die Antwort ist sofort und frontal: In der zweiten Hälfte des Franquismus gab es keine Mittelklasse, sondern Kriegsgewinner und ihre Nachkommen. Die Diskussion wird zu einem Austausch gegensätzlicher Erinnerungen an Quadratmeter, Autos und Privatschulen. Ein 1971 in einer Industriestadt im Baskenland geborener Teilnehmer versichert, dass die Mehrheit Arbeiterklasse war und man mit einem Gehalt Schwierigkeiten hatte, die Wohnung zu bezahlen. Der Dissens wird nicht beigelegt: Er hängt davon ab, ob man aus einer Großstadt oder einer Kleinstadt blickt, ob man über Freiberufler oder Industriearbeiter spricht.
Die Diskussion über den Drei-Euro-Wein endet als Diskussion über etwas anderes. Über was als Qualität gilt, wer Autorität hat, sie zu beurteilen, und welcher Teil der Vergangenheit als verlorenes Paradies erinnert wird. Mit den aktuellen Preisen auf dem Tisch sollte der Vergleich zwischen Supermärkten einfach sein. Ist er nicht. Und niemand erklärt vollständig, warum.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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