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Dimash Kudaibergen: Von der sechsten Oktave zum Madison Square Garden
Der kasachische Sänger Dimash Kudaibergen wechselt ohne Bruch von Bariton zu Sopran. Ausverkaufte Shows in New York und Mexiko begleiten Diskussionen über Live-Gesang.
Vom Bariton zum Sopran ohne Bruch: Das Phänomen Dimash
Der Kasache Dimash Kudaibergen wechselt seine Stimmlage, als würde er Knöpfe drücken: Er springt im selben Takt vom Bariton zum Sopran, ohne dass die Tonhöhe wankt. Das ist der Kern des Ganzen. Aufgewachsen in einer Musikerfamilie – seine Eltern gehören zur Nationaloper Astana –, entdeckte er mit fünf Jahren, dass das Klavier im Wohnzimmer verstimmt war, und zeigte auf die falschen Tasten: absolutes Gehör. Mit acht gewann er bereits nationale Wettbewerbe für Klavier und Gesang. Mit 30 Jahren steht sein Name auf Plakaten wie dem des Madison Square Garden.
Wer ist Dimash Kudaibergen?
Er ist Sänger, Komponist und Multiinstrumentalist, geboren in Kasachstan, dem riesigen Land zwischen Europa und Asien. Mit 24 Jahren triumphierte er bei einem Gesangswettbewerb, dessen Aufnahme heute von Toningenieuren weltweit studiert wird. Die Besonderheit liegt nicht nur in den hohen Lagen. Es gibt einen opernhaften Dimash, der sich sowohl in männlichen als auch weiblichen Registern bewegt; einen pop-rockigen und einen, der traditionelle Gesangsstile pflegt. In einigen Stücken verkörpert er sechs verschiedene Sängertypen – modernen Tenor, Bass, lyrischen Tenor, ethnischen Stil, Countertenor und Rocker – und meistert alle auf derselben Bühne.
Singt er live oder gibt es einen Trick?
Hier eskaliert die Debatte. Eine Strömung behauptet, er nutze Falsett und singe wahrscheinlich nicht live; darin liege das Geheimnis. Die andere Seite verweist auf A-cappella-Auftritte, technische Analysen seiner Stimme und Aufnahmen ohne vorbereiteten Sound, wie die Interpretation von SOS in einem Restaurant während der Filmfestspiele von Cannes 2017. Der Streit selbst drehte sich darum, was „Falsett“ genau bedeutet, ein Begriff mit mehreren Definitionen, die oft zu Verwirrung führen. Hinzu kommt das Argument der Projektion: In der Oper singt man ohne Mikrofon, und die Platzierung der Stimme folgt einer anderen akustischen Logik.
Von der dritten zur sechsten Oktave
In einem seiner oft wiederholten Stücke gleitet der Sänger von der dritten zur sechsten Oktave und macht in jedem Abschnitt, was er will: ein A5 im Belting-Stil, ein Brustton-C und ein Abschluss mit D6 im Staccato. Der Wechsel von Brust- zu Mischstimme und weiter zu Kopf- und Flageolett-Ton dauert Sekundenbruchteile, ohne Brüche oder Instabilität. Man vermutet, dass sein Vorteil aus einer ungewöhnlichen Elastizität und Dicke der Stimmbänder resultiert, sowie von der Rolle der Ventrikalbänder (den sogenannten falschen Stimmbändern). Er selbst hat erzählt, dass er als Kind schon leicht hohe Töne traf und die tiefen Lagen später entwickelte. Dieses Terrain gehört zum Countertenor-Bereich, aber das Register allein erklärt nicht seine Vielseitigkeit.
Auch der Vergleich mit anderen berühmten Namen ist kontrovers. Adam Lambert mit seiner raffinierten Mischstimme und der Countertenor Fagioli mit seiner Kompression und Agilität werden angeführt, um zu zeigen, dass dies kein Einzelfall sei. Die Antwort lautet stets gleich: Der kontinuierliche Sprung zwischen physiologisch entgegengesetzten Klangfarben, ohne die Intonation zu verlieren, ist etwas, das nirgendwo sonst zu finden ist.
Die andere Seite: Oberflächliche Musik
Nicht alle kaufen die Geschichte ab. Manche beschreiben seine Musik als rührselig und oberflächlich, eine Masche, die sich an die offensichtlichsten Emotionen des Hörers richtet, und vergleichen den Effekt mit bestimmten epischen Filmmusiken: billige Gefühle. Andere werfen ihm vor, solch technischen Aufwand für Frozen-Cover oder abgedroschene Steigerungen zu nutzen, auch wenn sie zugeben, dass er diese gut ausführt. Demgegenüber steht das Gefühl als Maßstab: Camarón, Michael Jackson und Dead Can Dance werden als Beispiele für authentisches Erzählen durch Gesang genannt, und man fragt, ob dieser Sänger mit dem Werk eines anderen leisten könnte, was jene mit ihrem eigenen tun. Geschmack, geben beide Seiten zu, ist diskutierbar. Technik auch nicht anders.
Vom Madison Square Garden nach Budapest
Wenn die Technik spaltet, dient der Kassenerfolg als Argument. Die Stranger-Tournee führte über New York mit einem Konzert im Madison Square Garden am 5. Oktober und über Mexiko, wo die Tickets binnen Minuten ausverkauft waren und ein zweiter Termin hinzukam. Danach folgten Barcelona – ein fast dreistündiges Konzert in Badalona –, London, Berlin und Ägypten mit einer Darbietung vor den Pyramiden. Der Tournee-Abschluss ist in Riga geplant. Für 2026 ist ein Konzert in Budapest am 18. April zusammen mit Plácido Domingo und dem Cellisten Hauser angekündigt: Es wäre die dritte Zusammenarbeit mit Domingo und die vierte mit Hauser.
Vor jedem Auftritt unterzieht sich der Sänger einem ungewöhnlichen Format: Pressekonferenzen mit Publikum, gemischte Sprachen in der Lobby und danach mehr als eine Stunde Autogramme und direkte Gespräche. Hinzu kommt Voice Beyond Horizon, ein internationaler Gesangswettbewerb, den er als Initiator, Executive Producer und Juryvorsitzender fördert, inspiriert von der Idee der Seidenstraße und uraufgeführt in Kooperation mit einem chinesischen Fernsehsender.
Mit diesen Voraussetzungen wäre es logisch, dass seine Popularität nach Ende der Tournee explodiert. Logisch und wahrscheinlich fallen jedoch nicht immer zusammen. Das gleiche Publikum, das Arenen füllt, umfasst auch einen Teil, der ihm nie verzeihen wird, dass seine Musik ihnen zu offensichtlich erscheint. Die Prognose, mit Vorbehalten: Er wird weiterhin große Hallen füllen, und der Streit darüber, ob dies Kunst oder Feuerwerk ist, bleibt offen.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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