Marokko-Boykott trifft spanische Industrie

Das Stellantis-Werk in Kenitra erreicht die Kapazität von Balaídos und befeuert einen Marokko-Boykott, der Ebro, Borges und Roca ins Visier nimmt. Bringt er etwas?

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Marokko-Boykott trifft spanische Industrie
Marokko-Boykott: Im Visier stehen spanische Firmen

Das Stellantis-Werk in Kenitra kann 535.000 Fahrzeuge pro Jahr produzieren, dasselbe Niveau wie Balaídos in Vigo, Spanien. Diese Zahl – und die Liste der Modelle, die von dort kommen: Dacia Sandero, Peugeot 208, Citroën Ami, Opel Rocks und Fiat Topolino – hat eine Kampagne entfacht, die zum Verzicht auf alles aufruft, was aus Marokko kommt. Das Problem zeigt sich beim Kleingedruckten: Die halbe Liste unterschreiben spanische Unternehmen oder in Spanien börsennotierte Firmen.

Ebro, Borges und Agroatlas: Die Genannten

Im Kern richtet sich der Boykott gegen Unternehmen mit Produktion im Nachbarland. Ebro Foods, Eigentümerin von SOS, Nomen und Brillante, betreibt die größte Reisfabrik Nordafrikas. Borges vertreibt Oliven, und Agroatlas gilt als Hauptlieferant von Frischgemüse für die großen Handelsketten. Die Parole ist leicht ausgesprochen und sehr unbequem umzusetzen: aufs Etikett schauen und alles Marokkanische liegen lassen.

Darin liegt der Haken: Die Aufschlüsselung, welche Firmen und Produkte tatsächlich auf der Liste stehen, macht die Kampagne für den einen oder anderen zum Problem.

Nicht mal die Toilette bleibt verschont

Der Feldzug hat auch eine häusliche Seite. Wer vor ein paar Wochen eine Roca-Toilette gekauft hat, findet sich auf seiner eigenen Liste wieder. Beim Auto ist der Widerspruch noch größer: Der Dacia Sandero, der Peugeot 208 und die Elektro-Kleinstwagen Citroën Ami und Fiat Topolino werden in Marokko montiert. Das Werk in Kenitra hat zudem gerade zwei Fiat-Modelle – den SUV Grizzly und das sportliche Crossover Fastback – auf der Smart-Car-Plattform vorgestellt. Eigenmarke, französisch oder spanisch: Der Herkunftsort verrät fast alle.

Etikett oder Straße: Der Boykott spaltet sich

Nicht alle vertrauen auf den Einkaufswagen als Waffe. Gegen den Verzichtsaufruf halten manche, dass ein Supermarkt-Boykott keinen einzigen Vorstand bewegt und der echte Druck auf der Straße ausgeübt wird. Das Gegenargument ist deutlich: Täglich fahren Hunderte oder Tausende marokkanische Lastwagen voll beladen durch Spanien. Konsumgeste gegen kollektiven Kraftakt. Beide Wege bleiben offen.

Ändert ein Einkaufswagen etwas an einer Industriekarte, die seit einem Jahrzehnt neu gezeichnet wird?

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (20 Antworten).

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