Letzte Funkaufnahme der Pilotin: Absturz mit 22.000 Fuß pro Minute

Die Pilotin meldete Eisbildung und bat um Steigen auf 37.000 Fuß. Die Kontrolle antwortete „Handeln Sie nach eigenem Ermessen“. Kurz darauf fiel das Flugzeug mit 22.000 Fuß/min.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Letzte Funkaufnahme der Pilotin: Absturz mit 22.000 Fuß pro Minute
Die letzte Funkaufnahme der Pilotin: Ein Sturz mit 22.000 Fuß pro Minute

Die letzten Momente eines Privatflugzeugs, das in Florida mit neun Menschen an Bord abstürzte, haben eine Funksaufzeichnung hinterlassen, die zum unbequemsten Dokument des Unglücks geworden ist. In den Minuten vor dem Aufprall meldete die Pilotin Eis, leichte Turbulenzen und Temperaturen von minus 47 Grad Celsius und bat um ein Steigen auf 37.000 Fuß. Die Flugsicherung antwortete mit einer Anweisung, die wie ein Urteil klingt: „Handeln Sie nach eigenem Ermessen.“ Kurz darauf sank das Flugzeug mit 22.000 Fuß pro Minute. Bei dieser Geschwindigkeit wird der Fall nicht mehr zu einem Sinkflug, sondern zu einem Stein.

Was jene, die die Aufnahme gehört haben, verwirrt, ist nicht die Zahl, sondern der Tonfall. Die Pilotin bleibt ruhig, informiert, bittet, führt aus. Sie schreit nicht. Ihre Stimme bricht nicht. Und das hat in einer Branche, in der Erfahrung in Tausenden von Stunden gemessen wird, eine Diskussion eröffnet, die weit über den Unfall hinausgeht: Genügt Gelassenheit, um fehlende Flugstunden auszugleichen? Oder ist Gelassenheit genau das, was man mit den Jahren lernt?

Was die Kommunikation mit der Flugsicherung offenlegt

Die veröffentlichte Sequenz ist kurz und technisch. Die Pilotin meldet, dass sie „mit dem Eis zurechtkommen“ und dass Niederschlag vorhanden sei. Der Lotse gibt ihr die Anweisung, nach eigenem Ermessen zu handeln. Dann Stille. Experten, die die Aufnahme analysiert haben, weisen darauf hin, dass die Bitte, bei angesammeltem Eis und Niederschlag auf 37.000 Fuß zu steigen, zumindest fragwürdig ist: Bei minus 47 Grad ist der Niederschlag Eis, und angesammeltes Eis bekämpft man nicht durch Steigen. Man bekämpft es, indem man die Wolke verlässt. Und die Wolke verlassen bedeutet manchmal Sinken.

Das Problem ist, dass die Entscheidung nicht offensichtlich ist. Ein erfahrener Pilot weiß, dass Steigen einen innerhalb von 2.000 oder 3.000 Fuß aus der Wolkenschicht bringen kann. Sinken zwingt einen dazu, 10.000 oder 15.000 Fuß vereisender Bedingungen zu durchqueren. Die Wahl hängt von Temperatur, Feuchtigkeit und Wolkentyp ab. Und von der Fähigkeit zu lesen, was das Flugzeug dir sagt, bevor es dir sagt.

Eis, das ein Flugzeug in einen Ziegelstein verwandelt

Eisansammlung ist eines der tückischsten Phänomene in der Luftfahrt. Es bricht nicht den Flügel und schaltet nicht den Motor aus. Es fügt Gewicht hinzu, verändert das aerodynamische Profil und reduziert den Auftrieb. Das Flugzeug fliegt weiter, braucht aber immer mehr Geschwindigkeit, um in der Luft zu bleiben. Wenn die Geschwindigkeit sinkt oder der Anstellwinkel steigt, tritt der Strömungsabriss sofort ein. Und ein Strömungsabriss auf 35.000 Fuß ist ein freier Fall in Form einer Rakete.

Experten, die dieses Modell geflogen sind – eine Learjet 60, laut Daten der Fallbeobachter – beschreiben ein Flugzeug mit geringem Auftriebsmarge. Kurze Tragflächen, hohe Geschwindigkeit, schnelle Reaktion. Ein Ferrari der Lüfte. Und wie jeder Ferrari verlangt er Hände, die wissen, was zu tun ist, wenn die Straße nass wird. Die Frage ist, ob diese Hände genug Stunden hatten, um eine Situation zu meistern, die laut technischen Analysen eine kontraintuitive Entscheidung erforderte: Sinken, um dem Eis zu entkommen, statt Steigen, um vor ihm zu fliehen.

Das Alter der Pilotin und die Debatte um Flugstunden

Die Pilotin war 20 Jahre alt. Sie erhielt ihre Lizenz mit 17 und hatte 1.300 Flugstunden angesammelt, laut geteilten Daten. Acht Monate als Berufspilotin. In einer anderen Ära war man mit 1.300 Stunden noch Ausbilder oder flog Turboprops. Heute fliegt man mit wenigen hundert Stunden bereits als zweiter Offizier im Airbus. Der Vergleich ist nicht unbegründet: Die Branche hat sich gewandelt, und Airlines brauchen Co-Piloten, bevor sie vollständig ausgebildet sind.

Diese Tatsache hat eine Diskussion entfacht, die den Unfall überschreitet. Manche behaupten, Jugend sei nicht das Problem, sondern Ausbildung und Erfahrung unter widrigen Bedingungen. Andere entgegnen, dass Jugend genau das Problem ist, wenn es darum geht, Entscheidungen unter Druck zu treffen. Gelassenheit im Funkverkehr, sagen einige, zeugt von Professionalität. Gelassenheit im Funkverkehr, antworten andere, zeugt von nichts: Nur davon, dass sie nicht wusste, was auf sie zukam.

Das Höhenleitwerk und die Raketen-Hypothese

Eine der am häufigsten wiederholten Analyse-Linien deutet auf das Höhenleitwerk hin. Auf Bildern des Einschlags glauben manche zu sehen, dass das Flugzeug ohne dieses Teil fällt. Wenn sich das Leitwerk vor dem Aufprall gelöst hat, wird das Flugzeug zum unkontrollierten Projektil. Wenn es sich infolge des Aufpralls gelöst hat, liegt die Ursache woanders. Der Unterschied ist entscheidend und zum Zeitpunkt dieser Berichterstattung ungeklärt.

Klar ist jedoch die Sinkgeschwindigkeit: 22.000 Fuß pro Minute. Das sind 360 Kilometer pro Stunde vertikaler Fall. Bei dieser Geschwindigkeit erleiden die Insassen keine pogre Verzögerung. Sie erleben die Schwerkraft in ihrer reinsten Form, ohne den Luftwiderstand, der ein Flugzeug trägt. Die Körper zerfallen, bevor das Gehirn den Schmerz verarbeitet. Es ist der einzige Trost, den man schreiben kann, ohne in morbide Sensationslust zu verfallen.

Was über das Flugzeug und die Wetterbedingungen bekannt ist

Das Flugzeug befand sich auf 35.000 Fuß, über dem Mount Everest. Auf dieser Höhe liegt die Außentemperatur bei rund minus 47 Grad Celsius, selbst in Florida, selbst im Oktober. Die Luft ist trocken, aber Gewitter können Feuchtigkeit in hohe Schichten injizieren. Und wenn diese Feuchtigkeit gefriert, entsteht Eis dort, wo es nicht sein sollte. Die offene Frage lautet, warum das Flugzeug ein Gewitter durchflog, statt es zu umfliegen. Oder warum es nicht umkehrte.

Die Flugsicherung ordnete das Steigen nicht an. Sie sagte „Handeln Sie nach eigenem Ermessen.“ Dieser Satz ist im Mund eines Lotsen eine Delegation der Verantwortung. In Filmen erscheint Superman, um die Dame in den Armen zu tragen. In der Realität ist die Dame allein auf 35.000 Fuß, mit Eis an den Flügeln und einer Entscheidung, die in Sekunden unwiderruflich wird.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (170 Antworten).

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