La bola negra: 4,7 Mio. Euro Start, gespaltenes Publikum

Der spanische Film 'La bola negra' erzielte am Startwochenende 4,7 Millionen Euro Umsatz und ist der meistgesehene des Jahres, trotz Vorwürfen der Propaganda.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

La bola negra: 4,7 Mio. Euro Start, gespaltenes Publikum
La bola zaina: 4,7 Millionen zum Start und ein gespaltenes Publikum

Kann man einen Film über den Spanischen Bürgerkrieg, Lorca und Gaiität drehen, ohne dass sich jemand manipuliert fühlt? Die Javis haben es mit La bola zaina versucht, aber angesichts der Diskussionen scheint das Gegenteil eingetreten zu sein: Sie haben alle aufgewühlt. Der am 25. September gestartete Film spielte am ersten Wochenende 4,7 Millionen Euro ein und wurde laut kursierenden Schlagzeilen zum meistgesehenen Film des Jahres in Spanien, noch vor Spider-Man. Ein Kassenerfolg, bei dem jedoch ein Teil des Publikums den Kinosaal mit dem Gefühl verließ, eine dreistündige Werbung gesehen zu haben.

Der Film basiert auf handschriftlichen Seiten von Federico García Lorca und dem Abstimmungsmechanismus der Casinos jener Zeit: Die weiße Kugel nahm den Kandidaten auf, die schwarze lehnte ihn ab. Auf diesem Gerüst bauen die Regisseure drei Generationen von Männern auf, die durch Verlangen und Schmerz verbunden sind, mit Guitarricadelafuente als Hauptdarsteller, Penélope Cruz in einer 18-minütigen Rolle mit zwei Musiknummern und einem Cast, der Miguel Bernardeau, Lola Dueñas und Julio Torres umfasst.

Das Problem des Priesters im Casino

Der erste Einwand ist historischer, nicht ästhetischer Natur. Laut einem Teilnehmer gab es im Casino von Granada keine Priester oder Bischöfe, die mit schwarzen Kugeln abstimmten, da das Kodex des kanonischen Rechts Anfang des 20. Jahrhunderts dem Klerus ausdrücklich untersagte, an unanständigen oder weltlichen Aktivitäten teilzunehmen: Stierkämpfe, Casinos, Geschäfte, Glücksspiel, weltliche Unterhaltung, Geselligkeitsvereine oder politische Zirkel. Höchstens konnten sie als Gäste an besonderen Veranstaltungen teilnehmen. Nach dieser Lesart ruht die zentrale Szene des Films auf einer Lizenz, die keinem dokumentarischen Vergleich standhält.

Hinzu kommt das Porträt Lorcas als exzentrische und gequälte Figur sowie die Deutung des Konflikts als Konfrontation zwischen Anstand und Unanständigkeit. Manche behaupten, dieses Manichäismus mache den Film zu einem Katechismus des historischen Gedächtnisses, mit vorab verteilten Guten und Bösen und der Republik als verlorenem Paradies. Dagegen spricht, dass das spanische Kino den Bürgerkrieg seit Jahrzehnten aus genau derselben Perspektive erzählt, sodass die angebliche Kühnheit der Javis eigentlich nur wiederkehrender Murmeltiertag ist.

Cannes, Toronto und San Sebastián: Preise oder Kampagne?

Die internationale Laufbahn des Films umfasst laut Thread einen geteilten Preis für die beste Regie in Cannes, den Publikumspreis in Toronto — der erste nicht-englischsprachige Film, der dies seit 2011 schafft — und San Sebastián. In den USA startete der Film am 16. Oktober in einer begrenzten Anzahl von Kinos, verteilt von Netflix. Für einen Teil des Publikums sind diese Auszeichnungen keine Preise, sondern Positionierungskampagnen: Der Festival-Kreislauf dient als kommerzielle Schaufenster, und die Überschneidung von Produzent, Vertrieb und öffentlich-rechtlichem Sender im selben Ökosystem weckt Misstrauen.

Die Werbung in den Abendnachrichten ist für viele der endgültige Beweis. Wenn TVE einen Film in die Prime-Time-Nachrichten bringt, handelt es sich nicht mehr um Kultur, sondern um Kampagne. Und wenn Movistar ihn produziert und Netflix ihn vertreibt, schließt sich der Kreis.

Was auf der Leinwand zu sehen ist: Fotografie ja, Erzählung nein

Die häufigste Kritik ist nicht ideologisch, sondern narrativ. Der Film ist visuell kraftvoll — es herrscht Konsens, dass die Kameraarbeit erstklassig ist und einen Oscar gewinnen könnte — aber die Geschichte zerfällt. Traumhafte Szenen, Zeitsprünge, ein Videoclip-Ton über drei Stunden, der manche blendet und andere einschläfert. Die meistzitierte Beschreibung: Eine Jean-Paul-Gaultier-Werbung mit der Sarracena eines Schulbuchs.

Das Grundproblem, so einige Stimmen, ist nicht mangelndes visuelles Talent, sondern fehlendes kulturelles Rüstzeug. Die Javis kennen Fassbinder, Cocteau, Genet oder Pasolini nur vom Hörensagen, haben diese Namen und die Tradition, aus der sie stammen wollen, nicht verdaut. Deshalb blenden sie ein junges Publikum, das ebenso unkundig ist wie sie selbst, und wirken hohl für jeden mit auch nur minimalem Filmwissen.



Am Ende stellt sich nicht die Frage, ob La bola zaina gut oder schlecht ist. Sondern ob ein weiterer Film über den Bürgerkrieg, erzählt auf Autopilot, nötig war. Die Kasse sagt ja. Das Publikum sagt manchmal nein.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (206 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

Volver