Warum Krankenschwestern mit weniger Studium fast so viel verdienen wie Ärztinnen
Krankenschwestern in Spanien verdienen nur 4.000 Euro brutto weniger pro Jahr als Ärzte – bei zwei Jahren weniger Studienzeit. Noch deutlicher wird der Abstand im Vergleich zu Ingenieuren, Zahnärzten und Physiotherapeuten, die sie laut Daten der Sozialversicherung bei den Einkommen übertreffen. Die Nachricht, dass ein dreijähriger Diplomabschluss – oder ein vierjähriger Bachelor – in die zweite Gehaltsstufe des Hochschulsystems rücken kann, hat die Debatte über den echten Nutzen eines Studiums neu entfacht.
Die Zahlen, die den Mythos der Ingenieursstudiengänge entkräften
Laut den Daten zur Beschäftigungsquote belegen Ärzte und Krankenschwestern die ersten beiden Plätze. Krankenschwestern, deren Abschluss manche wegen des hohen Praxisanteils als „überhöhte Berufsausbildung" bezeichnen, erreichen Bruttojahresgehälter von 35.000 bis 45.000 Euro – inklusive Schichten, Bereitschaftsdiensten und Zulagen. Ein konkretes Beispiel: Eine 50-jährige Krankenschwester mit einem monatlichen 12-Stunden-Bereitschaftsdienst kommt auf 40.000 Euro netto. Der Vergleich mit den Ärzten liegt nahe: Ein Arzt braucht neun Jahre (Studium plus MIR, die spanische Reaccionariorztausbildung, bis zum dritten Jahr), um gleich viel zu verdienen. Die Rendite eines Pflege Studiums ist mit Abstand die schnellste im System.
Aber wie lange hält der Goldesel?
Nicht alles ist rosig. Wer ein düstereres Szenario zeichnet, weist darauf hin, dass das Angebot an Pflegekräften unkontrolliert wächst: Private Hochschulen spucken Abschlüsse „wie am Fließband" aus, und die Anerkennung südamerikanischer Diplome nimmt rasant zu. Die Massenrenten im öffentlichen Gesundheitswesen stützen die Nachfrage derzeit noch, doch eine Wirtschaftskrise – die manche für unmittelbar bevorstehend halten – würde die Kürzungen auslösen. Das Beispiel von Physiotherapie und Zahnmedizin, einst angesagte Studiengänge, die heute unter Übersättigung und prekären Bedingungen leiden, dient als Warnung. Das Berufsleben einer Krankenschwester kann zudem ein Chaos aus Vertretungen und rotierenden Dienstplänen sein – mit wenig Spielraum für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
Das Dilemma ist präsentiert: Die einen sehen in der Pflege ein Schnäppchen mit sofortiger Rendite, die anderen eine Blase kurz vor dem Platzen. Die heutigen Daten zählen, aber die Zukunft hängt davon ab, wie lange die öffentliche Nachfrage hält.
Verwandte Diskussionen im Forum