Mann in Spanien lebt seit 10 Jahren isoliert mit 560 € Rente

Ein 31-jähriger Mann in Málaga, Spanien, hat sein Zimmer seit einem Jahrzehnt nicht verlassen und lebt nur von einer Witwerrente und steigenden Stromkosten.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Zehn Jahre in einem Zimmer in Málaga mit 560 € im Monat

Wie viel kostet es, zu verschwinden? In Málaga: 560 €. Das ist die Witwerrente (eine Hinterbliebenenrente), von der eine Mutter und ihr 31-jähriger Sohn seit 2020 leben, wie sie La Opinión de Málaga berichtete und Antena 3 aufgriff. Der junge Mann hat sein Zimmer seit fast einem Jahrzehnt nicht verlassen: Er spielt Konsole, schaut Serien und verlässt den Raum nur zum Essen und Duschen. Er schläft, wann immer es das Spiel zulässt, „mal steht er um 10 Uhr morgens auf, mal um 15 Uhr“, erzählte seine Mutter. Das Essen wird für vier Tage im Voraus gekocht, und abends gibt es keine warme Mahlzeit.

Der Ursprung ist bekannt. Er studierte Betriebswirtschaft an der Universität von Málaga, als die ersten Fehlversuche kamen, gefolgt von einer Knieverletzung und einer einmonatigen ärztlich verordneten Ruhepause. Von dort aus folgte der Rückzug. Er hörte auf, auf Nachrichten zu antworten, brach soziale Kontakte ab und hat sich sogar aus Angst vor Ansteckung nicht gegen das Cobi19 impfen lassen. Das Muster ist nicht selten: Isolation beginnt fast nie als Entscheidung, sondern als Pause.

Was ist ein Hikikomori und warum der spanische Fall nicht japanisch ist

Der japanische Begriff bezeichnet jemanden, der sich monate- oder jahrelang aus dem sozialen Leben zurückzieht. In Japan spricht man von etwa 1.000.000 Menschen in dieser Situation, nach einer im Internet kursierenden Schätzung – eine Zahl, die das Phänomen zu einem strukturellen Problem statt zu einer klinischen Seltenheit macht. In Spanien gibt es keine offizielle Kategorie oder Registrierung, aber das Muster wiederholt sich: Gehälter, die keine Miete decken, Drei-Monats-Verträge, die Scham, mit 30 Erklärungen abgeben zu müssen, und ein Zimmer im Elternhaus mit 20-Euro-Internet.

Einige behaupten, der Rückzug sei eine rationale Entscheidung angesichts eines Arbeitsmarktes, der nichts bietet. Die Gegenseite argumentiert, dass die Normalisierung von zehn Jahren Isolation darin besteht, Ursache und Entschuldigung zu verwechseln. Ein Fakt erschüttert beide Seiten: Langanhaltende soziale Isolation wird mit einer erhöhten Sterblichkeit in Verbindung gebracht, laut der Holt-Lunstad-Metaanalyse, veröffentlicht in Perspectives on Psychological Science im Jahr 2015, mit 70 prospektiven Studien und 3.407.134 analysierten Personen. Die Odds Ratio liegt bei 1,29 für soziale Isolation, 1,26 für Einsamkeit und 1,32 für das Alleinleben. Das bedeutet eine um 29 %, 26 % bzw. 32 % höhere Wahrscheinlichkeit, während des Beobachtungszeitraums zu sterben, nicht unbedingt, schneller zu sterben.

Die Rente, das IMV und die Stromrechnung

Die wirtschaftlichen Details verdienen Präzision, da sie falsch dargestellt wurden. Das Ingreso Mínimo Vital (IMV, ein staatliches Mindesteinkommen) wurde durch das Königliche Dekret-Gesetz 20/2020 vom 29. Mai geschaffen. Als diese Frau ihre Situation beschrieb, existierte das IMV bereits seit einundzwanzig Monaten. Es war nicht so, dass eine neue Hilfe sie rettete: Die Hilfe war bereits da, und die Familie kochte trotzdem weiterhin für vier Tage im Voraus und hatte kein warmes Abendessen. Die unangenehme Frage ist nicht, wie viel der Staat zahlt, sondern warum 560 € Witwerrente plus ein Zusatz nicht für zwei Personen ausreichen.

Die Stromrechnung ist das andere Loch. Eine Konsole, die den ganzen Tag läuft, Serien in Dauerschleife und ein Zimmer, das nie ausgeschaltet wird, verursachen Fixkosten, die einen massiven Prozentsatz einer 560 € Rente verschlingen. Der ständige Verbrauch ist kein Laster: Er ist die Infrastruktur der Isolation.

Die gesellschaftliche Reaktion: zwischen Neid und Diagnose

Die Reaktion, die dieser Fall in Foren und sozialen Netzwerken auslöste, war aufschlussreich. Ein Teil las es als Sieg: kein Chef, keine unerträglichen Kollegen, keine Hypothek, kein belastender Partner. „Wie in ein Kloster zurückziehen, nur mit Videospielen“, fasste ein Kommentar zusammen. Andere nannten es direkt einen Triumph. Diese Lesart sagt mehr über den spanischen Arbeitsmarkt aus als über den jungen Mann aus Málaga.

Dem gegenüber steht die klinische Sicht: Es gibt eine nicht verarbeitete Trauer (der Vater starb 2020), eine Verletzung, die die Routine unterbrach, und eine Pandemie, die die Tür von außen schloss. Es gibt Stimmen, die behaupten, dass Fälle von lang anhaltender Isolation meist mit schwerem körperlichem Verfall enden: Gewichtszunahme, Blässe, Verlust sozialer Fähigkeiten. Es gibt keine Abkürzung.

Was passiert, wenn die Rente endet

Das Problem hat ein Verfallsdatum. Die Witwerrente stützt die Struktur, aber die Unterstützung ist an ein Alter gebunden. Wenn sie wegfällt, wird der Mann über 50 Jahre alt sein, ohne aktuelle Arbeitserfahrung, ohne soziales Netzwerk und ohne Erfahrung in einem autonomen Leben. Das ist das Szenario, das niemand laut berechnen will und das den Einzelfall in eine Frage der öffentlichen Politik verwandelt.

In der Zwischenzeit bleibt der junge Mann in seinem Zimmer. Er kommt heraus, um zu essen und zu duschen. Die Mutter kocht weiterhin für vier Tage im Voraus. Und das Land diskutiert weiter, ob das eine Tragödie oder eine Strategie ist.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (101 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver