Maestre aus Madrider Stadtrat wegen Nazi-Vergleich geworfen

Der Präsident des Madrider Stadtrats wirft Rita Maestre wegen der Bezeichnung von Vox-Anhängern als Nazis raus. Debatte über doppelte Standards bei Ortega Smith.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Maestre aus Madrider Stadtrat wegen Nazi-Vergleich geworfen
Maestre aus Madrider Stadtrat wegen Nancy-Vergleich geworfen

Borja Fanjul, der Präsident des Plenums des Madrider Stadtrats (Ayuntamiento de Madrid), hat die Stadträtin Rita Maestre ausgeschlossen, nachdem sie das Wort ergriffen hatte, ohne dass ihr dies nach einer nicht genehmigten Rede von José Luis Martínez-Almeida erlaubt worden war. Der Auslöser war ihre Verwendung des Begriffs „Nancy“ für Teilnehmer an Demonstrationen, die von Vox und der PP in der Straße Ferraz organisiert wurden. Die Entscheidung des Plenumspräsidenten hat die Debatte über einen doppelten Maßstab bei der Anwendung der Geschäftsordnung neu entfacht: Es wird argumentiert, dass gegen Ortega Smith nach dessen körperlicher Auseinandersetzung mit Eduardo Rubiño nicht mit derselben Härte vorgegangen wurde.

Der angeprangerte doppelte Maßstab

Die Kontroverse basiert auf einem konkreten Vergleich. Auf der einen Seite steht der Ausschluss von Rita Maestre wegen eines einzelnen Wortes. Auf der anderen Seite fehlt ein Ausschluss von Ortega Smith trotz seiner physischen Konfrontation mit Eduardo Rubiño. Dieser Kontrast nährt die These vom doppelten Maßstab: Gegner dürfen als „Terroristen“ oder „HaMas Madrid“ bezeichnet werden, aber nicht als „Nancy“.

Manche vertreten die Ansicht, dass das Problem nicht die Geschäftsordnung ist, sondern wer sie anwendet. Der Plenumspräsident Borja Fanjul ist dafür zuständig, die Rederegeln zu interpretieren und zu entscheiden, wann eine Grenze überschritten wird. Die Diskussion deutet darauf hin, dass diese Interpretation nicht symmetrisch ist: Sie wird streng bei einigen angewandt, während andere mit offenen Armen behandelt werden. Die praktische Konsequenz ist, dass das Plenum eher zu einer Bühne für politische Konfrontation als zu einem Forum für kommunale Debatte wird.

Politische Nutzung von Beleidigungen und Vox’ Reaktion

Der Begriff „Nancy“ ist der Kern des Konflikts. Für manche ist er eine legitime Übertreibung im Kontext von Straßenprotesten; für andere eine schwere Anschuldigung, die den Gegner entmenschlicht. Im Hintergrund läuft eine breitere Diskussion darüber, ob Vox etwas mit dem historischen Nationalsozialismus zu tun hat. Ein Teil der Analyse besagt, dass der deutsche Nationalsozialismus ein komplexes System mit heidnischen und okkultistischen Wurzeln war, das wenig mit Mussolinis Faschismus oder dem Nationalkatholizismus von Vox gemeinsam hat. Ein anderer Teil kontert, dass solche Nuancen nur dazu dienen, die ultrarechte Szene reinzuwaschen.

Die Diskussion wandte sich historischen Aspekten zu. Es werden Unterschiede zwischen dem römischen Gruß und dem nationalsozialistischen Gruß, Einflüsse der Thule-Gesellschaft und Interpretationen der Sieger des Zweiten Weltkriegs zitiert. Dies ist ein rutschiges Terrain, wie das Gespräch zeigt: Jede Nuance wird als Parteinahme gelesen.

Institutioneller Zirkus und Kosten für Steuerzahler

Über den Streit hinaus schwebt ein Faktum über der Diskussion: die Kosten für ein Plenum, das zur Show wird. Es wird erwähnt, dass Stadträte etwa 6.000 Euro pro Monat verdienen. Diese Zahl wird als Argument genutzt, um zu kritisieren, dass Institutionen zu Arenen parteipolitischer Konfrontation geworden sind. Die implizite Frage lautet, ob die Geschäftsordnung angewendet wird, um die Debatte zu ordnen, oder um sie politisch zu verwerten.

Auch die mediale Nutzung des Ausschlusses wird diskutiert. Es wird argumentiert, dass die ausgeschlossene Stadträtin mediale Aufmerksamkeit sucht und die Strategie, den Gegner als „Reaccionario“ (rechter Popanz) zu bezeichnen, eine Form der Mobilisierung der Basis ist. Andere entgegnen, dass mediale Aufmerksamkeit die Folge, nicht die Ursache sei, und dass das Grundproblem fehlende Vorschläge sind.

Was im Plenum entschieden wird – und was in den Medien

Im Kern geht es darum, ob das Plenum des Madrider Stadtrats ein Regierungsorgan oder ein Fernsehstudio ist. Der Ausschluss von Rita Maestre, weil sie nach Almeidas nicht genehmigter Rede das Wort verlangte, dient als Beispiel für den Vorwurf, dass Institutionen wie Privateigentum behandelt werden. Die Diskussion ist nicht abgeschlossen: Es gibt keine Klärung darüber, ob der Ausschluss verhältnismäßig war oder ob ungleiche Behandlung vorlag. Was bleibt, ist die Feststellung, dass die Geschäftsordnung zu einer weiteren politischen Waffe geworden ist.



Am Ende ist es nicht der Ausschluss selbst, der verstört, sondern die Normalität, mit der akzeptiert wird, dass ein kommunales Plenum diesem Zweck dient. Die Regeln sagen das eine; wer sie anwendet, tut das andere. Und der Steuerzahler bezahlt derweil die Vorstellung.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (134 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver