Lezginka: der Kaukasus-Tanz, der mit Breakdance verglichen wird

Die Lezginka, ein traditioneller Tanz aus dem Nordkaukasus in Russland, stellt auf der Bühne die Rollen von Mann und Frau gegenüber und öffnet den Vergleich mit spanischer Folklore neu.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Lezginka: der Kaukasus-Tanz, der mit Breakdance verglichen wird
Lezginka: der Kaukasus-Tanz, der mit Breakdance verglichen wird

Der traditionelle Tanz des Nordkaukasus ist kein Salonfolklore. Die Lezginka, die aus Dagestan stammt und in Tschetschenien, Inguschetien und Nordossetien verbreitet ist, ist ein choreografierter Zweikampf, bei dem der Mann springt, auf den Knien rotiert und auf Zehenspitzen geht, während die Frau dahingleitet, ihre Füße unter dem langen Kleid unsichtbar. Diese Beschreibung kursiert seit Jahren in Wirtschaftsforen mit einem eigentlichen Argument: Ein solcher Tanz wäre heute in Spanien wegen des radikal unterschiedlichen Rollenverständnisses von Mann und Frau nicht mehr vorzeigbar.

Der Text, der das Gespräch eröffnete, machte es deutlich: „Er verlangt von den Männern gute körperliche Fitness, Kraft und Ausdauer, und von den Frauen Anmut und geschmeidige Bewegungen.“ Und er endete: „Das ist Tanzen, meine Herren, und nicht das, was wir in Spanien mit Sardanas, Jotas und Muiñeiras haben.“

Was ist die Lezginka und warum wird sie bei Hochzeiten und in Discos getanzt

Die Lezginka wird bei jedem Fest getanzt, bei Hochzeiten, Geburtstagen oder sogar in Discos in Dagestan. Die staatliche Tanzkompanie der Republik trägt ihren Namen. Normalerweise wird sie paarweise ausgeführt, und die Rollen sind präzise getrennt: Die Schritte der Frauen sind klein, die Arme wellen sich und verdecken das Gesicht oder öffnen sich ganz, der Kopf bleibt stets erhoben und der Blick meidet den direkten Blick des Mannes. Die Männer hingegen entfalten ein schnelles und aggressives Repertoire: Gang auf Zehenspitzen, doppelte Pirouette in der Luft, Drehungen auf den Knien, Sprünge und Drehungen ohne Ortswechsel.

Der Vergleich mit Breakdance tauchte früh im Gespräch auf, und er ist kein Zufall. Manche sehen darin mehr Akrobatik als Tanz. „Das ist kein Tanz, das ist Akrobatik“, fasst einer der Beiträge zusammen. Andere wiederum verteidigen, dass die Schwierigkeit der Frauen im Gegenteil liege: zurückhaltende, langsame Schritte mit minimalen Gesten, bei denen man fast dahingleitet, als würde man schweben.

Das Rollen-Argument: Werbung um die Braut gegen Gleichberechtigung

Der Kern der Sache ist nicht choreografisch, sondern kulturell. Eine Strömung der Analyse vertritt die Auffassung, dass Tänze die Psychologie der Völker widerspiegeln: Im Kaukasus zeigt der Mann sein Können, während die Frau eine passive, weibliche Rolle einnimmt; in baskischen Tänzen dagegen gibt es oft gar keine Frauen, und wenn sie dabei sind, tanzen sie nicht als Frauen, sondern imitieren den Mann. Daraus folgt die diskutable Schlussfolgerung, dass im Baskenland das kaukasische Modell übernommen werden sollte.

Demgegenüber relativiert ein anderer Teil des Gesprächs die Begeisterung: Was in den Videos zu sehen ist, sind professionelle Tänzer staatlicher Kompanien, nicht die Verwandten des Brautpaares auf einer Hochzeit. „Als hätte man für die Hochzeit das Ballet Rice Viana engagiert und behauptet, das sei ein traditioneller galizischer Tanz“, fasst ein Beitrag zusammen. Der Kontrast zwischen echter Folklore und der YouTube-Schaubühne liegt damit auf dem Tisch.

Von Khabib bis The King's Man: die Lezginka außerhalb des Kaukasus

Der Tanz hat auf zwei Wegen Einzug in die Populärkultur gehalten. Der eine ist sportlich: Aus Dagestan kommen Ringer wie Khabib Nurmagomedov, und die Region wird im Gespräch als das beschrieben, was einer modernen Sparta am nächsten kommt, so viele Kämpfer sie hervorbringt. Der andere ist filmisch: Im letzten Film der King's Man-Reihe wird der Kampf mit Rasputin mit Lezginka-Bewegungen ausgetragen, mit unverkennbaren Drehungen, ausgeführt von einem Double, das diesen Tanz beherrscht, und mit Musik von Tschaikowski im Hintergrund. Die Szene gilt als das Beste des Films.

Auch für ästhetische Skepsis ist Platz. „Röhrenjeans und ins Hemd gestecktes Hemd“, ist in einer der Antworten zu lesen, die das Ganze als wenig martialisch bezeichnet. Ein anderer vergleicht den Tanz mit dem Pogo der Punker der achtziger Jahre, räumt aber ein, dass diese es „alle ineinandergequetscht und uns gegenseitig eine reinhauend“ machten.

Was die Lezginka nicht löst

Die Begeisterung für den kaukasischen Tanz vermischt sich im Gespräch mit einem ständigen Vergleich mit Spanien, der nie ganz abgeschlossen wird. Dass Jota oder Muiñeira weniger Sprung verlangen, bedeutet nicht, dass sie weniger Technik verlangen, und dass die Lezginka im Video beeindruckt, beweist nicht, dass das gesellschaftliche Modell, das sie umgibt, übertragbar ist. Die vernünftigste Prognose mit den verfügbaren Daten lautet, dass das Video immer wieder als Wurfgeschoss im ewigen Kulturkampf kursieren wird. Und dass sich niemand darauf einigen wird, ob das Tanzen ist oder Akrobatik.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (43 Antworten).

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