Litauen blockiert Kaliningrad: Spannungen mit Moskau und der EU

Litauen stoppt den Warentransport nach Kaliningrad, einer Exklave mit einer Million Einwohnern; Nutzer sehen darin fast eine Kriegserklärung.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Litauen unterbricht Transit nach Kaliningrad und steht am Abgrund

Eine Million Menschen leben in einem Teil Russlands, das nicht an Russland grenzt. Um sie per Bahn zu versorgen, muss man Litauen durchqueren, und Vilnius hat beschlossen, diesen Weg für Waren zu sperren. Die von Reuters verbreitete Nachricht wurde im Forum mit einer Einschätzung begleitet, die die Stimmung zusammenfasst: „fast eine Kriegserklärung“. Kaliningrad liegt eingeklemmt zwischen Litauen und Polen, und sein Landkorridor führt über litauisches Gebiet. Mit dieser Nabelschnur wird gespielt.

Ist die Blockade des Transits nach Kaliningrad legal?

Die erste Front ist juristisch, und keine Seite weicht vom Recht ab. Eine Lesart besagt, dass die Maßnahme einwandfrei legal sei: Litauen wendet als EU-Mitglied die gemeinschaftlichen Sanktionen an und lässt lediglich verbotene Produkte nicht passieren. Die symmetrische Lesart kommt von der anderen Seite: Wenn die Maßnahme legal ist, wäre es auch, dass Russland den Krieg erklärt.

Wer den Transitrahmen verteidigt, beruft sich auf unterzeichnete Texte. Der Beitrittsvertrag der baltischen Staaten zur EU würde den freien Transit zwischen Kaliningrad und dem übrigen Russland einschließen, basierend auf Artikel 12 des Assoziierungsabkommens und Artikel V des GATT, mit Zollbefreiung: Transitware sollte keinen unnötigen Verzögerungen oder Einschränkungen unterliegen. Wenn das gilt, ist die Schließung kein administratives Detail, sondern ein Stück, das aus einem vor Jahrzehnten aufgebauten Brett genommen wird.

Von der Sperrung der Straße von Tiran bis British Columbia

Die Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich. Das meistzitierte Präzedenzfall ist Ägypten, das die Straße von Tiran sperrte und Israels Zugang zum Roten Meer abschnitt; das Ergebnis war der Sechstagekrieg, und Ägypten verlor die gesamte Sinai-Halbinsel bis zum östlichen Ufer des Suezkanals. Daraus wird eine unbequeme Schlussfolgerung gezogen: Im Laufe der Geschichte gab es Dutzende von Kriegen, die durch die Blockade eines Gebiets oder einer Handelsroute ausgelöst wurden.

Das Analogie-Experiment bleibt nicht im Nahen Osten stehen. Es wird mit Kanada verglichen, das den US-Transit zwischen Washington und Alaska durch British Columbia verbieten könnte. Und man schaut nach Süden: Spanien könnte den Transport marokkanischer Waren blockieren oder Gibraltar ohne Telefon und Strom lassen, mit derselben rechtlichen Rechtfertigung. Legal ja, üblich nein. Diskutiert wird weniger der Gesetzestext als vielmehr, ob es sich um berechnete Provokationen handelt.

Königsberg, Ceuta und Melilla: Der Kampf der Namen

Es gibt einen vorgelagerten Krieg, den der Worte. Die Stadt Kaliningrad oder Königsberg zu nennen, ist nicht neutral, ebenso wenig wie sie als Kolonie zu bezeichnen. Die zurückgeworfene Frage lautet, warum diesem Enklaven das koloniale Etikett angeheftet wird, Ceuta und Melilla aber nicht; die Antwort lautet, dass diese Städte vor Marokko existierten. Bei Kaliningrad erinnert man daran, dass die Konferenz von Potsdam 1945 und die Vereinbarung zwischen den Alliierten und der Sowjetunion sein Schicksal festlegten, und dass die Stadt zuvor 1944 durch britische Bombardements zerstört und dann von den Sowjets belagert wurde.

Die historische Diskussion gleitet schnell in die aktuelle über. Ein Sektor fordert, dass die Enklave auf die UN-Liste der zu entkolonisierenden Gebiete gesetzt wird. Ein anderer erinnert daran, dass die ursprüngliche Bevölkerung nach dem Krieg vertrieben wurde, was jede Selbstbestimmung erschwert. Und ein dritter, pragmatischerer Sektor weist darauf hin, dass nur wenige interessiert, was ein Land wie Litauen denkt.

Cyberangriffe und die Rücknahme der Maßnahme

Der Konflikt sprang schnell von der Schiene auf das Kabel. Das litauische Verteidigungsministerium meldete Cyberangriffe gegen öffentliche und private Institutionen und warnte vor einer hohen Wahrscheinlichkeit weiterer Attacken. Kurz darauf begannen Berichte — unter Berufung auf DW und El País — zu zirkulieren, wonach Litauen gezwungen war, seine Entscheidung zu korrigieren, und die EU Vilnius in die Schranken wies, mit dem Argument, Litauen wolle die gesamte Union in einen Konflikt ziehen, der nicht ihr eigener sei.

Man sollte mit dem Ausgang vorsichtig sein: Es gibt nur Versionen. Aber die Grundgeschichte wiederholt sich. Es wird behauptet, dass die ehemalige Sowjetunion bei der Anerkennung der Unabhängigkeit Litauens schriftlich festhielt, dass diese Anerkennung mit dem Respekt vor dem Korridor von Kaliningrad verbunden sei, was die Schließung zu einem servierten casus belli machen würde. Andere führen das Manöver auf Befehle aus Washington und Brüssel zurück. Keines von beiden ist bewiesen.

Die unbeantwortete Frage

Es bleibt der Elefant im Raum. Ist die europäische und amerikanische Bevölkerung bereit für einen Dritten Weltkrieg, einschließlich nuklearer Eskalation, damit Litauen den Transport russischer Waren verhindert? Einige erinnern daran, dass nukleare Abschreckung nur funktioniert, wenn der Gegner glaubt, dass du den Knopf drückst; wenn er es nicht glaubt, ist sie wertlos. Und manche fügen hinzu, dass Moskau bereits genug Druck erfahren habe und die NATO entweder zurückrudern oder einen harten Schlag landen müsse.

Am Ende ist die verwirrende Tatsache nicht militärisch, sondern geografisch. Der ganze Konflikt dreht sich um eine Million Einwohner, eingeklemmt zwischen zwei NATO-Ländern. Wenn der Transit nicht wieder geöffnet wird, gibt es keinen Plan B über Land, der nicht durch denselben Flaschenhals führt. Und dort, ob berechtigt oder nicht, ist derjenige, der sich ins Wolfsmaul begibt, oft derjenige, der den Zähnen am nächsten ist.

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (268 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

Volver