Quino mit 88 gestorben: Mafalda und ideologische Debatte

Quinos Tod im Alter von 88 Jahren entfacht erneut die Diskussion über Mafalda als feministisches Symbol oder Instrument der Indoktrination.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Quino, Mafalda und der Verdacht der Indoktrination

Der argentinische Zeichner Quino starb im Alter von 88 Jahren. In den Nachrufen herrschte Einigkeit: Er hatte Mafalda erschaffen, das Mädchen, das die halbe spanischsprachige Welt zum Nachdenken brachte. Doch inmitten der Trauer setzte sich eine unbequeme Lesart durch. Der Verdacht, dass dieses schwarzhaarige Kind keine liebenswerte Figur war, sondern ein Vehikel für Ideen. Dort begann der Streit.

Quino, Mafalda und der nach dem Tod des Künstlers ausgebrochene Konflikt

Angesichts des Chors aus Lobpreisungen tauchte eine Minderheitsthese auf, die sehr hart urteilte: Mafalda sei verkleideter Kulturbolschewismus in Form eines Comics. Manche beschrieben sie als „Humor, damit sich Linke intelligent fühlen“, andere verglichen sie mit einer argentinischen Version einer jugendlichen Aktivistin. Wiederum andere sahen in ihr die Mutter aller Feministinnen, den Samen, der Leserinnen bereits mit zwölf Jahren in den Aktivismus führte.

Das bleibt nicht bei einer Anekdote. Der eigentliche Vorwurf lautet, dass das Mädchen als Indoktrinationsinstrument für jene diente, die kein Buch lesen, sondern nur den Cartoon zur Kenntnis nehmen. Ein Leser formulierte es unverblümt: Mafalda sei nichts anderes gewesen als eine Methode, Analphabeten im Marxismus zu schulen.

Warum wird Mafalda vorgeworfen, durch Cartoons zu indoktrinieren?

Das Argument stützt sich auf Archetypen. Susanita verkörperte das Bürgertum, das Kaffee trinkt und soziale Werke unterstützt, während Mafalda davon träumte, einen Beruf zu ergreifen, um „nicht mittelmäßig“ zu sein wie die Mütter in ihrer Umgebung. Daraus entstand die Lesart, dass Mütter ohne Karriere als mittelmäßig dargestellt wurden, was vielen eher als Klassenurteil denn als kindlicher Witz erschien.

Die Kulturrpresse trieb diese Deutung voran. Eine Auswahl mit dem Titel „Mafalda, 50 Jahre Feminismus in 18 Cartoons“ festigte die Idee, dass das Mädchen ein Gender-Icon sei. Dem hält man skeptisch entgegen: Würde Mafalda heute gezeichnet, mit dem gleichen rebellischen Geist, wäre sie eine Frau, die an der traditionellen Familie festhält, und Susanita eine unerträgliche Feministin. Jede Zeit hat ihre Figuren.

Manolitos Lob: Die Aufwertung des einzigen Arbeiters

Zwischen all diesen Kämpfen tauchte ein unerwarteter Gegenpunkt auf, verfasst von Carlos Rodríguez Braun und datiert auf den 05/10/2020. Seine These: Quinos Tod löste Lobeshymnen auf Mafalda aus, aber nicht auf Manolito, dem man Grobheit, Ehrgeiz, Materialismus und wilden Kapitalismus zuschreibt. Dabei ist er der Einzige, der arbeitet, und der Einzige, der als Sohn eines armen Einwanderers gilt, der sich hochgearbeitet hat. Die Schlussfolgerung lag auf der Hand: Eliten verachten die bescheidenste Figur.

Juan Giménez, der fast vergessene Gegenpol

Ein weiterer argentinischer Name kam ins Gespräch: Juan Giménez, ebenfalls Zeichner, ebenfalls Genie, gestorben im April, Monate vor Quino. Der Vergleich war brutal: Das Verhältnis zwischen beiden war wie Wagner zu Bisbal. Was bei Quino Leichtigkeit und Freundlichkeit war, war bei Giménez Schwierigkeit und fruchtbares Unbehagen. Die offene Frage blieb: Warum erhielt der eine ein mediales Begräbnis, der andere Schweigen?

Lässt sich ein Comic der Siebziger mit heutigen Augen bewerten?

Hier wird der Streit philosophisch. Es wird argumentiert, dass kein Comic dieser Analyse standhält: Onkel Dagobert war ein Geizhals, Captain Thunder ein Chauvinist, Timtin etwas anderes und Mortadelo & Filemón ebenso. Andere behaupten das Gegenteil: Das Problem liegt nicht beim Zeichner, sondern bei der Gesellschaft, die den Künstler von damals nun als ihren eigenen Feind betrachtet. Die differenzierteste Sichtweise erinnert daran, dass Mafalda der Vergangenheit angehört und zu ihrer Zeit politisch inkorrekt war.

Als Zugabe driftete die Diskussion ab bis zum Guernica, mit Theorien über Stier und Torero, die ohne Primärquellen blieben. Niemand dokumentierte irgendetwas.



Eine Tatsache bleibt verwirrend. Laut einer der häufigsten Lesarten hat Quino selbst die politischsten Strips aus seinen Anthologien entfernt. Der Mann, dem man Indoktrination vorwirft, hätte sein eigenes Werk im Laufe der Zeit zensiert. Niemand hat gezählt, wie viele Cartoons dabei verloren gingen.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (376 Antworten).

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