«Menschen ohne Seele lernen nicht»: Die Thesen des umstrittenen Videos

Ein Video behauptet, dass Menschen ohne Seele nicht aus ihrem Leiden lernen. Warum auch Systeme, die alles verschlingen, den Kurs nicht korrigieren

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

«Menschen ohne Seele lernen nicht»: Die Thesen des umstrittenen Videos
«Menschen ohne Seele lernen nicht»: Das Leid, das nichts lehrt

Nach dem Bericht eines Beteiligten holen am kältesten Tag des Jahres die Monteure des Stromkonzerns den Zähler ab, durchtrennen die Kabel und annullieren nebenbei auch noch den Vertrag. Der Betroffene erzählt das nicht als Strafe: Er sagt, man habe ihn davon befreit, diesen Konzern weiter zu finanzieren. Die Szene fasst das Video zusammen, das die Gespräche aufgemischt hat: Lobo Estepario - La gente SIN ALMA no aprende („Der Steppenwolf – Menschen OHNE SEELE lernen nicht“), ein Stück, das behauptet, wer keine Seele habe, lerne nicht aus dem Leiden, werde dadurch nur schlechter und ziehe keinerlei Lehre aus dem Karma.

Die These des Videos: Das Karma, das niemanden korrigiert

Das Argument ist eine Variante der alten Debatte darüber, ob Schmerz bildet. Die These: Es gibt Menschen, die nicht lernen – nicht aus Mangel an Erfahrung, sondern an Seele; das Leiden bessert sie nicht, es macht sie härter. Daraus folgt, dass das Karma bei denen, die keine Lehren ziehen, nutzlos ist und dass der einzige Ausweg darin besteht, sich zu wappnen und an den Fluss zu ziehen. Die schärfste Erwiderung lässt nicht lange auf sich warten: Das sei keine Rebellion, sondern dieselbe alte Geschichte – die eigenen Leiden bearbeiten und den Nächsten verachten, um nicht in den eigenen Nabel schauen zu müssen.

Dass die Mehrheit schluckt und nicht lernt, ist keine Offenbarung. Es ist Biologie und Brot auf dem Tisch. Umstritten ist die Ursache: Ein Teil des Gesprächs spricht von entwickelten, sensiblen und empathischen Seelen gegenüber jungen, kurzsichtigen und egoistischen Seelen. Diese Einteilung hält keiner Datenprüfung stand, erklärt aber, warum das Video so viele fesselt.

Irrt sich das System – oder wählt es richtig für sich?

Der Sprung von der individuellen auf die politische Ebene ist der Punkt, an dem das Argument bröckelt. Wenn immer wieder behauptet wird, alle Regierungen hätten den falschen Weg gewählt, lautet die Antwort wie ein Skalpell: Wenn ein System alles auf Kosten von allem verschlingt, dann hat es sich nicht geirrt, sondern richtig für sich gewählt. Es ist ein Unterschied, ob sich ein System den Boden unter den Füßen auffrisst, um seinen Anteil zu halten, oder ob es einen Abrissplan hat. Wer verschlingt, will das Brachland nicht: Er will verschlingen.

Die Analogie mit dem Parasiten beschließt die Überlegung. Er tötet den Wirt und stirbt mit ihm, aber niemand würde behaupten, er habe ein Vernichtungsprojekt: Er hat schlicht keine Bremse. Sich des Schadens bewusst, ja. Niemand schließt ein Krankenhaus in einer Region in dem Glauben, etwas Gutes zu tun. Aber bewusst ist nicht dasselbe wie beabsichtigt: Der Raucher wusste, was kommt, und rauchte weiter; er wollte den Krebs nicht, er wollte die Zigarette.

Listen, Pegasus und der Unterschied zwischen einer Akte und einer Verfolgung

Der rauste Abschnitt betrifft die Überwachung. Nach dem Bericht, der in dem Gespräch aufgegriffen wird, trug eine mexikanische Anwältin ihre Klage wegen organisierten Mobbing auf den Zócalo und stieß auf Listen der Marine mit mehr als 13.000 einzelnen Zielpersonen: Leben ruinieren, in den Suizid treiben, in die Psychiatrie oder ins Gefängnis bringen und Eigentum wegnehmen. Der Einwand ist direkt: Eine Liste ist keine Kampagne, sie ist eine Akte. Dass es Datenbanken mit Tausenden erfassten Namen gibt, bestreitet niemand; Geheimdienste, Staatsanwaltschaften und Armeen führen seit Jahrzehnten Akten über Journalisten und Aktivisten.

In Mexiko befinden sich der Pegasus-Fall und die Ausspähung der Journalistin Carmen Aristegui in gerichtlichen Ermittlungsakten. Von dort bis zu der Behauptung, diese Listen seien ein operativer Plan für jede einzelne der 13.000 Personen, ist es ein weiter Weg, den die Anklage nicht abdeckt. Und die Anekdote über die Internetsperre eine Stunde vor der Veröffentlichung des Falls erklärt sich genauso wie alle anderen: Stündlich wird Tausenden die Verbindung gekappt, aus Gründen, die in keinem Drehbuch Platz finden.

No-till: Ohne Herbizid und ohne Land wird ebenfalls nichts gesät

Die Agrardebatte kommt voll zum Zug. Die No-till-Landwirtschaft nach Lehrbuch bewegt den Boden nicht und erhält Pflanzendecke, Reste und Kleingetier: Insekten und Gras sind der Motor des Systems. Das Problem ist nicht die Methode, sondern die Skala. Damit lässt sich ein Gemüsegarten oder ein kleines Dorf mit seinen Leuten und seiner Zeit versorgen; Millionen Menschen nicht zu Supermarktpreisen. Die industrielle Variante beginnt mit Glyphosat, und das Referenz-Herbizid stellt derselbe Konzern her, der angeblich zerstört werden muss. Und Land braucht man weiterhin. Eigenes oder gepachtetes. Wer keinen Handbreit Boden hat, sät auf keine Weise.

Aussteigen: Nicht wählen und die Leitung nicht registrieren

Die letzte Konsequenz ist der Rückzug. Ein Teilnehmer kündigt an, dass er den Wahlausweis mit biometrischen Daten nicht beantragen werde, nicht mehr wählen gehe und dass seine Telefonleitung im November abgeschaltet werde, weil er sie nicht registriert habe. Die Diagnose hält wenig stand: Ohne Karte existierst du nicht, eröffnest kein Konto, unterschreibst keinen Vertrag, bekommst kein Geld. Nicht zu wählen führt nicht aus dem System heraus – man bleibt nur von der Theke ausgeschlossen und zahlt trotzdem weiter die Runde. Wer sich zurückzieht, ohne etwas Alternatives aufzubauen, ist kein Dissident, er ist Mobiliar.

Übrig bleiben 13.000 Namen auf einer Liste, ein am kältesten Tag des Jahres abgeholter Stromzähler und keine einzige Zahl, die belegt, dass irgendjemand etwas gelernt hätte. Das Video behauptet, Menschen ohne Seele lernten nicht aus dem Leiden. Das Gespräch fügt den unbequemen Zusatz hinzu: Systeme, die sich den Boden unter den Füßen auffressen, ebenfalls nicht.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (85 Antworten).

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