Mailand: Krawalle und Plünderungen verletzen 104 Polizisten

Mailand beendet eine Nacht der Plünderungen mit 104 verletzten Polizisten und weniger als zehn Festnahmen. Debattiert wird, wer dahintersteckt und warum die Polizei nicht einschritt.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Mailand: Krawalle und Plünderungen verletzen 104 Polizisten
Mailand: 104 verletzte Polizisten und Plünderungen im Zentrum

Was passiert, wenn zweitausend Menschen in Schwarz durch die Via Torino zum Dom ziehen, einen Carrefour plündern und Schaufenster einschlagen? Genau das geschah in Mailand in einer Nacht der Krawalle, die das Bild vom geordneten Europa zerstört hat. Die offizielle Bilanz der italienischen Regierung: 104 verletzte Polizisten und 25 im Krankenhaus behandelte Personen, darunter zehn Beamte. Weniger als zehn Festnahmen. Laut den kursierenden Berichten galt die Lage erst als "unter Kontrolle", als es nichts mehr zu kontrollieren gab.

Was für Unmengen an Kommentaren gesorgt hat, sind nicht die Zahlen, sondern die Videos: ein Mann mit einem Schlagstock, der mehrere Plünderer in einem Under-Armour-Laden zu Boden bringt, die zerschlagenen Schaufenster des Juventus Store, Rauch und Feuerwerkskörper wenige Meter von der Kathedrale entfernt. Die urbane Guerilla hat das symbolische Herz Italiens erreicht – und mit ihr die Debatte darüber, wer dahintersteckt und wem sie nützt.

Wer steckt hinter den Krawallen in Mailand

In den sozialen Medien ist die Rede von Jugendlichen der zweiten und dritten Einwanderergeneration, viele von ihnen "gebräunt", wie ein Teil der Nutzer mit Häme zusammenfasst. Die meistgelesene Deutung: Es handelt sich um ein importiertes Phänomen nach Art der französischen Krawalle, und die internationalen Medien verschweigen es. Manche gehen weiter und behaupten, viele Teilnehmer seien tatsächlich Italiener und Lateinamerikaner, was die ethnische Lesart des Geschehens widerlegt. Das Einzige, was sich überprüfen lässt: Die meisten trugen Kapuzen, und laut einem der Teilnehmer richtete sich der Aufstand "gegen den Staat und die Politik".

Die Regierung von Giorgia Meloni steht in einem unangenehmen Licht da. Der häufigste Vorwurf lautet nicht, dass sie niemanden abschieben kann, sondern dass sie niemanden abschieben wird, weil die Rechte, so das Argument, die pro-immigrationste Ideologie überhaupt sei: Sie verteidige das Kapital und den Liberalismus, die Motoren des Phänomens. Meloni, so heißt es, sei "die Verräterin", die die Gewalttäter "bambinos" nennt.

Das politische Geschäft mit der Unsicherheit

An dieser Stelle wird die Analyse Verschwörungstheoretisch, und das soll man sagen: Manche sehen einen Plan der Eliten, Gewalt zu importieren, Angst zu erzeugen und die dystopische Technokratie als Lösung zu verkaufen. Soziale Kontrolle, CBDC, Massenüberwachung, 15-Minuten-Städte. Für eine solche Koordination gibt es keinerlei Beweise, aber die These zirkuliert mit Nachdruck, weil sie zum Misstrauen gegenüber der offiziellen Erzählung passt.

Down-to-earth ist die These, dass sich ein Muster wiederholt: erst Barcelona, dann Frankreich, jetzt Mailand. In allen Fällen reagieren die Behörden erst, wenn der Handel getroffen wird. Geld regiert. Die Plünderung der Geschäfte am Passeig de Gràcia war es, die die Protokolle in Katalonien auslöste – nicht die brennenden Müllcontainer. Die Frage, die in der Luft liegt: Ist das ein spontanes Phänomen oder etwas, das von irgendwoher aktiviert wird?

Die wirtschaftlichen Kosten der Plünderungen

Abgesehen vom Feuer hat die Sache eine wirtschaftliche Dimension, die in diesem Forum interessiert. Die Geschäfte im Zentrum von Mailand – Carrefour, Under Armour, Juventus Store – sind Franchises und Ketten, die die Verluste über die Versicherung abfedern. Der kleine Handel in der Umgebung nicht. Jede Nacht der Krawalle bedeutet Schließungen, weniger Tourismus und höhere Polizeikosten. Parallel dazu die Debatte über die Migrationsbilanz: Angeführt wird, dass von 26,5 Migranten pro tausend Einwohnern, die einreisen, die tatsächliche Nettozahl weniger als die Hälfte beträgt, weil viele weiter nach Deutschland oder Frankreich ziehen. Wer bleibt, so heißt es, landet im Mindestlohnsegment und in der Schattenwirtschaft.

Was zu tun ist: Schlagstöcke, Abschiebungen oder nichts

Die Rezepte reichen vom Extrem bis zur Resignation. Manche fordern, die Polizei solle scharf schießen wie bei den Unruhen in Los Angeles 1992, als koreanische Ladenbesitzer ihre Geschäfte mit Waffen verteidigten. Andere weisen darauf hin, dass die Polizei weder Tränengas noch Wasserwerfer einsetzt, weil jemand über der italienischen Regierung – und über Macron – ein Nein gesagt hat. Und die Skeptischsten warnen: Das hier ist nicht Mailand. In Spanien wird es unter der aktuellen Regierung keine Plünderungen geben – so sagt man es jedenfalls.

Die Szene des Mannes mit dem Schlagstock, der einen Laden mit bloßen Händen verteidigt, ist zum Bild der Nacht geworden. Ein einzelner Mann, ein Schlagstock und mehrere Plünderer am Boden. Die Frage ist nicht, ob es wieder passieren wird. Sondern wie lange es dauert, bis es in der nächsten europäischen Hauptstadt passiert.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (96 Antworten).

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