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Lepanto: 455 Jahre nach der Schlacht, die Spanien nicht feiert
Am 7. Oktober 1571 stoppten über 200 christliche Galeeren den osmanischen Vormarsch bei Lepanto. 455 Jahre später geht der Jahrestag unbeachtet vorüber.
Lepanto: 455 Jahre nach dem Sieg, den Spanien nicht feiert
Am 7. Oktober 1571 trafen im Golf von Lepanto mehr als zweihundert christliche Galeeren auf mehr als zweihundert türkische. Die Heilige Liga unter dem Kommando von Don Juan de Austria, der gerade 24 geworden war, stoppte den osmanischen Vormarsch im Mittelmeerraum. Auf der Galeere Marquesa diente ein 24-jähriger Soldat mit Fieber: Miguel de Cervantes. Man sagte ihm, er solle unter Deck bleiben. Er fragte, was man von ihm halten würde. Der Sieg ging an die Koalition, doch die militärische Hauptlast trug Spanien. Vierhalb Jahrhunderte später geht der Jahrestag unbeachtet vorüber.
Warum war Lepanto die blutigste Seeschlacht der Geschichte?
Die Zahlen sind erschreckend: 16.000 Tote und Verwundete auf christlicher Seite, 30.000 auf türkischer Seite. Nicht einmal in den beiden Weltkriegen gab es eine Seeschlacht, die diese Zahlen übertraf. Die Frontalkollision zwischen der Real, dem Flaggschiff Don Juans von Österreich, und der Sultana des osmanischen Admirals Ali Pascha war brutal. Don Juan zog das Schwert und entert das feindliche Schiff mit den Tercios. Er blieb nicht im Hinterhalt zuschauen.
Die überlegene Artillerie der Christen war entscheidend. Die Bugkanonen, tief auf die Wasserlinie gerichtet, und die schwer bewaffneten venezianischen Galeassen machten den Unterschied. Die spanische Infanterie verwendete mehr Schießpulver als Pfeile, anders als die Türken. Und das Glück stand auf christlicher Seite: Mitten im Gefecht drehte sich der Wind, brachte die Osmanen durcheinander und half der Heiligen Liga. Aus Dankbarkeit führte der Papst das Fest „Unserer Lieben Frau vom Sieg" ein, heute „Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz".
Gab es Katalanen bei Lepanto?
Ja. Es gab Katalanen in den spanischen Armeen, und nicht wenige. Luis de Requesens, Juan de Cardona und andere katalanische Kommandanten nahmen an der Schlacht teil. Fakt ist allerdings, dass die Generalitat und ihre Eliten politisch mittelmäßig waren, nicht erst unter den Habsburgern, sondern schon vorher. Doch das löscht ihre Präsenz in der Flotte nicht aus. Manche behaupten, es tue Verfechtern des Nationalismus auf beiden Seiten, Katalanen wie Kastilier, weh, diese Tatsache anzuerkennen. Ein Teilnehmer fasste es so zusammen: „Ich bin Katalane, Kastilier und folglich Spanier. Ich liebe meine Länder und ganz Spanien."
Das Vergessen von Lepanto in der angelsächsischen und italienischen Erzählung
Die Schlacht wird üblicherweise auf zwei Arten kleingeredet. Erstens mit dem Klischee, „in der nächsten Saison hätten die Türken wieder eine Flotte gehabt". Zweitens durch die Leugnung, dass es ein spanischer Sieg war. Es gibt englische oder italienische Dokumentationen, in denen Spanien gar nicht erwähnt wird und nur von den Galeassen die Rede ist, bemannt von spanischen Marineinfanteristen. Die Realität ist, dass Lepanto die Türken ihrer besten Seeleute beraubte. Im Seekrieg zählt nicht die Flotte, sondern das Humankapital. Ohne Lepanto wäre das Ergebnis für den Westen ein ganz anderes gewesen.
Cervantes, der Einarmige von Lepanto
An Bord der Galeere Marquesa kämpfte Cervantes „äußerst tapfer", wie das spätere Zeugnis seiner Kameraden belegt. Er litt an Malaria und hatte hohes Fieber. Sein Kapitän befahl ihm unterzugehen. Seine Kameraden versuchten, ihn zu überzeugen. Er fragte, was man von ihm sagen würde, wenn er nicht kämpfte. Diejenigen, die dabei waren, erinnerten sich Jahre später daran. Er sagte, er wolle „lieber sterben", als sich zu verstecken. Cervantes lebte stolz darauf, gekämpft zu haben. Er war kein Mann, dem das Leben übel mitspielte, wie manche behaupten. Er war ein Mann, der sich für das Risiko entschied.
Das Leben auf den Galeeren: schlimmer als der Tod
Die Enge und der Dreck auf den Galeeren erreichten unvorstellbare Ausmaße. Die damalige Medizin war ein einziger Pfusch: Um Blutungen zu stillen, band man Arterien mit kontaminiertem Seidenfaden ab oder kauterisierte, nachdem man die Wunde mit allerlei Schmutz eingerieben hatte. Eine Sepsis war garantiert. Zur Wundversorgung im Gefecht verwendete man „Axungia hominis". Die Lebenserwartung der Ruderer hätte unter diesen Bedingungen kaum viele Monate betragen. Die jungen Schiffsjungen kletterten auf die Mastspitze, um Galeeren hinter dem Horizont am Geruch zu erkennen. Daher stammt der spanische Fluch „vete al malos" (sinngemäß: „Ab zum Teufel").
Kurioses: der Äffchen von Don Juan de Austria
Don Juan de Austria führte auf der Galeere Real ein kleines weißohriges Krallenäffchen mit sich. Das Tier tollte über das Deck, ohne sich vom Lärm des Gefechts beeindrucken zu lassen. Während des Kampfes bohrte sich ein osmanischer Pfeil in den Kasten eines Kruzifixes. Das Äffchen kletterte wütend hinauf, riss den Pfeil mit Pfoten und Zähnen heraus und zerbiss ihn in Stücke – zum Erstaunen der Soldaten. Don Juan war fasziniert von exotischen Tieren und hielt Jahre später einen gezähmten Löwen.
Die Schlacht von Lepanto war ein Koalitionssieg, doch die militärische Hauptlast trug Spanien. Vierhalb Jahrhunderte später geht der Jahrestag unbeachtet vorüber. Keine Filme, keine Serien, keine Gedenkfeiern. Manche behaupten, angesichts derer, die Medien und Unterhaltung kontrollieren, sei das kein Zufall. Die Frage ist nicht, ob es Katalanen gab oder nicht. Die Frage ist, warum heute niemand über Lepanto spricht.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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