Mamen Mendizábal: Spiegel-Selfie sorgt in Spanien für Online-Streit
Ein Selfie vor dem Spiegel. Eine bekannte Journalistin. Und ein ganzes Land diskutiert, ob das normal, abnormal oder schlicht eine Provokation ist. Das Foto von Mamen Mendizábal, in den sozialen Medien veröffentlicht, hat binnen Stunden eine Debatte ausgelöst, die weit über das Bild hinausgeht: Es geht um den Körper, das Alter, Schönheits-OPs, digitale Selbstdarstellung und jene zeitgenössische Angewohnheit, über den Körper anderer zu urteilen, als wäre er öffentliches Eigentum. Das Ergebnis ist ein Schlagabtausch, der Hyaluron, Wechseljahre und Theorien darüber mischt, ob die Betreffende einen Krieg sucht oder einfach nur ein Foto hochgeladen hat.
Was genau an Mendizábals Foto diskutiert wird
Das Bild zeigt die Journalistin vor einem Spiegel, in dem, was sie selbst offenbar als Alltagsfoto geteilt hat. Von da an spalten sich die Reaktionen in drei Lager. Das erste betrifft den Körper: Es wird behauptet, sie habe abgenommen und sich Hyaluron in die Lippen spritzen lassen. Das zweite das Alter: Sie wird als Frau beschrieben, die „die Wechseljahre noch nicht einmal erreicht hat", und über ihre Fähigkeit, Kinder zu bekommen, wird spekuliert. Das dritte, das unbequemste: die Frage, ob ein Spiegel-Selfie und seine Veröffentlichung überhaupt legitim sind.
Manche halten das Foto für völlig normal und sagen, die Empörten seien genau dieselben Leute, die sich täglich selbst fotografieren, ohne dass jemand etwas sagt. Auf der anderen Seite stehen jene, die finden, dass dort etwas Ungeheuerliches normalisiert wurde und dass schon allein ein Spiegel-Selfie viel über eine Person verrät. Die Debatte, so viel ist klar, geht nicht um Mendizábal. Sie geht um uns alle.
Der schmutzige Spiegel und andere Heimfronten
Unter den häufigsten Kommentaren taucht ein Detail auf, das mit der Protagonistin nichts zu tun hat: Der Spiegel ist schmutzig. „Voll verdreckt", heißt es sogar. Es ist die Art von Bemerkung, die jede Debatte über das öffentliche Bild zu einer Inspektion der Wohnung anderer macht. Und sie funktioniert wie ein Thermometer: Wenn das Hauptargument die Sauberkeit des Spiegels ist, ist klar, dass die Sache längst aufgehört hat, ernst zu sein.
Danach kippt das Gespräch in Richtung Aussehen, mit einer Derbheit, die nahe an der Beleidigung liegt. Sie wird im Kontext des Fernsehens als „alte Kuh" bezeichnet – in einer Branche, in der nach dieser Logik ältere Frauen angeblich nicht eingestellt werden. Das ist der hässlichste Teil der Angelegenheit: der Teil, der aus einem Foto ein Urteil über den beruflichen Wert einer Frau macht – auf Basis von Alter und Körper.
OPs, Mimik und die Angewohnheit, vom Sofa aus zu diagnostizieren
Eine weitere Kommentarlinie dreht sich um Schönheits-OPs. Es wird behauptet, sie habe sich nachhelfen lassen, und spekuliert, ob das ihren Gesichtsausdruck beim Sprechen verändert habe. Eine Teilnehmerin, die sich als nicht lesbische Frau zu erkennen gibt, behauptet, Mendizábal mache beim Sprechen immer ein Gesicht, als würde sie „etwas Scheußliches riechen". Das ist eine Meinung, kein Fakt, und sollte auch so gelesen werden.
Auffällig ist, wie mühelos von einem Foto zu einer medizinischen Diagnose, einer ästhetischen Bewertung und einem Urteil über die Persönlichkeit übergegangen wird. Alles im selben Absatz. Das Foto dient nur als Vorwand; der eigentliche Inhalt ist das Bedürfnis, sich ungefiltert über den Körper einer öffentlichen Frau zu äußern.
Das Selfie als Symptom: Was sagt es über uns aus?
Die interessanteste Debatte – und die, die sich am wenigsten klären lässt – ist die Frage, warum überhaupt jemand ein Spiegel-Selfie macht und ins Internet stellt. Manche sehen darin eine normalisierte, ja gesunde Praxis. Andere halten es für ein Symptom einer Gesellschaft, die Scham und Urteilsvermögen verloren hat. „Hast du nie ein Selfie vor dem Spiegel gemacht?", fragt einer. „Und ins Internet gestellt? Nein, nie", antwortet ein anderer.
Da liegt der Knackpunkt. Ein Konsens ist unmöglich, weil nicht über dasselbe gestritten wird: Die einen reden über ein konkretes Foto, die anderen über eine ganze kulturelle Praxis. Unterdessen bleibt die Protagonistin der Vorwand für ein Gespräch, das – so viel zeigen die Kommentare – nicht enden wird.
Eine Prognose, mit allen nur denkbaren Vorbehalten: Das nächste Selfie einer Person des öffentlichen Lebens wird genau denselben Zirkus auslösen. Und wir werden wieder über den Spiegel, die Lippen und das Alter reden. Nie über das, was wirklich zählt.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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