Marisa Paredes stirbt mit 78 Jahren und spaltet die Debatte um Straßenbenennungen
Sterben befreit nicht von Rechenschaft. Die Schauspielerin Marisa Paredes ist im Alter von 78 Jahren verstorben. Der Nachruf dauerte kürzer als eine Nachrichtensendung: Innerhalb weniger Stunden verschob sich das Gespräch vom Kino auf die Straßennamen, von der Filmografie auf Subventionen und von der Trauer auf die politische Farbe. Die Nachricht wurde im Dezember 2024 bekannt, und die Reaktion folgte einem erkennbaren Muster: Wenn ein Name verschwindet, der mit der Linken verbunden ist, wird das Beileid zur Prüfung.
Kaum jemand diskutierte ihr Handwerk. Diskutiert wurde, was man mit ihrem Andenken tun soll. Paredes, die dem filmischen Clan von Pedro Almodóvar und linken Positionen zugeordnet wurde, wurde zum Mittelpunkt eines Streits, der längst nicht mehr nur sie betraf. Ihr Tod wurde als plötzlich beschrieben, ohne dass die Ursache je konkretisiert wurde.
Von der Straße nach Atocha: Wer bekommt den Namen?
Die erste Schlacht war toponymischer Natur. Der am häufigsten wiederholte Vorschlag war, die Gran Vía in Madrid in Avenida Marisa Paredes umzubenennen; andere Stimmen neigten zur Plaza de España, und die Ambitionierten zur wichtigsten Bahnhof des Landes. Das immer wieder zitierte Vorbild war die Schriftstellerin Almudena Grandes, deren Name bereits im Bahnhof Atocha steht.
Das ist der Auslöser: Wenn eine Autorin, die ein Teil des Publikums für mittelmäßig hält, eine Plakette im wichtigsten Eisenbahnknotenpunkt hat, warum dann nicht eine Schauspielerin mit langer Karriere? Die Frage wurde ohne Antwort gestellt.
Dem gegenüber stand das Argument des Protokolls. Wer eine autonome Gemeinschaft führt, hat institutionelle Pflichten, die unabhängig davon sind, ob der Geehrte beliebt oder unbeliebt ist. Und neben dem Protokoll kam der Spott: Es gab Vorschläge, direkt eine Recyclinganlage nach ihr zu benennen. Die Ironie zielte diesmal in beide Richtungen.
Subventionen, Kinokassen und der fehlende Nobelpreis
Hier verließ die Diskussion das Kino und ging in die Kasse. Paredes wurde vorgeworfen, in einem einzigen Interview sowohl Steuersenkungen für die Filmindustrie als auch höhere Steuern für alle anderen gefordert zu haben – eine Zusammenfassung dessen, was ein Teil des Publikums die subventionierte kulturelle Kaste nennt. Der Einwand ist nicht neu: Die Branche lebt zu großen Teilen von öffentlichen Geldern, was sie zum wiederkehrenden Ziel macht.
Das am häufigsten wiederholte Argument war das der Nobelpreise. Die beiden letzten Literatur-Nobelpreisträger in spanischer Sprache, Camilo José Cela und Mario Vargas Llosa, stehen im konservativen Lager, während die spanische Linke, so dieser Erzählung zufolge, keinen hervorgebracht hätte. Der Vergleich ist so alt wie umstritten – der Preis belohnt ein Werk, keine Parteimitgliedschaft –, aber er funktioniert als Abkürzung.
Auf der anderen Seite antwortete man mit einer Pointe: Die Leute aus der Kultur hätten Sensibilität und wählten deshalb links, während es rechts nur Toreros, Schlagersängerinnen und einen Streamer gebe. Zwei Arten, dasselbe zu sagen: Dass die politische Landkarte der Branche klar verteilt sei.
Der Vorwurf an jene, die gut leben und Umverteilung predigen
Eine weitere Linie bestand auf dem doppelten wirtschaftlichen Maßstab. Es wird behauptet, dass diejenigen, die für die Verteilung des Reichtums eintreten, erhebliche Vermögen ansammeln und in ihrem eigenen Leben das Gegenteilige Prinzip anwenden. Die Formel, die diesen Vorwurf zusammenfasst, kursierte mit bitterem Unterton: Mein Besitz ist mein und unantastbar, aber deiner gehört allen und muss geteilt werden. Das Etikett des wohlhabenden Linken, in häuslicher Version.
In dieselbe Richtung wurde behauptet, dass die antifranquistische Linke während der Diktatur besser gelebt habe als die Regimetreuen. Dies ist eine These, die mehr mit Epik als mit Archiven lanciert wird und bestenfalls eine städtische, gut situierte Minderheit beschreibt, nicht einen ganzen Block. Sie dient jedoch dazu, die Märtyrer-Erzählung zu entkräften.
Die Toten, die nicht in den Zeitungen stehen
Der unbequemste Gegenpunkt kam von unten. Wenn das Land Schlagzeilen einem konkreten Todesfall widmet, wo bleiben dann die anderen? In der Unterhaltung wurden drei anonyme Fälle aufgezählt: Paco, der 33 Jahre als Bauarbeiter arbeitete und zwei Jahre nach seiner Pensionierung an einem Herzinfarkt starb; Marisa, die 30 Jahre im Einzelhandel verbrachte, bevor sie vorzeitig in den Ruhestand ging, um ihre Eltern zu pflegen; und Manuel, 25 Jahre früh aufstand, um Lebensmittel in Supermärkte zu fahren. Keiner hatte eine Aufbahrungshalle oder eine Straße nach ihm benannt.
Das Argument ist kein Wettbewerb um Trauer, sondern eine Frage nach dem Kriterium: Was macht ein Leben würdig, öffentlich anerkannt zu werden, und ein anderes nicht? Diejenigen, die dies ansprachen, forderten nicht, Ehrungen zurückzunehmen, sondern zu erklären, warum sie nur wenigen gewährt werden. Die Berechnung der Beitragsjahre, Fall für Fall aufgeschlüsselt, hinterlässt eine Differenz, die mehr Unbehagen verursacht, als es scheint.
Und mitten in all dem schwebt der grundlegende Verdacht: Dass der Name einer Schauspielerin dient, um Ideologien zu messen, sagt viel über das Land aus, und zwar nicht Gutes.
Angesichts dieser Vorgeschichte ist es vernünftig, darauf zu wetten, dass irgendeine Verwaltung früher oder später handeln wird, wenn auch nur aus wahltaktischen Gründen. Ebenso vernünftig ist es, das Gegenteil zu erwarten: Dass die Sache abkühlt und kein einziger Platz umbenannt wird. Wenn Ersteres passiert, wird sich der Streit beim nächsten Namen wiederholen; wenn Letzteres passiert, bleibt der Vorwurf, dass Anerkennung nie rechtzeitig kommt.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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